Lehrprobe Geschichte: Widerstand im 3. Reich

Fragen & Antworten zu didaktischen Problemen, methodische Kniffe für den nächsten Unterrichtsbesuch usw.

Lehrprobe Geschichte: Widerstand im 3. Reich

Beitragvon HerrNoise » 30.10.2017, 18:17:33

Moin liebe (hoffentlich baldigen) Kolleginnen und Kollegen

nach einigen Tagen der Vorbereitungen liegen bei mir die Nerven mal wieder blank. Kommenden Mittwoch habe ich meine 4. Lehrprobe im Fach Geschichte in einem Q2 Kurs zum Thema Widerstand im Dritten Reich. Ich arbeite wirklich gerne mit dem Kurs und auch mit der Lehrerin, die den Kurs eigentlich betreut. Durch die Ferien in NRW kann ich sie allerdings momentan schlecht erreichen und fühle mich in meiner Vorbereitung ziemlich alleine gelassen.
Zudem hat mein Fachleiter meinen ersten Entwurf per Email doch ziemlich deutlich abgelehnt, weshalb ich jetzt auf der Suche nach einigen Vorschlägen bin.


Insgesamt soll die Doppelstunde das Thema Widerstand im Dritten Reich abdecken. In der ersten Stunde, der Stunde vor dem Unterrichtsbesuch, sollten die Schüler eigentlich zunächst die gängige Definition von Widerstand nach Peuckert anhand eines Verfassertextes kennen lernen. Der Fachseminarleiter machte hier den Vorschlag, dass, wenn mit Peuckert gearbeitet werden soll, auch eine entsprechende Einordnung unterschiedlicher Formen widerständigen Verhaltens vornehmen zu lassen. Dem Vorschlag kann ich natürlich zustimmen und versuche gerade, diesen in meine Planung aufzunehmen.
Anschließend sollen verschiedene Widerstandsgruppen in arbeitsteiliger Gruppenarbeit anhand kurzer Darstellungstexte kennen gelernt und den Mitschülern vorgestellt werden. Dabei ist mir wichtig, dass die Arbeitsgruppen jeweils die Teilnehmer, sowie Motive und Ziele der Gruppen herausarbeiten. Die Ergebnisse werden auf Folien gesammelt.

In der zweiten Stunde, also der Stunde der Lehrprobe, wollte ich die Frage in den Mittelpunkt stellen, warum es sich um einen Widerstand ohne Volk handelte. Das Beispiel dafür sollte die Weiße Rose sein. Nach Meinung meines Fachseminarleiters lässt sich am Beispiel der Weißen Rose allerdings nur schwierig erarbeiten, warum der Widerstand gegen den NS ein Widerstand "ohne Volk" war. Ich könnte mir daher vorstellen die Fragestellung entsprechend zu ändern und als Problematisierung die Frage in den Raum zu stellen, welche Bedeutung der Widerstand für das Selbstverständnis des demokratischen Deutschlands nach Ende des Zweiten Weltkriegs spielt.

Beim Einstieg bin ich mir leider noch nicht sicher. Möglich wäre es mit einem kurzen Ausschnitt (etwa 2 Minuten) zum Verhör der Weißen Rose aus dem Film "Sophie Scholl - die letzten Tage" zu arbeiten. Mein Fachseminarleiter kritisierte dies allerdings, da er unsicher sei, inwiefern eine ARbeit mit Filmausschnitten gewinnbringend sei, da es dann eher um die Dekonstruktion filmischer Inszenierungstechniken ginge, obwohl dies nicht mein eigentliches Ziel gewesen wäre.

In der Erarbeitungsphase sollen die Schüler anhand des 5. Flugblattes der Weißen Rose Ziele und Motive herausarbeiten. Diese können mit den Motiven und Zielen der bereits bekannten Widerstandsgruppen verglichen werden. Die Ergebnisse werden in einer kurzen Sicherungsphase an der Tafel festgehalten. Gegebenenfalls kann eine weitere Quelle mit dem Todesurteil in schriftlicher Form vorgelegt werden, um die anschließende Diskussion einzuleiten, warum es keine größere Unterstützung für den Widerstand gab. Alternativ kann das Todesurteil erneut in filmischer Form (etwa 50 Sekunden) präsentiert werden, da hier die Folgen des Widerstands deutlich werden.


Nun bin ich momentan einfach überfragt, wie ich aus dem was ich habe eine Stunde zum Widerstand basteln soll und welche Leitfrage denn tatsächlich für eine solche Stunde geeignet wäre. Der Kurs ist recht leistungsstark und ich hätte den Schülern zugetraut innerhalb der Doppelstunde meine eigentliche Frage zu beantworten, warum es sich um einen Widerstand ohne Volk handelte. Dies war auch der eigentliche Vorschlag der Kollegin, die den Kurs kennt. Allerdings kann ich die Kritik des Fachseminarleiters nachvollziehen, dass dazu mehr nötig wäre, als das Wissen aus der gezeigten Einzelstunde. Vielleicht hat hier jemand eine Idee, an welchen grobe Planung ändern kann, um eine sinnvolle Stunde zeigen zu können.
HerrNoise
 
Beiträge: 1
Registriert: 30.10.2017, 18:00:07

Re: Lehrprobe Geschichte: Widerstand im 3. Reich

Beitragvon JimJupiter » 31.10.2017, 13:41:06

Spannendes Thema und hochwertige Bruchstücke, die Du beschreibst.

Am das alles ringelt sich um den Inhalt herum.

Was sind die Ziele?

Also, was sollen die SuS am Ende der Stunde mehr können als beim Eintritt in den Klassenraum?

Und was soll Deine didaktische Grundentscheidung sein?



Erst danach kann Dir jemand vernünftig in der Stundenaufstellung helfen.
Hamburg, Abteilungsleiter an weiterführender Schule Sek I und II
JimJupiter
 
Beiträge: 144
Registriert: 30.09.2015, 19:01:44

Re: Lehrprobe Geschichte: Widerstand im 3. Reich

Beitragvon EGePh » 31.10.2017, 17:59:00

Was mich etwas irritiert ist dieses 'die Frage in den Raum stellen'. Dafür hätte ich mir ordentlich Kritik eingefangen. Die Schüler müssen ja aufs Problem kommen oder sich mit einer Arbeitshypothese an den Gegenstand heranwagen, somit ist das meiste von dem hier geschilderten zwar informativ, aber wie der Vorschreiber anmerkte, noch nicht wirklich zielführend. Was ist denn das Problem deiner Stunde und wie kommt man dahin? "Widerstand im Dritten Reich" ist in der Tat ein Thema, aber noch keine problemorientierte Stunde.

Meiner Ansicht nach fehlt komplett die Hypothesenbildung. Die Möglichkeit von 'Widerstand ohne Volk' ist ein Erkenntnisgewinn, der sich in der Vertiefungsphase maximal herausbilden kann, auf den die S_S aber wahrscheinlich nicht direkt am Anfang der Stunde kommen. Welche Fragen oder Untersuchungsgegenstände würden also zu dem Problem hinführen? Diese Schritte müsstest du für dich erstmal klar bekommen.

Mann könnte von den Massenveranstaltungen ausgehend fragen, ob denn tatsächlich alle so geschlossen hinter dem Regime standen, wie es auf diesen Aufnahmen suggeriert wird, ob es da nicht doch andere Ansichten gab und ob diese sich angesichts der allgemeinen überwältigenden Masse organisieren konnten. Dann wäre das grundlegende Problem in der ersten Stunde aufgeworfen. Der Rückgriff und die definitorische Arbeit nach Peuckert ist sinnvoll und die Herausarbeitung und Charakterisierung der verschiedenen Widerstandsgruppen auch. Meine Bedenken, was den Widerstand ohne Volk angeht, ist hier eher, dass das eine ausgedehnte Vertiefungsphase darstellt, die aber nicht unbedingt genug für eine Stunde hergibt.

Die Folgen des Widerstandes ist dann eher von der Frage der Unterstützung losgelöst. Eventuell als ein Faktor, der dazu führte, dass man sich nicht getraut hat Widerstand zu leisten, aber als Abschluss ist das meiner Meinung nach eher weniger spannend und gewinnbringend.

Problematisch könnte einfach insgesamt der Stundenaufbau werden, dass es als Doppelstunde konzipiert ist. Wenn die Tatsache aber vom Fachleiter aus abgenickt wird, ist es natürlich machbar. Dann konzentriert sich die zweite Stunde auf die Verarbeitung der Ergebnisse (Vergleich der Gruppen) und die Besonderheit des Widerstandes im Fall der Weißen Rose.
EGePh
 
Beiträge: 23
Registriert: 13.03.2016, 18:43:37


Zurück zu Tipps & Tricks für einen besseren Unterricht

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste