Umgang mit extremer Unruhe

Was tue ich, wenn ....?

Re: Umgang mit extremer Unruhe

Beitragvon Toastie » 12.09.2018, 23:19:45

kecks hat geschrieben:ach, wird schon. ich würde weniger reden und mehr handeln, dein tun hast du ja nun erklärt. wenn einer stört

[...]

und vor allem: hab sie gern, sei wertschätzend, sieh sie als mensch. dann wird das schon. nur mut!


Vielen Dank für deine liebe und vielsagende Antwort! Das macht mir Mut und gibt mir einige Dinge, die ich beherzigen kann! :)

Das Auswendiglernen des Gedichts als Strafarbeit gegeben zu haben, ist mir nun fast etwas peinlich - gerade weil wir in der ersten Stunde darüber gesprochen haben, dass Gedichte nicht unbedingt auseinandergenommen werden wollen, sondern Freude bereiten sollen. Nun ja..beim nächsten Mal ...
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Re: Umgang mit extremer Unruhe

Beitragvon MarlboroMan84 » 15.09.2018, 8:12:49

Toastie hat geschrieben: Ständiges Reinreden, blöde Kommentare, Abweichen von Unterrichtsinhalten, kein Melden mehr, alle reden durcheinander, Schüler stehen einfach mal auf und gehen zur Spüle, ...



Ein-, zweimal anschauen => Dann zum Klassenlehrer, Ordnungsmaßnahme über die Schulleitung beantragen.
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Re: Umgang mit extremer Unruhe

Beitragvon cobalt8 » 16.09.2018, 16:32:42

Ich würde Dir raten individuell auf die Klasse einzugehen. Vergleiche mit einer Parallelklasse hinken, was bei den einen funktioniert, muss bei den anderen nicht funktionieren und auch was jetzt funktioniert muss in zwei Monaten nicht mehr funktionieren. Das ist wie bei den Eltern, die ihr verhaltensauffälliges Kind damit entschuldigen, dass sie ja bereits ein anderes Kind genauso erzogen haben, und sie deshalb alles richtig machen.

Dein Ziel sollte sein, dass Du deinen Schülern einen Schritt voraus bist. Du weißt mittlerweile, dass es zu diversen Unterrichtsstörungen in vielen Bereichen kommt. Dann setze Dich hin und überlege Dir, wie Du in der nächsten Stunde auf dieses und jenes reagieren möchtest. Mach dir einen Katalog mit möglichen Konsequenzen und überlege Dir, wann eine Konsequenz davon angemessen ist. Das schafft für dich Sicherheit! Das größte Problem ist, wenn man jedes mal überrascht wird und vollkommen fassungslos von dem ist, was gerade passiert ist. Mach dir im Kopf klar, dass Du der Chef im Klassenraum bist, und niemand anders. Pubertierende Kinder reagieren einfach häufig nicht logisch und rational, dann sieh es so, dass Du Ihnen helfen musst, falls sie es selbst nicht schaffen, und dafür ist jedes Mittel recht.

Ich würde es übrigens nicht Strafarbeit nennen, mit dem Begriff ist es klar, dass Du ein schlechtes Gewissen hast. Du hast die Dinge, die Du nicht geschafft hast für zu Hause aufgegeben, damit die, die lernen möchten auch die Chance haben ihr Stundenziel zu erreichen, das ist keine Strafe! Die massiven Störer werden diese Aufgabe häufig sowieso nicht erledigen, wer wird damit also bestraft?
Schüler sind schlau und kreativ, wenn sie keine Lust haben oder von anderen die keine Lust haben abgelenkt werden, überlege dir Maßnahmen, die sie ganz sicher stören! Neue Sitzordnung ist schon mal ein Anfang. Handelt es sich um einen Klassenraum kann auch eine Tischordnung mit Reihen helfen, da die Schüler sich dabei nicht so offensichtlich ins Gesicht schauen können. Hast Du nach einer Stunde Aufsicht? Dann müssen Dir die Schüler helfen, die gestört haben. Habt ihr an manchen Tagen keinen Ganztag? Dann wirf Störenfriede raus, geb Ihnen draußen eine andere Aufgabe und wenn dies zu häufig vorkommt lass sie nacharbeiten, auch sie haben schließlich ein Recht darauf, den vollen Unterrichtsstoff vermittelt zu bekommen (dann halt eben in der Nacharbeit).
Sei einfach ein wenig kreativ! Wenn die Schüler nach einer Erziehungsmaßnahme minutenlang versuchen mit Dir zu diskutieren, wie sinnlos dies alles sei, dann ist es häufig die richtige Maßnahme, weil sie die Schüler extrem stört!
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Re: Umgang mit extremer Unruhe

Beitragvon Maximer » 12.01.2019, 19:37:06

cobalt8 hat geschrieben: überlege dir Maßnahmen, die sie ganz sicher stören! Neue Sitzordnung ist schon mal ein Anfang. Handelt es sich um einen Klassenraum kann auch eine Tischordnung mit Reihen helfen, da die Schüler sich dabei nicht so offensichtlich ins Gesicht schauen können. Hast Du nach einer Stunde Aufsicht? Dann müssen Dir die Schüler helfen, die gestört haben. Habt ihr an manchen Tagen keinen Ganztag? Dann wirf Störenfriede raus, geb Ihnen draußen eine andere Aufgabe und wenn dies zu häufig vorkommt lass sie nacharbeiten, auch sie haben schließlich ein Recht darauf, den vollen Unterrichtsstoff vermittelt zu bekommen (dann halt eben in der Nacharbeit).
Sei einfach ein wenig kreativ! Wenn die Schüler nach einer Erziehungsmaßnahme minutenlang versuchen mit Dir zu diskutieren, wie sinnlos dies alles sei, dann ist es häufig die richtige Maßnahme, weil sie die Schüler extrem stört!


Ich kann das nur unterstreichen. Strafarbeiten funktionierten bei mir auch nicht, weil sie von den Störern sowieso nicht gemacht werden oder irgendwie schlampig hingeschmiert und du rennst dem Zeug nur hinterher und hast viel Extraarbeit damit.

Seit ich direkt über die Sitzordnung gehe (die Störer kommen konsequent zu mir nach vorne, wenn möglich an Einzeltische) und massive Störer in anderen Klassen unterbringe (einen Trainingsraum gibt es bei uns nicht), konnte ich auch in turbulenten Klassen Ruhe erzeugen. Langes Reden ist Gift, man muss schnell und konsequent reagieren, auch wenn es uns idealistischen Anfängern oft schwerfällt, weil man doch häufig irgendwie meint, dass man es besser könnte. Das ist aber natürlich Blödsinn, wenn man das mal geschluckt hat, kann man sich auch an Brennpunktschulen in pubertär aufgeladenen Klassen behaupten. Denen ist nämlich herzlich egal, ob du nett und human mit ihnen umgehen möchtest.

In pädagogisch anspruchsarmen Schulen/Klassen kann man fast alles ausprobieren und dann den Eindruck gewinnen, dass die eigene Methode ideal sei und überall zieht. Wenn man aber mal an einer schwierigen Schule landet und dort an Schülerklientel gerät, die keinen Bildungshintergrund haben und Schule sowie Lehrerschaft pauschal hassen, wird einem klar, dass man pädagogisch noch ganz am Anfang steht. In dieser Hinsicht habe ich das zweifelhafte Glück, an einer Brennpunktschule mein Referendariat bestreiten zu dürfen. ;-)

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