Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Was tue ich, wenn ....?

Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon Illi-Noize » 21.05.2010, 18:13:52

Aus meiner Sicht wird hier einiges zusammengewürfelt:

fragend-entwickelnd (erarbeitend), darstellend und entdecken-lassend sind jeweils Aktionsformen, Frontalunterricht, Einzelarbeit usw. sind Sozialformen.

Bei uns war ein Buch von Speth Grundlage in einem meiner Fächer, dort ist das oben kritisierte fragend-entwickelnd als sinnvolle Form enthalten (mit vielen aufgelisteten Vor- aber auch Nachteilen).
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon Ulysses » 21.05.2010, 22:23:18

SL hat geschrieben:Gegen einzelne Phasen fragend-entwicklenden Unterrichts ist sicher nichts einzuwenden nur sollte man ihn kritisch sehen und nicht als allein seelig machende Unterrrichtsmethode.
Wie immer gilt: Die richtige Mischung macht es!


und es geht ja nicht nur um die Mischung, sondern darum, dass man die zu jedem Thema und Unterrichtsgegenstand passende Methode findet. nicht immer gibt es eine Vielfalt an Lösungswegen, und umgekehrt gibt es nicht immer genau eine Lösung.

ich hatte z.B. heute meinen Sechstklässlern eine angelsächsische Darstellung der Romulus-und-Remus-Sage aus dem 7. Jahrhundert gezeigt, also etwas, was völlig ihren Sehgewohnheiten fremd ist und was sie wohl in der Form noch nie gesehen haben. sie sollten von selber drauf kommen, was abgebildet ist. hier gab es nur eine Lösung, deshalb bot sich nur fragend-entwickelndes Vorgehen an, damit die Kiddies nicht zu sehr an der richtigen Lösung vorbeiphantasieren. anschließend sollten sie die dazugehörige altenglische Inschrift übersetzen (jawohl, auch sowas macht man heutzutage in Latein :mrgreen: ). ging auch nicht anders, als sie mit "heiß/kalt" oder "ja/nein" kleinschrittig in die richtige Richtung zu lenken.

nachher habe ich meine 9. ein römisches Liebesgedicht interpretieren lassen, das schon damals, als es entstanden ist, mehrere Interpretationen zugelassen hat, weil es wohl bewusst mehrdeutig formuliert ist. da war es wesentlich sinnvoller, die Kiddies erstmal drauflosphantasieren zu lassen und anschließend erst die diversen Hypothesen abzuklopfen, ob sie zum Text passen oder nicht.

dazu musste ich dann allerdings ein paar Hintergrundinfos über die römische Kultur liefern, die ich gar nicht anders als frontal dozierend rüberbringen konnte. für Selbsterarbeitung lässt uns da der Lehrplan und die Stundentafel keine Zeit.

die Beispiele zeigen, dass es sinnlos ist, einzelne Methoden grundsätzlich abzulehnen oder für die alleinseligmachende Methode zu halten. es kommt auch nicht auf die Mischung als solche an, sondern darauf, dass man die einzelnen Methoden so wählt, dass sie den inhaltlichen und äußeren Erfordernissen angepasst sind. wenn man das gleiche Ziel mit verschiedenen Methoden erreichen kann, bietet sich natürlich auch eine Mischung an, damit es nicht langweilig wird.

es hängt oft auch von den Schülern ab. manche Klassen fühlen sich am wohlsten im Frontalunterricht, also warum soll man den nicht machen, wenn es zum Ziel führt? ich habe auch schon Klassen erlebt, die frontal gar nicht beschulbar waren, aber superviel gelernt haben, wenn man ihnen Freiarbeiten gegeben hat. also am Anfang der Stunde irgendwelche Aufgaben in die Menge schmeißen, eine dreiviertel Stunde zum Fenster rausschauen und in der nächsten Stunde ausfragen. auch das ist manchmal sinnvoll.

wenn eine Klasse offen sagt, dass sie den Unterricht schlecht findet, dann lohnt es sich durchaus, mal auszuprobieren, ob sie nicht auf andere Methoden anspringen.

übrigens kann ich auch Hubselzwergs Ansicht, dass es kaum einen interessiert, ob die Schüler wirklich etwas lernen, gut nachvollziehen. wenn ich mich für zu gute ebenso wie für zu schlechte Arbeiten beim Fachbetreuer rechtfertigen muss, wenn Eltern kommen und verlangen, dass ich ihre Kinder noch ein paarmal mehr ausfrage, damit die Noten besser werden, wenn Kultusministerien sich Tag für Tag neue Verrücktheiten ausdenken, um die Noten fürs G8 zu heben und die letzten G9er ungeachtet ihrer Leistungen durchs Abitur zu schieben und es schlussendlich nur noch darum geht, dass man auch die nötige Anzahl mündlicher und sonstiger Noten zusammenbringt, obwohl es sinnvoller wäre, den Stoff vielleicht noch etwas gründlicher zu besprechen anstatt die Hälfte der Stunde für stupides Ausfragen zu opfern, dann scheinen mir die Ausbildungsinhalte tatsächlich nebensächlich zu sein.
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon o0Julia0o » 14.01.2017, 16:33:23

Katharina Schneider hat geschrieben:Nachtrag OT:
Also, für 2500 € netto gehe ich morgens nicht aus dem Haus. Aber das nur nebenbei...

Es wurde ja auch der Stundenlohn angesprochen. Und selbst wenn 2500€ o.k. erscheinen(wobei da ja KV noch nicht mit drin ist), dann ist der Stundenlohn als Lehrer doch schlechter als bei fast allen anderen Jobs in Deutschland. Die Arbeit ist ja noch lange nicht getan, wenn man dann wieder ins Haus eintritt...
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon Fränzy » 18.01.2017, 15:31:12

Mit Verlaub, diese Behauptung ist unwahr. Die allerwenigsten AN tragen mehr 2500 netto (LSK 1) nach Hause.
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon o0Julia0o » 20.01.2017, 17:17:17

Ich meinte den Stundenlohn.
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon Fränzy » 24.01.2017, 21:26:08

Ok. Dann macht das natürlich mehr Sinn.

Ironie off
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Re: Klasse findet meinen Unterricht schlecht

Beitragvon o0Julia0o » 25.01.2017, 17:44:26

es ist ja die Frage in welcher Zeit man das Geld nach Hause trägt. Als Lehrer arbeitet man auch locker über 55 Stunden/ Woche. Da sehen dann 2000€ bei einer 40Std.-Woche schon anders aus.
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