Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Grundsätzliche Fragen zum Referendariat können hier gestellt werden
Stark
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von Stark »

CellDwell hat geschrieben: Ich denke, dass ich solche Fragen einfach durch kurze Antworten von mir so schnell wie möglich klären muss. Ich darf die Schüler/innen in dem Fall wohl nicht mit erfragendem Unterricht zu Statements motivieren. Das geht bestimmt schief und führrt vom Unterrichtsziel dann weg.
Nochmal: Ich bin nicht vom Fach (-vielleicht sollte ich mich deshalb hier auch raushalten!), aber wenn einer meiner Refs, die ich als Mentor/Betreuungslehrer betreue, das im unbenoteten (!) Unterrichtsbesuch machen würde, wäre das ein Problem, das ich beratend anspreche. Damit meine ich, dass ich mir vorstellen kann, dass sich so ein Verhalten in der Lehrprobe negativ auf die Note auswirken kann.
Denn: Störungen gehen vor. Und (berechtigte!) Fragen zu komplexen Themen mit knappen Antworten abzuwürgen, kann nicht die richtige Lösung sein. Gleichzeitig hast du aber natürlich recht, dass du dir von diesen Fragen/Problemen nicht deine Stunde sprengen lassen kannst. Ich würde also nach einer Möglichkeit suchen, dass die Schüler (und vor allem die Prüfungskommission) das Gefühl haben, dass diese Fragen zwar den notwendigen Raum aber an anderer Stelle bekommen. Deshalb auch die Idee mit der Wand.

Ich finde Chilis Idee mit den geborgten Stunden super! An allen meinen bisherigen Schulen wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Ich würde dann auch die vorgeschobene Einführungsstunde auch natürlich nicht im Geheimen machen, sondern eben als Vorstunde der Lehrprobe im Entwurf aufführen.

Alternativ: Ich weiß nicht, was genau du mit "weil ich nämlich gerade so mit Ach und Krach überhaupt zu dem termin auf das Thema komme" meinst. Aber was spricht denn dagegen, das Thema vorher abzukürzen? In einer sechsten Klasse? Du bereitest sie ja nicht aufs Abi vor, so dass du Angst haben musst, dass genau dieser eine wichtige Teilaspekt des vorherigen Themas dann fehlt. Gut, du hast das vorherige Thema nicht vollständig gemacht, aber das passiert immer mal wieder. Außerdem sind im Krieg und im Referendariat alle Mittel erlaubt!

kecks
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von kecks »

eben. lass beim thema davor was weg oder borg dir ne stunde. die kannst du ja später zurückgeben. wäre an keiner schule, an der ich bisher war, ein problem oder auch nur ein thema gewesen.

CellDwell
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von CellDwell »

Hi,

danke für die Antworten!

Ja, also ich MUSS diesen Termin machen und das Thema ist festgelegt. Davor lasse ich bereits alles weg, was geht. DIe Schüler sollten halt zumindest wissen, dass das Römische Reich untergegangen ist und im Osten Byzanz gegründet wurde. Das werde ich in den 2 Stunden vorher halt noch durchnehmen und dann kommt die Lehrprobe.

Eine Stunde borgen könnte ich mal versuchen, allerdings ist das nihct sicher, da jetzt gerade Ferien sind und ich nicht mit allen Kollegen, die die Klasse unterrichten, in Kontakt stehe. Ich müsste also auf gut Glück meine Lehrprobe jetzt so vorbereiten und wenn ich dann doch keine Stunde mehr bekomme muss ich ganz kurzfristig umplanen. Oder ich plane 2 Lehrproben und schaue mal, ob ich ne Stunde vorher bekomme.

Ich möchte Schülerfragen natürlich nicht abwürgen, aber ich weiß nicht, wie viel Sinn es mach, mit einer 6. Klasse über ISIS usw. zu diskutieren, wenn ich über die Geschichte des Islams im frühen Mittelalter unterrichte.

Auf die Frage: "ist das, was die in Syrien machen dasselbe wie damals?" kann ich ja nicht auf einmal anfangen mit: "Gute frage, jetzt überleg mal, was die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beezüglich der Rahmenbedingungen von damals und heute sind!"

Es wäre doch sichelrich besser, wenn ein kurzer Impuls von mir kommt: "In der Antike war Krieg ein normales, legitimes Mittel zur Konfliktlösung. Heute versuchen wir Konflikte friedlich zu lösen, das sehen die meisten Muslime auch genau so, aber es gibt eben auch heute noch Menschen, die versuchen mit Gewalt ihre Ziele zu erreichen." --> Und dann zurück zum Thema.

Aber auf solche Sachen muss man sich halt vorbereitn und ich versuche jetzt halt alles erdenkliche zu antizipiren. Ich weiß ja nicht, was die Kids von zuhause oder sonst wo über "den Islam" aufgeschnappt haben.


Wie würdet ihr denn eine Geschichtslehrprobe in der 6. Klasse auf dem Gymnasium abhalten in Geschichte? An meiner Schule sagen immer alles, das müssse was ganz besonderes sein, aber niemand hat mir etwas spezifisches gesagt: "Eine ganz tolle Stunde halt! Tolles Material! Die beste Stunde, die du halten kannst" --> Aber wie unterscheidet sich eine Lehrprobenstunde von einer normalen Stunde? Mach ich irgendwas methodisch anders? Szenisches Lernen? Lernstationen? Gruppenarbeit mi Präsentation? Oder geht auch eine schöne Standardstunde mit nrmaler Erarbeitungsphase und Ergebnissicherung?

Danke für die Hilfe!

Lysander
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von Lysander »

Das Thema gehört in dieser Form und mit der im Raum stehenden Polarisierung bei allem augenscheinlichen Bemühen um Sachlichkeit und Neutralität nicht in die 6. Klasse.

Man kann das Ganze auf der Ebene der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen und den Kulturen machen, aber nicht auf der Basis von Terrorismus, weil dies zwangsläufig Vorurteile schürt und Muslime unter Generalverdacht stellt.

Ich habe genug Unterrichtserfahrung in Geschichte und würde eine solche Stunde allenfalls in der 9. Klasse halten, wo die Schüler hoffentlich halbwegs reif genug dafür sind.
Das Thema Islam und Christentum auf der Basis der negativen Highlights von Islamisten und Fanatikern aufzuziehen halte ich für gefährlich und für eine Lehrprobe alleine schon aus taktischen Gründen für völlig falsch.
Gruß
Lysander

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CellDwell
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von CellDwell »

Ähm ja, ich plane ja keine Stunde zum Terrorismus. Das Thema heißt "Ausbreitung des Islam" und da kommt nunmal auch die kriegerische Ausbreitung (Islamische Expansion im 7 und 8. Jhd) vor. Meine Frage war ja gerade, wie ich auf Schülerfragen zum Terrorismus reagiere, um das Thema gerade NICHT in diese Richtung abdriften zu lassen, ohne aber die Schülerfrage unbeantwortet zu lassen.

Ein "Das gehört jetzt nicht zum Thema" kann ich ja auch nicht bringen.

Lysander
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Re: Lehrprobe in geschichte zum Thema Islam

Beitrag von Lysander »

Gut, das hatte ich in der Tat überlesen beim Überfliegen.

Ich würde die nicht direkt zum Thema Ausbreitung des Islam im frühen Mittelalter gehörenden Fragen sammeln und dazu eine gesonderte Stunde planen, wo man in der Tat vergleichen kann und wo dann kein Fachleiter hinten sitzt.

Taktisch gesehen musst Du in dieser Stunde dann zeigen, dass Du mit solchen Einwürfen seitens der Schüler umgehen kannst.
Entweder sammelst Du sie oder siehst zu, dass Du sie auf die Zeit damals überträgst. "Was haben denn die Europäer über die Ausbreitung des Islam gedacht."

Richtig gut wäre es, wenn Du dazu auch noch eine Quelle hättest, damit Du so eine natürliche Verbindung von einer modernen Ansicht eines Schülers zu der Situation damals herstellen kannst. Denkbar wäre dann sogar, das eher pauschalisierende Vorwissen der Schüler so zu antizipieren (oder gar zu provozieren), dass man dann den Schritt zurück ins Mittelalter machen kann.

Ich arbeite gerne mit solchen Provokationen, wenngleich das in der 6. Klasse schwierig sein könnte. Zu berücksichtigen wäre auch der Umstand, ob und wie viele muslimische Kinder in der Lerngruppe sind. Das kann man ggf. sogar für sich nutzen.
Gruß
Lysander

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