Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Grundsätzliche Fragen zum Referendariat können hier gestellt werden

Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Beitragvon hanswurst293 » 12.08.2017, 10:53:14

Liebe Foristen,

hier wird oft das Ref mit "normalen" Ausbildungen verglichen, aber hinkt der Vergleich nicht ziemlich?

- Bei einer Berufsausbildung ist man ca. 15 - 21 Jahre alt (wenn man direkt nach der Schule anfängt)
- eine Berufsausbildung setzt kein Studium voraus
- ist die Ausbildung die falsche für einen, bricht man sie ab (das kann man zwar beim Ref auch, aber da hängt noch mehr von ab als ein paar verlorene Monate)
- welche Ausbildung wird noch so kontrovers diskutiert? (vom Rechtsreferendariat mal abgesehen)

Freue mich auf eure Meinungen!
hanswurst293
 
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Re: Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Beitragvon Stark » 12.08.2017, 12:31:02

Hm, keine Ahnung. Ich hab keine andere Ausbildung gemacht.
Das Alterargument gilt nur bedingt, denn alle Ausbildungen haben gemeinsam, dass der Auszubildende eben keine Ahnung von dem hat, was er tut. Das hat auch ein Ref in Bezug auf Unterrichtsgestaltung und Umgang mit Schülern etc. nicht. Das Studium ist eine rein fachliche Vorbereitung und hat mit der eigentlichen Tätigkeit nichts zu tun.
Es gibt durchaus auch Ausbildungen, die man nach einem Studium aufnimmt. Du hast das Rechtsreferendariat genannt. Dann gibt es Volontariate bei Zeitungen und im Verlagswesen. Traineeprogramme nach einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium. Therapeutenausbildungen nach einem psychologischem Studium. AIP wurde abgeschaft, aber machen Ärzte nicht trotzdem noch so eine Art praktische Ausbildung?

In all diesen Berufen hat es die gleiche Konsequenz, wenn man die Ausbildung abbricht. Man kann den erwünschten Beruf nicht mehr ausüben und steht mit einem abgeschlossenem Studium da. Das ist bei Lehramt nicht anders, evtl.bei den Lehrämtern für Grund-, Haupt- und Förderschule.

Gemeinsam haben all diese Ausbildungen, dass man eben plötzlich in voller Verantwortung für sich und für andere steht. Und das ist ein Praxisschock, selbst wenn man sich vorher im Studium mit diveresen Nebenjobs und Verantwortungen selbst finanziert hat. Der Übertritt ins Berufsleben ist einfach hart.


Der Unterschied zu anderen Ausbildungen ist, dass Lehrämtler - zum Teil aus Gründen der Studienstruktur, zum Teil aber auch, weil das Lehramt eine gewisse Persönlichkeit besonders anspricht (und das meine ich nicht wertend) - häufig während des gesamten Studiums auf diesen einen Job fokussiert sind. Wenn sie dann in der Ausbildung (=Ref) merken, dass es nicht klappt, sind der Schock und der Frust umso größer.
Außerdem ist der Lehrerberuf ein Beruf, bei dem es mehr als in vielen anderen Berufen eben auch auf das Auftreten und den Umgang mit Menschen - die eigene Persönlichkeit eben - ankommt. Das Feedback während der Ausbildung betrifft also auch die eigene Persönlichkeit und das ist schwerer zu akzeptieren als rein inhaltliches bzw. fachliches Feedback im Sinne einer falschen Umsetzung einer Methode beispielsweise. Das ist bei einem Bürokaufmann wahrscheinlich anders.
Und zuletzt ist es häufig eine Umstellung zu erfahren, dass reiner Fleiß und reine Vorbereitung nicht ausreichen, um garantiert eine gute Note zu bekommen. Da der Lehrer mit anderen Menschen arbeitet, die wiederum von verschiedenen Faktoren beeinflusst sind, kann eine perfekt geplante Stunde total den Bach heruntergehen, wenn einer dieser Faktoren quer läuft und man nicht spontan und flexibel reagiert. Das erzeugt Frust, wenn man es im Studium gewohnt war, dass man bei angemessener Vorbereitung garantiert gute Noten bekommen konnte.

Abschließend: Ich finde nur sehr bedingt, dass Unterricht nicht objektiv beurteilt und bewertet werden kann. Mit zunehmender Erfahrung kann ich über meinen eigenen Unterricht und über den Unterricht anderer durchaus recht treffende Einschätzungen abgeben. Die Schwierigkeit liegt häufig daran, das zu verbalisieren. Und das ist natürlich ein Problem in einem Ausbildungsverhältnis.
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Re: Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Beitragvon Illi-Noize » 14.08.2017, 12:03:00

Ich bin gelernter Bankkaufmann und habe diverse Trainerscheine. Alle Ausbildungen kann man am Ende doch ein wenig vergleichen. Gerade die Lehre als Bankkaufmann war extrem nervig und man fühlte sich oft als das kleinste Rädchen am Wagen (= Filiale). Da war das Gefühl im Referendariat sogar ein wenig besser ;-)

- eine Berufsausbildung setzt kein Studium voraus

Sollte man wegen eines Studiums "was besseres" sein? Man hat keine Ahnung vom Schulalltag und muss halt - und das passt super zum Begriff "Ausbildung" - ganz unten anfangen...
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Re: Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Beitragvon Timm.mit.DoppelM » 06.09.2017, 15:15:32

Ich würde das Referendariat mit dem Rechtsreferendariat oder dem Vikariat vergleichen, aber nicht mit einer Ausbildung als Frisöse.
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Re: Kann man das Ref mit anderen Ausbildungen vergleichen?

Beitragvon sabisteb » 07.09.2017, 21:01:23

Sollte man wegen eines Studiums "was besseres" sein? Man hat keine Ahnung vom Schulalltag und muss halt - und das passt super zum Begriff "Ausbildung" - ganz unten anfangen...

Je nach Fach hat man draußen sehr gute Chancen und kann auch mit einem 1. Staatsex Sek II problemlos in die Industrie wechseln zu deutlich attraktiveren Gehältern als man als Lehrer erhält. Mit BWL steigt man als Controller schon mal mit 60K ein.
Daher sollten die Seminare bei aktuellem Lehrermangel, besonders in den MINT Fächern vorsichtig sein, wieviel sie diesen Refis zumuten.
Am beruflichen Seminar sind eben die Mangelfächer ganz schnell in der Industrie, wenn es ihnen zu bunt wird, teils auch mitten aus dem Schujahr raus, denn diese Refis haben min 1 Jahr Berufserfahrung zwangsweise mitzubringen. Sie können also die Arbeitsbedinungen vergleichen und unter Umständen auch in die Betriebe zurückkehren, wo sie die Berufserfahrung erworben haben. Wer BWL/VWL/Mathe/Physik/Informatik/Ingenieurswissenschaften/Maschinenbau/Chemie/Biologie (mit Promotion) studiert hat, hat sehr gute, besser bezahlte und stressfreiere Alternativen und wird diese auch nutzen, wenn es ihm/ihr zu bunt wird. Wer fertig studierte Referendare in Mangelfachkombinationen so behandelt, wie es halt im Ref üblich ist, muss sich nicht wundern, wenn diese Fächer eben Mangelfächer bleiben.
Somit ja, einige Refis sind wegen ihres Studium etwas Besseres, denn das Studium ermöglicht ihnen sehr gute Alternativen und sie müssen sich das Ref nicht antun. Ob es den Geisteswissenschaftlern gefällt oder nicht.

Hat ein Bundesland/Seminar Mangel an Mathematikern/Physikern und Chemikern sollte es sie pampern und hätscheln und nett zu ihnen sein, sonst verschwendet es halt 6 Monate Ausbildung und steht dann doch ohne Lehrer da. Die Fähigkeiten, die man im Ref bezüglich Gesprächsführung und Teamführung lernt, sind gern gesehene Fähigkeiten in den Betrieben. Die profitieren dann davon, aber eben nicht das Schulwesen.
sabisteb
 
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