Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Some Might Say » 24.08.2017, 8:22:48

Hallo,

ich hätte ein paar Fragen zur Verbeamtung und Versetzung am Gymnasium in Bayern, zu denen ich leider keine oder nur unklare Informationen online finde.

Was die Verbeamtung betrifft, werde ich ich im kommenden Schuljahr mit einer Planstelle auf Probe verbeamtet. Soweit ich weiß, dauert es bis zur Verbeamtung normalerweise 2 Jahre, das kann aber durch berufliche Erfahrung nach dem Referendariat und einen bestimmten Notenschnitt ein wenig beschleunigt werden. Zur Verbeamtung hätte ich folgende Fragen:

1) Wie genau sehen die Kriterien aus, mit denen man die Verbeamtung "beschleunigen" kann?

2) Was genau passiert bis zur Verbeamtung? Soweit ich weiß, wird man ja vom Schulleiter besucht, aber wie oft in welchem Zeitraum und unter welchen Bedingungen? Gibt es neben diesen Besuchen noch andere Kriterien für die Verbeamtung?

Das zweite Thema, das mich interessiert, wäre die Versetzung. Hier habe ich mich bisher so informiert, dass man immer 12 konkrete Gymnasium in Bayern angibt und dann darauf hofft beziehungsweise sich erkundigt, dass diese Gymnasium auch Bedarf in der Fächerkombination haben und niemand anderes mehr Sozialpunkte hat. Dazu hätte ich folgende Fragen:

1) Auf dem aktuellen Merkblatt steht, dass das Formblatt über den Schulleiter eingereicht wird zum 30.4. Wann ungefähr sollte man dann den Schulleiter "einweihen" und wann sollte man das Formblatt abgeben?

2) Läuft das Ganze dann so ab, dass man alle Schulen, die in Betracht kommen, anruft beziehungsweise anschreibt bezüglich des Fächerbedarfs und dann entsprechende Schulen angibt beziehungsweise hofft, dass sie trotz anderer Angaben doch noch spontan Bedarf haben werden?

3) Was muss ganz allgemein passieren, damit eine Schule Bedarf hat, der für eine Versetzung relevant ist? Ist es egal, aus welchem Grund die Schule Lehrer braucht (neue Schule, Ruhestand, Krankheit, Mutterschaft, anderer Versetzung) oder sind nur bestimmte Gründe für eine Versetzung relevant und anderer Bedarf wird mit Vertretungsstellen oder Referendaren gedeckt?

Wäre super, wenn jemand, der sich auskennt und vielleicht auch persönliche Erfahrungen mit dem Thema hat, kurz etwas dazu schreiben könnte. Vielen Dank.
Some Might Say
 
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon sabisteb » 24.08.2017, 22:51:52

In BW steht im Gesetz, was die Verbeamtung beschleunigt: Der Notenschnitt. Je besser, desto schneller lebenslänglich.
Also einfach mal das Beamtenrecht lesen.
Sollte man eigentlich auch so im Seminar gelernt haben in Recht I.
sabisteb
 
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Sally81 » 25.08.2017, 10:47:13

Hallo,
vorweg zur Info - meine Infos zum Thema sind evtl. etwas veraltet, da ich vor einigen Jahren schon (vorzeitig) verbeamtet wurde (damals drei Jahre Probezeit - vorzeitig nach 1,5 Jahren)
man kann in Bayern vorzeitig verbeamtet werden, wenn man zu den besten 10% (?) des aktuellen Jahrgangs in der entsprechenden Fächerkombination gehört. Darüber wird der Schulleiter informiert und wird dich diesbezüglich informieren. Danach finden drei unangekündigte Unterrichtsbesuche statt, der Schulleiter erstellt eine Beurteilung bei der er darauf hinweisen muss, dass dein Unterricht (& Aktivitäten/Engagement) dem Durchschnitt erheblich übertrifft und du daher vorzeitig verbeamtet werden solltest. Die entsprechenden Formulare mit den Bereichen der Beurteilung findet man auf der Seite des KM ("Probezeitbeurteilung")

Zum Thema Versetzung ist es grds. schwierig eine generelle Empfehlung auszusprechen. Das erste Versetzungsgesuch kann der Schulleiter grds. ablehnen. Man kann Schulen angeben und sinnvollerweise sollte man dort zuvor nachfragen, ob Bedarf besteht. Die Schulen können dich auch namentlich anfordern. (Wie der Bedarf entsteht ist völlig egal - wobei bei überschaubaren Ausfall (z.B. Schwangerschaft) i.d.R. keine neue Planstelle angefordert wird. Bei den anderen Schulen sollte man sich frühzeitig (Januar) informieren, da Lehrerbedarfsplanung ein sehr langfristiges Projekt an den Schulen ist.

Wann du den Schulleiter informiert ist eben schwierig - erst im April mit dem ausgefüllten Formular ist zu spät, beim Antrittsbesuch ist zu früh. Üblicherweise ergibt sich aber eh im Gespräch das Thema "Wo kommt man her? Passt die Schule von der Lage?" - dann kann man durchaus offen sprechen. Also Fingerspitzengefühl beweisen! Wann du dann das Formular innerhalb der Frist abgibst ist eher zweitrangig. Stell dich aber darauf ein, dass Versetzungen meistens nicht so schnell klappen (ohne entsprechende soziale Hintergründe - in Bayern gibt es aber offiziell keine Sozialpunkte, sondern es handelt sich immer um Abwägungen) und du somit das beste aus der Situation an deiner Schule machen solltest. Bring dich ein, such Kontakt zu den Kollegen, ...
Sally81
 
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Rayanne » 25.08.2017, 11:09:55

Ich wurde nach diesem Schuljahr vorzeitig auf Lebenszeit verbeamtet unter zwei Voraussetzungen:
1. zählt es, ob man zu den besten 15% eines Prüfungshalbjahres gehört in der jeweiligen Fächerkombi (das bringt ein halbes Jahr) und
2. wird die bisherige Erfahrung als Angestellte angerechnet. Bei mir wurde auch meine Uni-Lehrtätigkeit angerechnet (das bringt das weitere halbe Jahr).

Die Unterrichtsbesuche fanden wie oben beschrieben statt, drei Stück, alle unangekündigt. Ich kenne aber auch Schulen, wo das angekündigt wurde. Aus der Erfahrung kann ich (auch wenn ich andere Kollegen anschaue) sagen, dass derzeit die vorzeitige Verbeamtung im Moment meistens kein Problem darstellt, da die Kollegen, die ÜBERHAUPT derzeit am Gym eine Planstelle bekommen, ja ohnehin zumindest fachlich gut sind - und dann eben meistens auch schon Lehrerfahrung haben durch die Aushilfstätigkeiten.

Wichtig: Dem SChulleiter frühzeitig mitteilen, dass man verkürzen möchte und dafür in Frage kommt. Die Schulleiter kriegen das nach ein paar Wochen zwar auch vom KM, es ist aber besser, es ihnen frühzeitig zu sagen, damit sie sie drei Unterrichtsbesuche besser unterbringen...

Mein Versetzungsantrag stand der Verkürzung der Probezeit nicht im Weg. Ich hab in einem der Mitarbeitergespräche das fachlich begründet angekündigt (kommt etwas besser an, als wenn man "nur" sagt, dass man heim möchte), und dann wars kein Problem. Ich hab nicht das Gefühl, dass mir das irgendwie negativ ausgelegt wurde.

Glückwunsch zur Planstelle!
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Some Might Say » 25.08.2017, 11:59:46

Vielen Dank für die Antworten.

@Sally81: Kannst du zumindest eine grobe Empfehlung geben für das Erwähnen der Versetzung? Vor oder nach dem neuen Kalenderjahr und vor oder nachdem man sich bei den anderen Schulen erkundigt (wobei das ja keinen Einfluss darauf haben sollte)? Bisher hatte ich nur mein Vorstellungsgespräch an der Schule und das Thema kam dabei überhaupt nicht auf.

Ich mache mir aber schon Hoffnungen bei der Versetzung, da ich von mindestens einem Lehrer weiß, der im Vorjahr direkt nach einem Jahr wegversetzt wurde und der Schulleiter auch gemeint, dass sowas oft passiert und das auch kein Problem ist, weil eh so viele an seine Schule wollen. Aber wie gesagt, bei meinem Gespräch kam das Thema nicht direkt auf.

@Rayanne: Zu den besten 10-15% müsste ich eigentlich gehören und ich hab nach dem Referendariat noch zwei Jahre im Auslandsschuldienst als Ortslehrkraft und ein halbes Jahr an einer kirchlichen Schule gearbeitet. Das habe ich auch entsprechend nachgewiesen und die bisherigen Schreiben klingen so, als wäre es anerkannt. Meinst du, dass das dann für die Verkürzung der Zeit bis zur Verbeamtung reicht und wie lange ist der Zeitraum eigentlich? Ich habe es so verstanden, dass die "normale" Dauer zwei Jahre sind und man dann auf 1,5 (oder sogar 1?) Jahr verkürzen kann.

Wann würdest du empfehlen, das mit der Verkürzung zu erwähnen? Habe ich es richtig verstanden, dass die Chance auf Verkürzung sogar "vergessen" werden könnte, wenn man es selbst nicht anspricht?
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Silke82 » 25.08.2017, 14:05:35

Wie Sally81 bereits geschrieben hat, wird der Schulleiter in einem der ersten Gespräche meist von sich aus fragen, wo man denn her kommt, in welche Region man wollte etc.... Hier kann man dann bereits andeuten, dass man eigentlich in eine andere Region wollte. Wenn Du Dir ganz sicher bist, dass Du keinesfalls in der Region glücklich werden kannst und auf jeden Fall wieder weg willst, kannst Du es aber auch gleich mitteilen. Ich kenne einige die es so gemacht haben, hatten dadurch keinen Nachteil.

Mein 1. Schulleiter wusste von Beginn an, dass aus einem anderen Teil Bayerns komme und da gerne auch geblieben wäre. Dass ich mich versetzen lassen will, habe ich ihm zu Beginn des neuen Kalenderjahrs mitgeteilt, als ich mir selbst sicher war, dass ich langfristig auf jeden Fall zurück möchte. Bis die Versetzung dann geklappt hat, hat es allerdings noch 3 Jahre gedauert...

Wie schnell eine Versetzung klappt geht hängt v. a. davon ab, wo Du bist und noch viel mehr davon, wo Du hin möchtest. In den Großraum München zu kommen ist sicher viel einfacher als z. B. in den Raum Regensburg oder Würzburg. Letztere sind ohne Sozialkriterien fast unmöglich.

Nach Deinen Schilderungen würde ich auch vermuten, dass Du für eine vorzeitige Verbeamtung in Frage kommst. Ich würde den Schulleiter relativ bald (Anfang bis Mitte Oktober) darauf ansprechen. Im aller ungünstigsten Fall könnte es schon passieren, dass es sonst unter geht bzw. Fristen versäumt werden, die Probezeitbeurteilung rechtzeitig zu erstellen.
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Re: Verbeamtung und Versetzung (Gymnasium, Bayern)

Beitragvon Sally81 » 25.08.2017, 17:21:38

Sinnvoll ist es meiner Meinung nach dem Schulleiter in Verbindung mit dem ersten Unterrichtsbesuch ("Antritssbesuch, Kennenlernbesuch") bei der Nachbesprechung über deinen grds. Versetzungswillen zu informieren. Da wird wohl auch besprochen, wie man sich eingelebt hat, ob alles passt,...

Die Informationen anderer Schulen sind eigentlich irrelevant für das Gespräch mit dem Schulleiter, da du wohl auch wenn keine deiner Wunschschulen Interesse zeigt, trotzdem einen Antrag stellen wirst.

Ich kann Silke82 nur zustimmen: ob die Versetzung klappt hängt sehr stark davon ab, wo du hinwillst. Richtung München ist meist unproblematisch, in die Richtung Niederbayern, ... wird es wohl ein Geduldsspiel.
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