Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon dali » 18.11.2017, 15:41:54

Hallo,

ich habe demnächst meinen Termin beim Amtsarzt (Hessen) für eine Verbeamtung auf Probe in NRW und habe Bedenken wegen meiner Blutfettwerte.

Meine "technischen Daten" lauten wie folgt:

Alter 42, männlich
Größe: 1.75
Gewicht: 71 kg
BMI: 23
Nichtraucher

Blutdruck: Systole <120, Diastole <80

Gesamtcholesterin: 221 (Gut wäre <200, Grenzwertig sind 200-250)
LDL: 158 (laut neuer (!) ESC Richtline aus 2016 sollte der Wert <115 sein)
HDL: 34 (sollte >40 sein)
Triglyceride: 177 (Gut wäre <150, Grenzwertig 150-200)

Ich gehe 2x wöchtenlich joggen, esse gesund (viel Gemüse, Vollkorn, Mandeln zum knabbern, Fisch, Hähnchen, kein Weißmehl, kein Zucker, keine Süßigkeiten, sogar kein Alkohol [ehrlich :)]) und habe keine ernsten Krankheiten. Diese Werte wurden (mit Schwankungen) mehrfach bestätigt, sind also keine einmaligen Ausrutscher.

Wenn ich mir die gängigen Scores für das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen ansehe, dann lauten sie wie folgt (laut http://www.scores.bnk.de/esc.html):

ESC Score: 1%
PROCAM: 2,4%
FRAMINGHAM: 3%
ARRIBA: 3,0% (Durchschnittlicher Mann: 4,5%)

Mein Verstand sagt mir: Alles OK, ich brauch mir keine Sorgen machen. Diese Werte begründen zum jetzigen Zeitpunkt keine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine vorzeitige Dienstunfähigkeit (allein schon deshalb nicht, weil die Werte nur das 10-Jahres Risiko wiedergeben).

Habe folgende Fragen an euch Experten:

1. Muß ich mir sorgen machen oder kann ich ganz entspannt bleiben? Wird der Amtsarzt die Verbeamtung voraussichtlich nur unter Vorbehalt empfehlen und mich nochmal sehen wollen?

2. Muß ich auf dem Anamnesebogen irgendwas über meine Blutfette erwähnen? Ist ja eigentlich keine Krankheit und Beschwerden habe ich auch nicht. Auf Nachfrage würde ich natürlich die Wahrheit sagen.

3. Gibt es hier jemanden, der trotz erhöhtem LDL-C und erniedrigtem HDL-C problemlos verbeamtet wurde und kann berichten?

Danke!
dali
 
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon Max_Cohen » 18.11.2017, 20:36:38

Hallo dali,

mein Ergebnis der Bluntersuchung: Gesamtcholesterin: 251 mg/dl, Aufschlüsselung nach LDL/HDL nicht erfolgt. Ansonsten keine Auffälligkeiten bei der Untersuchung, aber weitere, die Lebensdauer und Dienstfähigkeit voraussichtlich nicht einschränkende chronische Erkrankungen.
Juckt aus den von dir genannten Gründen unter Beachtung der Urteile von 2013 niemanden, und hätte es jemanden gejuckt, hätte ich gesagt, dass vorzeitiges Ableben aufgrund eines tödlichen kardiovaskulären Ereignisses doch im Sinne des Dienstherrn ist.
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon Amtsarzt » 06.12.2017, 19:25:36

Nein, es besteht kein Anlass zur Sorge. Ihr Amtsarzt wird schwer beeindruckt sein und so tun, als könne er etwas damit anfangen. Vielleicht wird er verschämt seine Zigaretten in der Kitteltasche verschwinden lassen oder je nach Grad des gekränkten Narzissmus etwas zu den neuesten Pharmaindustrieforschungen zu den Folgen eines Gesamtcholesterins über 220 dozieren. Gönnen Sie ihm die Freude der wissenschaftlichen Überlegenheit! Trotz eben dieser wissenschaftlichen Überlegenheit scheitern amtsärztliche Gutachten vor kritischen Richtern regelmäßig. Da bedarf es verständnisvoller Probanden, die so ein armes Amtsärztle wieder aufrichten (hu, huh)
(Es handelt sich hier um eine persönliche Meinungsäußerung, die nicht unbedingt identisch sein muss mit der Auffassung meines Dienstherrn)
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon yestoerty » 06.12.2017, 20:53:46

Eine Bekannte ist wegen ihrer Cholesterwerte nicht direkt verbeamtet worden.
Bei mir wurde nicht mal Blut abgenommen.
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon dali » 07.12.2017, 17:48:54

@Amtsarzt

Vielen Dank für Deine Antwort, die mich erstmal ein wenig beruhigt.

Eine Frage bleibt noch: Muß/soll ich dem Amtsarzt von mir aus darauf hinweisen, dass meine Blutfette vom Soll abweichen? Ist das also eine Krankheit, die ich erwähnen muß? Oder soll der Amtsarzt das selbst rausfinden?


@yestoerty

Mit welcher Begründung ist Deine Bekannte nicht verbeamtet worden? Waren die Werte so erschreckend hoch, dass es schon kein Risoko, sondern eine Gewissheit war, dass ein Herzinfarkt bevorsteht?
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon yestoerty » 07.12.2017, 18:58:59

Sie musste einen Monat später noch mal hin und wurde dann verbeamtet weil die Werte ok waren. Wo genau die lagen weiß ich aber nicht. War halt ein anderer Amtsarzt. Der hat auch ein Ruhe- und BelastungsEKG gemacht. Meiner nicht.
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Re: Verbeamtung auf Probe / Amtsarzt / Blutfette

Beitragvon dali » 10.12.2017, 23:22:37

So eine Schikane würde ich mir gerne ersparen. Wenn die Werte nicht besorgniserregend sind/waren, dann verstehe ich nicht, warum man dann nochmal zum AA muß, wenn die Werte keine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine frühzeitige Dienstunfähigkeit begründen.

Einer Freundin ist das vor 3 Jahren auch passiert. Cholesterin war daneben und musste dann nochmal hin. Frechheit...
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