Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

(Hier werden Fragen beantwortet, aber eine rechtsverbindliche Beratung ist nicht möglich. Bitte hierfür Makler am Wohnort einschalten.)

Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon punktvorstrich » 12.11.2019, 23:23:22

Guten Tag,

auch nach längerem stöbern ist mir noch nicht ganz klar, wann ich mit welchen Vor- oder Nachteilen ich den Beihilfeanspruch auf Wahlleistungen im Krankenhaus abschließen sollte (die 22€ Lohnabzug).

Verstehe ich das richtig: Wenn ich diese Wahlleistungen in meine PKV aufnehme, zahle ich dort einen 50% Tarif hierfür - für die Übernahme der anderen 50% bekomme ich dafür 22€ weniger Lohn. Soweit so gut.

Jetzt kann ich doch aber auch für diese Wahlleistungen 100% bei der PKV abschließen - gibt es hierbei irgendwelche Vor- oder Nachteile, die es zu berücksichtigen gilt? Vielleicht gibt es ja PKVs, bei denen die extra 50% günstiger als 22€ sind? Oder aber ich kann das bei Bedarf wieder abwählen, die Entscheidung beim Land ist ja dauerhaft gültig. Oder ich übersehe noch weitere Punkte, sprich:

Gibt es relevante Unterschiede zwischen 100% PKV Wahlleistungen und der 50% Land/PKV Aufteilung? Und wenn es Unterschiede gibt (oder keine), warum ließt man dann immer nur davon, dass man die Wahlleistungen beim Land mitnehmen sollte?

Vielen Dank und liebe Grüße

punktvorstrich
punktvorstrich
 
Beiträge: 4
Registriert: 12.11.2019, 23:16:33

Re: Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon dirk reen » 13.11.2019, 9:18:04

Guten Morgen, ein 50%-Tarif für die Wahlleistungen kostet für eine Frau Jahrgang 1989 bei einem der günstigen Anbieter 15,40 €. Im breiten Marktspektrum dürfte der Unterschied zu den 22 € -Abzug von den Bezügen schon nicht mehr existent sein. Berücksichtigt man/frau noch zukünftige Beitragserhöhungen in der PKV bei statischem 22 €-Abzug, dürfte spätestens mittelfristig kein Kostenvorteil zugunsten einer 100%-PKV-Absicherung entstehen. Bei den Mehr-Leistungen, die privat absicherbar sind, fallen mir hingegen spontan Unterbringung im 1-Bett-Zimmer sowie Honorare oberhalb des Höchstsatzes der GOÄ ein.....
Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.
Meine Antworten sind nach bestem Wissen gegeben, stellen jedoch nur eine Meinung dar. Sie sind nicht rechtsverbindlich und ersetzen keine individuelle Beratung!
dirk reen
 
Beiträge: 493
Registriert: 22.03.2007, 20:16:05
Wohnort: 03238 Sallgast OT Poley

Re: Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon punktvorstrich » 14.11.2019, 21:58:53

Vielen Dank für die Antwort - 15,40€ sind immerhin eine Ersparnis von fast 80€ im Jahr - kann man sich streiten ob dass viel ist, aber hätte man dann nicht auch weniger Stress, weil man dann die Wahlleistungen nur bei der PKV abrechnen muss (mangels Erfahrung weiß ich aber nicht, ob dass wirklich ein Vorteil ist/wie viel Aufwand dass mit der Beihilfe wird)?

Und: Kann man Prozente nicht auch wieder reduzieren? Vielleicht nicht realistisch, aber die 22€ gelten ja für immer - angenommen man wollte irgendwann doch keine volle Absicherung der Wahlleistungen könnte man so einen Zusatzbaustein doch aus einer PKV wieder entfernen, oder?

Und gibt es eine Garantie dass die 22€ stimmen? Deputate wurden ja auch für bestehende Beamte verändert...
punktvorstrich
 
Beiträge: 4
Registriert: 12.11.2019, 23:16:33

Re: Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon dirk reen » 15.11.2019, 8:22:22

Mir ist durchaus SEHR bewusst, dass Lehramtsanwärter nur über finanziell eingeschränkte Möglichkeiten für diesen Lebensabschnitt verfügen. Unter Anderem deshalb sind die Beiträge "der Privaten" ja auch für Anwärter nur zum Risiko-Beitrag berechnet und enthalten keine Rückstellungen (Sparanteile) fürs "Alter" (zukünftig eingereichte Rechnungen). Beim Thema Wahlarzt und Unterbringung im Zweibettzimmer hilft vielleicht eine Anekdote bei der Entscheidungsfindung: vor einigen Jahren wurde in Niedersachsen eben diese Beihilfefähigkeit für genau diese Leistungen abgeschafft - sowohl für aktive Beamte als auch für Pensionäre. Obwohl eigentlich verpflichtet, bei Änderungen (Reduzierungen) der Beihilfe Angebote zu unterbreiten, um den ursprünglich gewählten Versicherungsschutz aufrecht zu erhalten, unterließ ein Versicherer ab einem bestimmten Alter diese Umstellungs(erhöhungs)- Angebote wegen der entstehenden Beitragshöhen. Ergebnis: genau die älteren Versicherten wollten - völig losgelöst von der Beitragshöhe - genau diese Wahlleistungen für die Krankheitsfälle, die man schlecht selbst im Verlauf beeinflussen kann. Worauf ich hinaus will: für die Anwärterzeit ist vielleicht jede Entscheidung aus materieller Sicht richtig. Wer aber über die 2 Jahre hinausdenkt, sollte meiner Meinung die wahrscheinlich für die nächsten 20 Jahre geltenden 22 € Abzug in Kauf nehmen und darauf setzen, dass die Kosten für die verbleibenden 50% Absicherung im Rahmen der Besoldungsgruppen A 12 und A 13 nicht zu Phantomschmerzen führen können.....
Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.
Meine Antworten sind nach bestem Wissen gegeben, stellen jedoch nur eine Meinung dar. Sie sind nicht rechtsverbindlich und ersetzen keine individuelle Beratung!
dirk reen
 
Beiträge: 493
Registriert: 22.03.2007, 20:16:05
Wohnort: 03238 Sallgast OT Poley

Re: Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon punktvorstrich » 16.11.2019, 12:15:52

Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht!
punktvorstrich
 
Beiträge: 4
Registriert: 12.11.2019, 23:16:33

Re: Wahlleistungen: Über Land oder PKV versichern? - BW

Beitragvon Lars Weber » 21.11.2019, 21:47:15

Die Frage von Seiten des Landesamtes bzgl dem Beihilfebeitrag (22,-¬ für stationäre Wahlleistung) bekommt man zu Beginn des Referendariates gestellt (Beamter auf Widerruf).
Hier sollte man die Regelung ablehnen und sich lieber bei seiner PKV, sofern überhaupt der Schutz "2-Bettzimmer und Chefarzt gewollt ist", zu 100% absichern. Diese 100% kosten ca. 9,- im Monat. Die 50% Schutz kosten ca. 4,50,-. Somit ist es nicht sinnhaft dem Land 22,- zu zahlen damit dieses auch 50% Schutz übernimmt.

Nach dem Ref wird man automatisch entlassen. Die Neueinstellung (Beamter auf Probe) bedingt somit, dass das Landesamt die Frage nach der Regelung mit dem Beihilfebeitrag noch einmal stellt. Hier ist es jetzt tatsächlich die letztmalige Möglichkeit zu wählen.
Lehnt man die Regelung jetzt ab, ist dies Bindend für den Rest der Beamtenlaufbahn.

Bei der Entscheidung muss bitte Berücksichtigt werden, dass die beihilfeberechtigten Angehörigen z.B. Kinder, die ja 80% Beihilfe bekommen, durch die Zahlung der 22,- automatisch auch die Beihilfe für die stationäre Wahlleistung bekommen und somit hier bei der PKV auch nur 20% abgesichert werden müssen.

Im Regelfall rechnet es sich ab dem 2 Kind.

Wer dazu weitere Fragen hat oder auch gerne eine individuelle Beratung zum Thema PKV möchte, darf mich gerne mit einer PN anschreiben.
Vorteil: Als Mitglied in einem Lehrerverband des dbb - deutschen Beamtenbundes stehen euch Rabatte zu. sofern die Versicherung bei einer Partnergesellschaft des dbb abgeschlossen wird.
Und dies nicht nur im Bereich der PKV sondern auch in allen anderen Bereichen wie z.B. Dienstunfähigkeit oder Bausparen. So lassen sich über die Lebensdauer viele tausend Euro an Beiträgen sparen.
Lars Weber

selbstständiger Handelsvertreter für Swiss Life Select
Betriebswirt IHK
zertifizierter Experte für den öffentlichen Dienst
Partner vom dbb Vorsorgewerk
Lars Weber
 
Beiträge: 133
Registriert: 02.07.2012, 18:04:17


Zurück zu Versicherung & Beihilfe

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste