Lohnt sich die Öffnungsaktion?

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Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon Tiberius » 09.07.2019, 15:27:17

Hallo zusammen,

die Spannung steigt - in wenigen Tagen gehen hier in Bayern die Planstellen raus; und eigentlich bin ich überglücklich darüber, dass ich höchstwahrscheinlich zu jenen zählen werde, die eine Planstelle bekommen werden. Wäre da nur nicht die Sache mit der Krankenversicherung...

Zu meinem Fall: Natürlich habe ich schon zum Einstieg in das Referendariat versucht, einen privaten Krankenversicherungsschutz und deine DU abzuschließen. Leider ohne Erfolg - denn als langjährig gesetzlich Versicherter wusste ich nicht, was meine Ärzte alles so hinter meinem Rücken für meine Arztbesuche abgerechnet hatten. Bei der Recherche nach Diagnosen und Befunden bin ich über die Patientenquittung meiner GKV darauf gestoßen, dass mindestens zwei meiner Ärzte F-Diagnosen (also nach ICD psychische bzw. psychosomatische Diagnosen) als Verrechnungsschlüssel verwendet haben, die eigentlich gar nicht den tatsächlichen Befunden bzw. Vorstellungsgründen bei den jeweiligen Arztbesuchen entsprechen. Bei diesen Diagnosen handelte es sich jeweils um Ausschlussdiagnosen, weshalb ich bei sämtlichen anonymen Risikovoranfragen nur Ablehnungen erhalten habe. Mir blieb also nichts anderes übrig, als im Ref in der GKV zu verbleiben - und zähneknirschend jeden Monat gut 300 Euro Beitrag zu bezahlen...

Jetzt, da das Ref sich dem Ende zuneigt und ich höchstwahrscheinlich eine Planstelle bekommen werde, möchte ich einen zweiten Anlauf starten und versuchen, doch noch irgendwo reinzukommen. Zwar ist eine der beiden besonders ärgerlichen Fehldiagnosen inzwischen für die Gesundheitsfragen einiger Anbieter "verjährt", die andere Diagnose ist aber leider nach wie vor relevant. Der behandelnde Arzt weigert sich übrigens, daran irgendetwas zu ändern bzw. sieht überhaupt keinen Anlass, von seiner damals eingetragenen Diagnose abzuweichen. Für einen langwierigen Rechtsstreit mit unsicheren Erfolgsaussichten (ein Arzt mit gut laufender Praxis dürfte sich bessere Rechtsanwälte leisten können als ich) habe ich kein Geld und jetzt zum Berufseinstieg mit Umzug, erstmaliger Arbeitsbelastung einer vollen Stelle etc. auch kaum Zeit und Nerven; deshalb werde ich wohl oder übel damit leben müssen.

Auch wenn ich hoffe, dass es dieses Mal klappt, muss ich wohl damit rechnen, dass es wieder nur Ablehnungen gibt. Dann habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich verbleibe weiterhin in der GKV, muss dann aber jeden Monat fast den Höchstsatz von zwischen glaube ich fast 900 Euro blechen - das käme einer Gehaltskürzung gleich und kostet mich auf lange Sicht den Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung; schlecht, wenn man nicht mit einem großartigen Erbe rechnen kann oder keinen reichen Ehepartner hat, sich aber vielleicht doch irgendwann mal Wohneigentum leisten will... Oder ich mache nach meiner erstmaligen Lebenszeitverbeamtung von der "Öffnungsaktion" Gebrauch. Dann würde ich in den Genuss der Beihilfe kommen und müsste niedrigere Beiträge bezahlen, muss allerdings damit leben, dass die Tarife der "Öffnungsaktion" in der Regel nur das abdecken, was auch von der Beihilfe übernommen wird, aber genauso viel kosten wie die regulären Beihilfeergänzungstarife, die die Mehrzahl meiner KollegInnen besitzen und sehr viel mehr "Luxus" in Sachen Gesundheit finanzieren.

Letzteres wäre für mich wahrscheinlich noch nicht einmal das größte Drama... Ich brauche nicht unbedingt eine Chefarztbehandlung und kostenlose Brillen etc. (wenngleich letzteres für einen Brillenträger natürlich schön wäre...). Allerdings ist es so, dass ich schon sehr viel Negatives über den sogenannten "Basistarif" gelesen habe. Versicherte, die nur den absoluten Grundschutz ihrer jeweiligen PKV haben, werden von den Ärzten oft wie "Aussätzige" behandelt, weil diese Basistarife für den Arzt zwar einen extrem hohen Verwaltungsaufwand bedeuten (als privat Versicherter läuft ja alles auf Rechnung, nicht so bequem über eine Karte wie bei der GKV), gleichzeitig aber wenig Gewinn einbringen, da der Basistarif sehr viel weniger Behandlungen finanziert als ein Beihilfeergänzungstarif, d. h. der Arzt verdient schlicht und ergreifend schlechter an einem solchen Patienten.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Leistungsumfang bei Tarifen der Öffnungsaktion genauso "schlecht" ist wie beim "nackten" Basistarif. Daher wollte ich mich hier im Forum mal umhören, ob es Betroffene gibt, die selbst über die Öffnungsaktion in die PKV gekommen sind. Welche Erfahrungen habt ihr damit bis jetzt gemacht? Hattet ihr schon Probleme bei der Abrechnung bzw. Rückerstattung eurer Ausgaben für Arztbesuche und / oder Behandlungen? Und ebenfalls an alle Fachkundigen bzw. Betroffenen: Besteht grundsätzlich die Möglichkeit, später einmal - ggf. nach einer erneuten Gesundheitsprüfung - von einem Tarif der Öffnungsaktion in einen regulären Beihilfeergänzungstarif zu wechseln? Und last but not least: Wie sieht es mit einer DU aus? Gibt es auch hierfür eine Öffnungsklausel oder musstet ihr auf einen entsprechenden Versicherungsschutz wegen eurer Diagnosen / Vorerkrankungen schlicht und ergreifend verzichten, weil ihr nirgends aufgenommen worden seit?

Da Gesundheitsfragen ja ein durchaus heikles Thema sind, gerne auch per PN!

Vielen Dank im Voraus für jegliche Erfahrungsberichte!
Tiberius
 
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon chilipaprika » 09.07.2019, 16:49:58

Ich bin mit der Öffnungsaktion in die PKV (Debeka) reingekommen. Ich bezahle (jetzt 6 Jahre später) 320 Euro im Monat und habe bisher noch keine einzige Rechnung nicht bezahlt bekommen.
In der Zwischenzeit hatte ich 2 MRTs (der erste 3 Tage nach meiner Aufnahme in die PKV), eine doofe Zahnarztrechnung und mehrmals Physiobehandlung.
NOch nicht "exotisch genug"?
Meine Kollegin hat MS, ist vor ca. 15 Jahren durch die Öffnungsaktion rein, produziert mehrere Tausend Euro Kosten jeden Monat und muss dafür KEINEN Cent bezahlen.
Sowohl sie als auch ich haben nur keinen so hohen Krankenhausgeld-Betrag und irgendwo ist noch etwas Anderes, was ich angekreuzt hatte und was mir gestrichen wurde.

Du stellst den Antrag mit einem Makler bzw. Berater, du stellst den _ganz normalen_ Antrag auf die Krankenversicherung. Er wird womöglich abgelehnt und entweder da oder im Vorfeld wird dann die "Jokerkarte" gezogen. "Unter Hinweis auf die Öffnungsklausel".
Mein Berater hatte mir zum Beispiel geraten, meinen eigenen ANtrag auf Krankenhausgeld zu kürzen (ich glaube, von 30 auf 20 Euro), weil 30 Euro hätten sie mir vermutlich komplett gestrichen (und 0 oder 10 zb gesetzt), bei 20 war das bescheiden genug, es ist geblieben.

Auf keinen Fall in der GKV bleiben. Es sind zwar keine 900 Euro, aber bei mir wären es 650 Euro oder so gewesen, mehr als das doppelte meines Beitrags in der PKV.
Meine Kollegin bezahlt übrigens ähnlich viel wie ich, obwohl sie 5 Jahre älter ist, weil sie eben viel jünger eingestiegen ist (gut, wir haben natürlich nicht exakt den selben Vertrag.
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon Tiberius » 09.07.2019, 17:59:33

Hallo chilipaprika,

vielen Dank für deine flotte Rückmeldung! Das beruhigt mich erst mal, zu lesen, dass die PKV bislang keine Zicken gemacht hat... Wie sah es denn bei den Ärzten aus? Ein Problem vieler Patienten, die nur im PKV-Basistarif versichert sind, ist ja, dass viele Ärzte sie gar nicht erst behandeln wollen (Notfälle einmal abgesehen...), weil sie den bürokratischen Aufwand im Verhältnis zum im Vergleich zu anderen privat Versicherten geringen Gewinn scheuen. Bekommt man ganz normal Termine?

Und darf ich fragen, ob du damals auch eine DU abschließen konntest oder war das dann aufgrund von Ablehnungen überhaupt nicht möglich?

VG
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon chilipaprika » 09.07.2019, 18:45:38

Ich bin nicht im Basistarif der PKV!
Die Öffnungsaktion ermöglicht dir sehr viele Tarife, mit einem maximalen Aufschlag von 30%. Nur einzelne Bausteine sind halt nicht drin.
Die Ärzte merken es nicht. Schon alleine, weil meine PKV immer noch mehr übernimmt / übernehmen würde, als die Beihilfe es tut (beihilfe-ergänzungstarif habe ich aber auch) und trotzdem werden hohe Abrechnungssätze übernommen. Ich müsste genau nachgucken, aber ich glaube, in absoluten Superfällen auch 3,5fachen Satz. Wie gesagt, das hat noch kein Arzt gemerkt.
und ich bin zwar nicht jeden Tag beim Arzt, aber ich lag mit Bandscheibenvorfall-Verdacht beim Berater, das heißt, die PKV _wusste_, dass ich ein paar Tage später hohe Kosten produzieren würde. Anderhalb Jahre später musste ich wieder zum MRT, davor auch Röntgen und Ultraschalls bei einem Orthopäden, der definitiv alles abgerechnet hat, was er konnte (weswegen er mich nie wieder gesehen hat).
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon chilipaprika » 09.07.2019, 18:47:09

Ich habe nicht versucht, eine DU abzuschliessen. Ich wusste seit Jahren, dass ich keine abschließen könnte und habe nie daran gedacht, dass es bei der Erstverbeamtung auch eine Sonderaktion dafür gäbe. Und da es mir nie wichtig war bzw. nicht interessiert hat, habe ich da leider keine Ahnung.
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon dieronja » 10.07.2019, 12:36:04

Auch via Öffnungsaktion kann man akzeptabel versichert sein.
Du bist zu 50% über die Beihilfe versichert. Zu 50% über die Private. Bei den 50% Privat bzw. PKV stehen bei Versicherern hochwertige Tarife zur Verfügung, die nichts mit dem "Basistarif" gemein haben. Das Problem bei der Öffnungsaktion besteht darin, dass meist kein oder nur ein schlechter Beihilfeergänzungstarif verfügbar ist. So bezahlt die bayerische Beihilfe z.B. Labotkosten beim Zahnarzt nur zu 40%. Das ist mit einem Lehrergehalt verschmerzbar, aber Beihilfeergänzungstarife fangen diese Lücken auf. Gute Tarife für die Öffnungsaktion findest du mindestens bei der debeka und der Barmenia. Letztere ist allerdings deutlich teurer.
Hast du denn schon mit der debeka gesprochen und auch dort eine Probeantrag gestellt? Deren Aufnahmepolitik ist wenig restriktiv. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass du dort ohne Öffnungsaktion aufgenommen wirst nur weniger als 30% Aufschlag fällig werden.
Ja, es ist möglich, einen PKV Tarif und auch den Anbieter zu wechseln, nachdem du über die Öffungsaktion versichert bist.
Bezüglich BU/DU gibt es ebenfalls Möglichkeiten. Es gibt häufig Aktionen mit vereinfachter Gesundheitsprüfung.
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Re: Lohnt sich die Öffnungsaktion?

Beitragvon Rets » 10.07.2019, 22:23:22

Du verwechselst zwei Begriffe. Die Öffnungsaktion erlaubt dir, einen ganz normalen Tarif bei der PKV abzuschließen. Krankenversicherungen für Beamte bestehen aus mehreren Bausteinen. Der Grundbaustein ist eine vollwertige private (!) Krankenversicherung und in diesen kommst du mit der Öffnungsaktion rein. Diese ergänzenden Dinge werden dann halt oft weggelassen. Die machen in manchen Situationen bestimmt Sinn, aber sind halt nicht nötig (!) um grundsätzlich krankenversichert zu sein.

Der Basistarif ist ein ganz anderer Tarif. Der ist zwar auch eine vollwertige Krankenversicherung, aber hat mit der Öffnungsaktion (normalerweise?) nichts zu tun.
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