Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Anjali » 21.08.2013, 20:04:24

Illi-Noize hat geschrieben:Ich möchte nur kurz einwerfen, dass man als Ref in so einer Besprechung gerne auch mal ziemlichen Quatsch erzählt. Jetzt mit Abstand verstehe ich immer mehr, was die Seminarlehrer eigentlich wollten - damals fand ich meine Stunden tatsächlich gut ... heute mit Abstand war da schon viel Murks dabei ... den hätte ich niemals verteidigen dürfen ;-)


Stimmt absolut, ich habe auch viel Blödsinn verzapft in den letzten Wochen, aber ich lerne halt eben noch. Da muss es doch machbar sein, nach Alternativideen fragen zu dürfen, wenn man selbst keine hat. Dann abgebürstet oder als "speziell" hingestellt zu werden (eben jener FL sagte auf eine Frage meinerseits wörtlich, "Diese Frage haben nur Sie, warum verstehen das alle anderen, bloß Sie nicht?") - das verstehe ich weder unter guter Ausbildung, noch unter Freundlichkeit, auch wenn die Frage möglicherweise idiotisch war.

Wenn mich dann derselbe Typ prüft, der sich schon in der Ausbildung nicht besonders freundlich oder wenigstens hilfreich bzw. kompetent gezeigt hat, dann habe ich damit ein größeres Problem, als wenn ich einem Fremden gegenüber sitze.
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Anjali » 21.08.2013, 20:05:39

Stark hat geschrieben:Also, ich will mich ja wirklich nicht an der allgemeinen Fachleiter-/Seminarlehrerschelte beteiligen, weil ich absolut kein Freund von Verschwörungstheorien bin.


Mir geht es nicht um Verschwörungstheorien, sondern um den Gedanken, dass es möglicherweise den Druck während der stressigen Ausbildung verringern könnte, wenn man nicht ständig im Hinterkopf hätte, möglichst gut dazustehen, weil man mit den künftigen Prüfern interagiert.
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Stark » 21.08.2013, 20:38:43

Anjali hat geschrieben:Mir geht es nicht um Verschwörungstheorien, sondern um den Gedanken, dass es möglicherweise den Druck während der stressigen Ausbildung verringern könnte, wenn man nicht ständig im Hinterkopf hätte, möglichst gut dazustehen, weil man mit den künftigen Prüfern interagiert.


Das ist vielleicht eine Einstellungssache. Ich hatte die exakt gleiche Konstellation von Fachleitern, die du beschrieben hast. Einer hilfreich, verständnisvoll etc., der andere jemand, der nur Druck ausüben konnte und Fragen nur widerwillig beantwortet hat. Ich habe diesen Druck trotzdem nicht ständig im Hinterkopf gehabt - und schon gar nicht habe ich mich aus den Seminardiskussionen herausgehalten. Meinen Beurteilungsnoten hat es nicht geschadet...
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Illi-Noize » 21.08.2013, 21:28:38

Stark hat geschrieben: Ich habe diesen Druck trotzdem nicht ständig im Hinterkopf gehabt - und schon gar nicht habe ich mich aus den Seminardiskussionen herausgehalten. Meinen Beurteilungsnoten hat es nicht geschadet...

So war das auch bei mir (ich nehme kein Blatt vor den Mund), das stand dann auch so in der Beurteilung drin und die Note war mehr als ok :mrgreen:
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Blackadder » 21.08.2013, 22:49:38

Fränzy hat geschrieben:Bei uns an der Schule sind einige Fachleiter tätig. Alle raten dringend davon ab, dass Refs ihre Stunden in der Reflexion selbst auseinandersehen. Denn, nach eigener Aussage dieser Personen, wären ihnen manche Knackpunkte selbst gar nicht aufgefallen - aber nach der Reflexion hat es dann die Noten maßgeblich mitbestimmt. Deswegen sollte der Ref sich nicht zu schlecht machen. :)

Das ist jetzt ein Witz, oder?

Von einem Fachleiter erwarte ich soviel Professionalität, dass er selbst die Schwachpunkte im Unterricht eines Referendars sieht, unabhängig davon ob dieser sie benennt oder nicht.

Natürlich soll der Referendar bei der Selbsteinschätzung seine Stunde nicht schlecht reden, genauso wenig wie er sie gut reden soll. Er soll aus seiner Sicht realistisch sprechen.
Es geht doch nicht darum, dass der Fachleiter noch weitere Aspekte hört, die ihm zuvor nicht selbst aufgefallen sind. Hintergrund ist vielmehr herauszufinden, ob der Referendar sich selbst richtig einschätzen kann.

Übrigens reden wir hier von zwei unterschiedlichen Gesprächen. Nun geht es um die Selbsteinschätzung, im oben diskutierten Fall um das Kritikgespräch, das sich üblicherweise an die Selbsteinschätzung anschließt.

Mein Rat, keine Begründung/Rechtfertigung für die seitens des Fachleiters aufgezeigten Fehler zu geben bezog sich auf das Kritikgespräch.
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Fränzy » 22.08.2013, 12:49:03

Ne, das ist kein Witz. (Fachlich sehe ich es genauso wie Du) Allerdings rate ich einem Ref, der eine schwache Stunde hatte eher dazu, die Dinge zu nennen, die den FL auf jeden Fall selbst aufgefallen wären und nicht das, was evtl. untergeht.
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Re: Fachleiter = Prüfer, warum eigentlich?

Beitragvon Blackadder » 22.08.2013, 14:05:15

Fränzy hat geschrieben:Ne, das ist kein Witz.

Das habe ich fast befürchtet...

Fränzy hat geschrieben:Allerdings rate ich einem Ref, der eine schwache Stunde hatte eher dazu, die Dinge zu nennen, die den FL auf jeden Fall selbst aufgefallen wären und nicht das, was evtl. untergeht.

Runtergebrochen auf den Unterricht mit den Schülern würde das bedeutet, dass ein Schüler der vom Lehrer nach einem Referat nach dessen Selbsteinschätzung gefragt wird, sich überlegen muss, welche Fehler der Lehrer nicht erkannt hat.

Ich stelle mir das so vor:
Lehrer: "Wie schätzt du dein Referat selbst ein?"
Schüler: "Ich habe leider den 1. und den 2. Weltkrieg verwechselt."
Lehrer: "Oh, das ist mir garnicht aufgefallen. Na dann muss ich dir eine schlechtere Note geben, als ich eigentlich vor hatte."
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