Schafft das Referendariat ab!!!

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon Stark » 17.12.2013, 0:22:58

Danke für den Literaturtipp! Im Moment ist mein Interesse an der Fragestellung nicht groß genug, um mich durch 50 Seiten Theorie zu quälen. Zumal ich genug Arbeit hier liegen habe und sowieso zu viel Zeit im Internet (=hier) verbringe.

Ganz pauschal und undifferenziert fällt es mir auch schwer, die Expertise eines Mannes anzuerkennen, der selbst niemals im Schuldienst tätig war. Wie will er sinnvolle Kriterien zur Ausbildung eines Berufs festlegen, den er nicht selbst aus der Praxis kennt?

Terhart besuchte zunächste die Realschule und machte dann sein Abitur am Gymnasium Remigianum. Er studierte an der Universität Münster, schloss zum Diplom-Pädagogen ab, promovierte und habilitierte sich 1982 an der Universität Osnabrück und war anschließend an den Universitäten in Osnabrück und Lüneburg 1988 bis 1993 tätig. Terhart war von 1993-2002 Lehrstuhl-Nachfolger von Jakob Muth in Bochum, bevor er 2002 einen Ruf auf die Professur für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik in Münster annahm.

Terhart beschäftigt sich mit Fragen der Bildungsforschung, des Lehrerberufs und der Lehrerbildung.


http://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Terhart
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon steve63 » 17.12.2013, 1:18:05

Stark hat geschrieben:Ganz pauschal und undifferenziert fällt es mir auch schwer, die Expertise eines Mannes anzuerkennen, der selbst niemals im Schuldienst tätig war. Wie will er sinnvolle Kriterien zur Ausbildung eines Berufs festlegen, den er nicht selbst aus der Praxis kennt?

Das sind diese "Experten", die von Dingen reden und Leuten Tipps geben, von denen sie NULL Ahnung haben.

(Stell die mal eine Woche in eine Haupt-, Gesamt- oder Förderschule Lernen --- :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: !)
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon schiona » 25.02.2015, 11:47:19

Ein paar Bemerkungen aus der Hüfte:

1. Es wäre natürlich besser, früh festzustellen, ob man den richtigen Beruf wählt - dabei helfen frühe Praktika.

2. Im Arbeitsleben muss man arbeiten - alles vorher ist meist Spässeken.

3. Was studiert da überhaupt an den Unis? Und woher haben manche Kinder ihr Abi? Lotto? Das ist die Quintessenz nach einem Semester back to Uni mit Kindergarten und flachem Niveau in Hauptseminaren.Vielleicht sollten wir vorher schon besser sortieren!

4. Es muss niemand Lehrer werden. Und wer das will, muss durch das Ref.

5. Es tut sicher weh, wenn man mit Ende 20 oder gar später gesagt bekommt, was man alles falsch macht. Aber zum Berufsbild gehört auch ein dickes Fell - Schüler können auch ganz schön persönlich werden. Wenn man jedes Wort auf die Goldwaage legt wird man in dem Beruf krank. ja, Sensibelchen haben hier schlechte Voraussetzungen!

6. Erst jetzt nach dem Ref wird mir bei Unterrichtsbeobachtungen klar, was da alles schief gehen kann und geht. Oft wird schnell deutlich, an was es einem Stundenentwurf mangelt - für die Betroffenen ist das aber nicht immer zu sehen oder gar einzusehen. Ich bemühe mich, das möglichst wertschätzend zu verbalisieren, habe aber manchmal den Eindruck, nur die positive Meldung kommt an und die negative gar nicht. Dann werde ich auch deutlicher - muss ich ja.

7. Alle FL, die ich mittlerweile besser kenne, wollen ihren Job gut machen. ich schließe aber nicht aus, das es solche und sone gibt.
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon dimetrodon190 » 01.04.2015, 18:14:58

Ein Test der nicht das prüft was er zu prüfen vorgibt, ist? Nicht aussagefähig.

Als ich vor einiger Zeit mein Ref. beendetet war ich nur eines, suizidbereit. Vieles was an meiner Lehrschule passierte würde mir heute niemand mehr glauben. Mir selber kam es wie ein böser Traum ohne Erwachen vor. Als Akademiker mit etlichen Jahren Auslands und Forschungserfahrung hätte ich nicht geglaubt das Menschen, denen es an nichts fehlt zu so etwas fähig sind. Zuerst gibt man sich selber die Schuld, ein Studium zu haben, dass nicht so lukrativ ist wie z.B. Medizin, dann denkt man: reden kannste ja also warum nicht Lehrer werden? Dann prallt man auf eine Mauer von Hass, Frust, Intriegen und Schadenfreude. Das einem die Klassen in der Woche der Lehrprobe entzogen wurden und am Tag der Probe wieder scheinheilig zugeteilt wurden war normal, dass einem Hauptschüler sagten, die Kollegen forderten sie auf mir die Lehrprobe zu verderben, musste man hinnehmen (sie taten es nicht). Das einem Rektor, Schulrätin und Kollegen rieten zu gehen (nach zwei Tagen) verstand man nicht. Das man so den Platz für einen Verwandten des Retors blockierte erfuhr man erst später.... . Eine komplett überforderte Mentorin mit Eheproblemen, auch mit breiter Verwandtschaft im Kollegium war die Hölle, ein F-Seminarleiter mit OH-Problematik, der eine minderjährige Schülerin geschwängert und dann verlassen hatte sollte man ernst nehmen.... . Was, das glaubt einem niemand? Nun das war nur die Oberfläche. Dann als alles endlich fertig war und niemand außer seiner Frau einem galubte, fand man die Foren, schrieb Briefe fand Leidensgenossen und war erstaunt was in diesem Land alles möglich ist wenn man Beamter ist. Nicht zu vergessen, es ist nicht überall so aber es gibt einige Höllen in diesem Land die menschengemacht sind. Eine Lehrerausbildung die sich an Menschen orientiert, Fakten und Werte vermittelt und vorlebt, nicht an kruden Projekten und Vorgaben scheitert und nur noch Experimentierfeld für Bildungstheoretiker ist, wäre das Ziel.
Liebe Lehrer nein, es sind nicht alle Lehrschulen so aber es gibt sie und wehe es erwischt einen. Nicht böse sein, meinen Frieden haben ich mit denen gemacht die mich ohne Grund vernichten wollten, verstanden hab ich es nicht. Wie sagte mir ein Minister Jahre später: "Leider versetzen wir viele von denen die im normalen Lehrbetrieb scheitern, in die Ausbildung. Dort richten sie weniger Schaden an." Dem ist nichts hinzuzufügen.
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon Fränzy » 01.04.2015, 19:21:26

Manchmal fehlt mir echt der Glaube, an das, was hier geschrieben wird. Meine Ref Schule war ja auch beschissen, aber das war so, weil es ansich unterversorgt und chaotisch war. Bösartig war keiner. Auch nicht unfähig, auch ich nicht. Die Bedingungen waren von vorneherein schlecht - nicht nur von schulischer Seite übrigens.
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon Drops » 01.04.2015, 23:46:22

Fränzy hat geschrieben:Manchmal fehlt mir echt der Glaube, an das, was hier geschrieben wird.

Doch, Fränzy, leider gibt es so etwas, wenn auch -hoffentlich- nicht oft in dieser wie oben beschriebenen geballten Form.
Bösartigkeiten können an der Tagesordnung sein, die dem Ref das Leben sehr, sehr schwer machen. Hat man sowieso nicht das dickste Fell, ist man fürs Ref vielleicht noch weggezogen und muss so auf sein normales soziales Umfeld verzichten, dann kann einem ein bösartiges Kollegium schon das Leben zur Hölle machen.
An manche Begebenheiten aus meinem Ref erinnere ich mich mit Grausen; am liebsten würde ich sie völlig aus meinem Gedächtnis streichen.
Das Gute daran aber ist, dass man weiß, man möchte so als Lehrer nie werden und es seinen Refs auch nie so schwer machen. Ich jedenfalls weiß, was ich auf gar keinen Fall meinen Refs antun werde...
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Re: Schafft das Referendariat ab!!!

Beitragvon Fränzy » 02.04.2015, 13:35:08

Drops hat geschrieben:
Fränzy hat geschrieben:Manchmal fehlt mir echt der Glaube, an das, was hier geschrieben wird.

Doch, Fränzy, leider gibt es so etwas, wenn auch -hoffentlich- nicht oft in dieser wie oben beschriebenen geballten Form.
Bösartigkeiten können an der Tagesordnung sein, die dem Ref das Leben sehr, sehr schwer machen. Hat man sowieso nicht das dickste Fell, ist man fürs Ref vielleicht noch weggezogen und muss so auf sein normales soziales Umfeld verzichten, dann kann einem ein bösartiges Kollegium schon das Leben zur Hölle machen.
An manche Begebenheiten aus meinem Ref erinnere ich mich mit Grausen; am liebsten würde ich sie völlig aus meinem Gedächtnis streichen.
Das Gute daran aber ist, dass man weiß, man möchte so als Lehrer nie werden und es seinen Refs auch nie so schwer machen. Ich jedenfalls weiß, was ich auf gar keinen Fall meinen Refs antun werde...


Ich denke, dass sehr oft viele Dinge im Ref Stress als bösartig erlebt werden, die es gar nicht sind bzw. die nicht böse gemeint sind und doch böse ankommen. Meine Schule war wirklich schlimm, ich habe bis Pfingsten praktisch alle Vertretungsstunden übernommen, z.B. eine Woche mit 29 Stunden. In der 30. hat sich dann auch noch die Schulleitung für einen Besuch angemeldet. Kannst Dir denken, die Stunde war super ;). Wurde mir dann angekreidet, warum ich so unvorbereitet war (was ich gar nicht war). Das war dann auch alles noch zu allem Überfluss in der Grundschule würg. Dann kamen die Kolleginnen auf die gute Idee mir eine rosa Brille ins Fach zu legen, für den Blick auf den Vertretungsplan. Da hat es mir dann gereicht und ich habe im Seminar gepetzt. Das hat dann für weniger Vertretung gesorgt, aber dazu, dass die Schulleitung meinte, ich sei ja nicht belastbar - so rein körperlich nicht, weil ich ja eine Esstörung hätte und so ein Klappergestell sei. Dass ich 1999-2001 schwer krank war habe ich dann gesagt. Das war eine körperliche, aber lebensbedrohende Krankheit. 2002 bin ich ins Ref. Da ging es dann weiter, dass ich erst mal gesundheitlich und AUCH psychisch wieder auf die Kette kommen solle, ob ich nicht unterbrechen wolle. Ich musste dann ständig Tee trinken mit der Chefin, um zu reden. Außerdem musste ich alle Stunden in Reihenplanung und ins Detail schriftlich vorbereiten und meiner Chefin vorlegen. Ja, so war das, mein Ref.

Habe ich alles als bösartig erlebt, aber

- 1. Schule gnadenlos unterversorgt
- 2. Mentorin komplett ausgefallen
- 3. Scherzkekse im Kollegium (rosa brille)
- 4. Riesenschule, der Schulleiter konnte gar nicht anders zum Besuch
-5. Ich war körperlich schon am Sack
- 6. Die Stundenplanung hat mir in der Rückschau sehr geholfen. Stunden und Reihenplanung auch unter Zeitdruck habe ich echt gelernt
- 7. Viele haben mir geholfen, auch die Chefin hatte gute Absichten. Ich konnte sie leider nicht ausstehen.
-8. Habe ich mein Examen geschafft
-9. wusste ich danach, dass ich in eine normale Schule nicht möchte. Im Jahr drauf war ich im Hort, dann hatte ich einen Schulfremdenkurs für verhaltensauffällige Jungs (die mich bis heute bei Problemen in meiner heutigen Schule anrufen) und jetzt bin ich an einer Gewerbeschule Schulsozialarbeiterin. Ich bin viel zufriedener, ohne diese schwierige Schule wäre ich heute wirklich im falschen Beruf - wobei ich mittlerweile denke, dass ich ganz gute Lehrqualitäten habe.

Und ich achte sehr darauf, dass es unseren Refs gut geht - auch denen, die sich schwer tun.
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