Neustrukturierung Ref, Gym, Bayern

Konstruktive Kritik - das Referendariat muss reformiert werden! Eure Vorschläge...

Neustrukturierung Ref, Gym, Bayern

Beitragvon Schnattchen » 03.12.2016, 14:26:12

Hallo,

nachdem ich jetzt das Ref in der zweiten Runde erfolgreich durchlaufen habe und mich auch mit anderen Leuten drüber unterhalten habe, sind mir ein paar Punkte gekommen, wie man das Ref vielleicht verbessern könnte:

Wie andere Threads schon fordern, sollte man sich um das erste Staatsexamen kümmern. Es sollte möglich sein, dass das erste Examen auch schon als vollwertiger Bildungsabschluss gezählt wird. Vom Arbeitsaufwand und der Dauer entspricht dieser Abschluss wohl doch eher dem Master als "nur" einem Bachelor. Klar haben Lehramtsstudenten andere Schwerpunkte als "normale" Studenten, aber eine bessere Vergleichbarkeit wäre wünschenswert, damit man auch ohne Referendariat etwas vorzuweisen hat und es bei der Umorientierung hilft.

In Bayern gliedert sich das Referendariat Gymnasium in drei Ausbildungsabschnitte. AA 1 findet in der Seminarschule statt und dauert ein halbes Schuljahr. AA 2 ist der Zweigschuleinsatz, man landet an einer Schule oder deren zwei in ganz Bayern verteilt. Ich vermute, das entspricht dem bedarfsdeckenden Unterricht in anderen Bundesländern.

Im dritten Ausbildungsabschnitt kehrt man nach einem Jahr wieder an die Seminarschule zurück, hat dort wieder Unterricht und Seminare wie in AA 1. Am Anfang macht man das Kolloquiuum in Pädagogik/Psychologie, dann noch eine Lehrprobe und dann Ende November/Anfang Dezember die Prüfungen in den Didaktiken und Schulkunde/Staatsbürgerkunde. Soweit so gut.

Bei der Ausbildung für Realschullehrer läuft das ganze anders und ich würde es gerne für Lehramt Gymnasium übernommen haben.

Der AA 1 an der Seminarschule dauert ein Jahr, dann geht man für ein Jahr in den Einsatz und hat am Ende des Einsatzes seine Prüfungen. Vielleicht noch vorher eine Seminarwoche an der Seminarschule.

Das hätte den Vorteil, dass die Nahtstelle Einsatz/Seminarschule verschwindet. Die Seminarlehrer haben sich sowohl in Seminarschule 1 als auch Schule 2 darüber empört, dass die Referendare jetzt so selbstständig seien, ihren eigenen Unterrichtsstil fahren und der Seminarlehrer die Referendare jetzt erstmal "stutzen" muss...

Ich empfand es während meiner Ausbildung als extremen Stress, ständig die Schule und das Umfeld wechseln zu müssen. Wie ihr es sicher aus eigener Erfahrung kennt, unterscheiden sich die einzelnen Schulen selbst bei gleichem Schultyp und Bundesland doch erheblich voneinander.

Im Zuge der Notengerechtigkeit würde ich es als fair sehen, wenn alle Referendare jeweils ein Jahr an einer Einsatzschule verbleiben. Die Umstellung von Betreuungslehrer A auf B war bei mir schon extrem schwer, da B vieles, was mir A beigebracht hat, für den letzten Mist gehalten hat. Nicht zu vergessen, mein Seminarlehrer hatte ganz andere Ansichten als A und B...

In Bayern wird von uns Referendaren auch erwartet, sich für eine gute Krawattennote mehr ins Schulleben einzubringen, also eine AG zu leiten etc. Sowas ist natürlich einfacher, wenn man das ganze Jahr über an einer Schule bleibt. Der Referendar an sich profitiert auch mal davon, im ersten Halbjahr etwas mehr Dampf im Unterricht gemacht zu haben, damit das zweite Halbjahr etwas stressfreier abläuft. (Ihr kennt das ja, gegen Schuljahresende finden so viele Sonderveranstaltungen statt, dass man im zweiten Halbjahr effektiv weniger Unterricht halten kann als im ersten) So musste ich meine eingearbeiteten Klassen abgeben und an einer neuen Einsatzschule andere Klassen in anderen Jahrgangsstufen übernehmen, die dann wieder im Stoff zurücklagen...

Dann hat man in Bayern, wohl auch in anderen Ländern, eventuell ziemlich stark mit dem Finden einer neuen Bleibe zu kämpfen oder auch dem Umzug. Ich hatte Glück und hatte zwischen meinen beiden Einsatzorten eine Woche Ferien, aber ich stell mir das extrem hart vor, während des Einsatzes einen Umzug vorzubereiten, an einem Wochenende umzuziehen und dann am Mo gleich das volle Programm zu fahren.

Nächster Punkt: Die Seminartage. Waren bei uns leider völlig sinnlos und habe ich von vielen Lehrern ebenso gehört. Sinn oder Unsinn möchte ich da nicht diskutieren, sondern nur die Lage. In Bayern finden meiner Erfahrung nach die Seminartage entweder Mo/Di oder Mo/Di/Mi statt. Mi wird peinlich darauf geachtet, dass alle Referendare gleichzeitig Schluss haben, meist um 13 oder 14 Uhr nach einer allgemeinen Sitzung. Hier war das Problem, dass ich, wie einige andere auch, erstmal von Unterfranken in die niederbayerische Pampa zurückfahren mussten. Hatte ich um 13 Uhr aus, konnte ich um 14 Uhr den RE erwischen und war dann mit mehrfachem Umsteigen und Busfahrt ca. 20 Uhr an meinem Einsatzort. Da aufgrund der Fahrplanlage auf der Strecke nur Nahverkehr genutzt wurde, konnte von vernünftigem Arbeiten nicht die rede sein und man steht am nächsten Morgen gleich wieder in der Schule.

Mein Vorschlag daher: Seminartage hören an einem Fr auf.

Zusammenfassung:

- 1. Examen zählt wie Master
- AA 1 verlängert auf ein Jahr, AA 2 Einsatzjahr wird an einer einzigen Einsatzschule abgeleistet.
- Seminartage werden auf Mi-Fr bzw. Do-Fr gelegt.

Schöne Grüße,
Schnattchen
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Re: Neustrukturierung Ref, Gym, Bayern

Beitragvon Illi-Noize » 03.12.2016, 15:14:34

Im Zuge der Notengerechtigkeit würde ich es als fair sehen, wenn alle Referendare jeweils ein Jahr an einer Einsatzschule verbleiben. Die Umstellung von Betreuungslehrer A auf B war bei mir schon extrem schwer, da B vieles, was mir A beigebracht hat, für den letzten Mist gehalten hat. Nicht zu vergessen, mein Seminarlehrer hatte ganz andere Ansichten als A und B...

Für die Ausbildung ist der jeweilige Seminarlehrer zuständig, nach dem sollte man sich richten...
In Bayern wird von uns Referendaren auch erwartet, sich für eine gute Krawattennote mehr ins Schulleben einzubringen, also eine AG zu leiten etc.

Ist das wirklich so? Habe ich noch nie gehört, bin allerdings RS. Zudem zählt das Gutachten der Einsatzschule sowieso kaum etwas, die Seminarschule hat da schon vor dem Gutachten klare Noten im Blick.
Mi wird peinlich darauf geachtet, dass alle Referendare gleichzeitig Schluss haben, meist um 13 oder 14 Uhr nach einer allgemeinen Sitzung.
Da aufgrund der Fahrplanlage auf der Strecke nur Nahverkehr genutzt wurde, konnte von vernünftigem Arbeiten nicht die rede sein und man steht am nächsten Morgen gleich wieder in der Schule.

Ein wenig "Vorarbeiten" sollte nicht zu viel verlangt sein ... zudem hatten wir am letzten Tag nie so früh aus, da war kein Entkommen vor 16:00 Uhr ;-)
- AA 1 verlängert auf ein Jahr, AA 2 Einsatzjahr wird an einer einzigen Einsatzschule abgeleistet.

Das war bei uns auf jeden Fall sehr angenehm und praktisch :-)
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Re: Neustrukturierung Ref, Gym, Bayern

Beitragvon kecks » 03.12.2016, 17:08:03

kann ich so nicht nachvollziehen. ich fand mein gym-ref in bayern insgesamt ziemlich gut, gerade auch durch den ständigen wechsel (ich musste zweimal umziehen und einmal eine stunde einfach pendeln).
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Re: Neustrukturierung Ref, Gym, Bayern

Beitragvon Rayanne » 04.12.2016, 1:15:33

Ich fand den häufigen Wechsel der Schulen im Nachhinein sehr gut, da ich viel gesehen habe und heute noch von unterschiedlichen Ansätzen und Herangehensweisen profitieren kann. Das Zurückkehren an die Seminarschule habe ich als besonders hilfreich erlebt, da jetzt "feingetunt" werden konnte - ich war viel besser als zu Beginn, und jetzt konnten meine Seminarlehrer mir sehr konkrete, konstruktive Hilfestellungen geben, um in bestimmten Bereichen noch besser zu werden. Gleichwohl kann ich verstehen, dass man es im Ref als blöd empfindet. Ich fand es damals auch doof, meine Klassen aufzugeben und wieder von vorne zu beginnen.

Der Betreuungslehrer gibt doch nur den Rahmen der jeweiligen Schule vor, da kann es doch wurscht sein, ob sich in manchen Punkten die Betreuungslehrer widersprechen. Einige Dinge werden halt von Schule zu Schule anders gehandhabt, daran muss man sich gewöhnen.

Das mit den Seminartagen hört sich sinnvoll an, gleichzeitig verstehe ich aber auch nicht, warum es ein Problem darstellt, einfach vorzuarbeiten.

Und sich an der Einsatzschule auch in nur einem halben Jahr einzubringen ist in der Regel nicht schwer. Es gibt immer laufende Projekte, bei denen man mitmachen kann, und kleinere Sachen lassen sich auch in 5 Monaten planen. Lediglich Wettbewerbe fallen idR raus.

Ergo: Wie sinnvoll/sinnlos das Ref ist, hängt glaube ich im entscheidenden Maß von den jeweiligen Seminarlehrern ab und nicht von der Struktur des Refs. Da würde ich eher an der Stellschraube "einheitliche Prüfungsanforderungen" und "Qualität der Seminarlehrer" drehen...
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