Endgültig durchgefallen und nun???

Abbruch des Ref? Durchgefallen - was dann?

Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Skymasta » 05.08.2016, 19:09:38

Liebe Leidgenossen,
Ich habe diesen Text verfasst, weil ich immer wieder Nachrichten bekomme. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich in diesem Forum bin.
Zur meiner Person (m, 36, verheiratet und Hausbesitzer). Ihr seht es geht irgendwie immer weiter.
Festanstellung als Lehrkraft. Ich unterrichte viele Mangelfächer!!!

Ich habe das Referendariat 2008 in Niedersachsen endgültig nicht bestanden. Dies war nicht nur aus meiner Sicht ungerecht und unfair. Nun möchte ich berichten wie es mir in den letzten 8 Jahren ergangen ist und womit ich mich zwischendurch beschäftige.
Eine Woche, nachdem ich durchgefallen bin, habe ich eine Anstellung an einer Schule in katholischer Trägerschaft erhalten. (Glück im Unglück) An dieser Schule arbeite ich seither und habe mittlerweile einen festen Vertrag. Nebenher habe ich natürlich gegen meine Beurteilung geklagt. Laut Aussagen meines Anwaltes haben sich die Richter mit dem Urteil schwer getan, welches leider zu meinen Ungunsten ausgefallen ist. Die Justiz wollte wohl keinen Präzedenzfall schaffen.
Ich bin natürlich zufrieden mit meiner Stelle, aber diese Flecken auf meiner weißen Weste stören mich schon. Ich möchte irgendwie meine Ausabildung abschließen. Daher schaue ich immer mal wieder nach links und rechts. Leider scheint es für meinen Fall keine "einfache" Lösung zu geben.
Um die Lehrbefähigung zu erhalten, müsste ich das 1.Staatsexamen nochmal machen. Fraglich ist natürlich, ob man das gleiche Lehrmat nochmal studieren kann. Ich habe meine Studienleistungen an zwei Universitäten anerkennen lassen. Dabei kam folgendes Ergebnis heraus:wenige Leistungen wurden aufgrund der Umstellung auf Bachelor und Master anerkannt, das Vollzeitstudium würde mindestens 10 Semester dauern + ca. 2 Jahre Referendariat: gesamte Ausbildungszeit: ca. 7 Jahre. Dies steht in keinem Verhältnis zu meinem ersten Studium ( siehe Zeit und Kosten). Ich würde meine volle Stelle auch nicht aufgeben, sondern das Ganze nebenher versuchen. Dies würde sich also zeitlich noch hinziehen: also lasse ich es.
Weiterhin ist es für mich nicht möglich als sogenannter Quereinsteiger das Referendariat nochmal abzuleisten. Hierzu gibt es ein Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts.
Eine Anstellung als Lehrkraft an öffentlichen Schulen ist quasie für jeden Hochschulabsolventen möglich, außer für mich.
Dabei habe ich mich in den letzten acht Jahren bewährt und deutlich gezeigt, dass ich sehr wohl für den Lehrerberuf geeignet bin. Dies könnte meine Schulleitung bestätigen.
Lustig, aber auch verständnislos, finde ich deswegen auch die Versuche der Länder Lehrer einzustellen.
Es werden nur noch Lehrer mit abgeschlossener Berufsausbildung eingestellt. Man verschärft also die Regeln , trotz den Lehrermangels. Heute wird kein durchgefallener Lehrer mehr im Angestelltenverhältnis eingestellt. Selbst an Privatschulen ist dies schweiriger geworden.

Vielleicht regen meine Worte zur Diskussion an und es ergeben sich für solche Leute wie ich es bin, noch andere Möglichkeiten. Gerne dürft Ihr auch Fragen stellen, die ich mit bestem Wissen und Gewissen versuchen werde zu beantworten...
Also haut in die Tasten...

P.S. : Man weiß nie wofür das Ganze gut ist.....
Skymasta
 
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon dreistein » 05.08.2016, 21:26:32

Skymasta hat geschrieben:Ich habe das Referendariat 2008 in Niedersachsen endgültig nicht bestanden. [...] Ich möchte irgendwie meine Ausabildung abschließen.

In den meisten Bundesländern gibt es beim Einstellungsverfahren zum Vorbereitungs- oder Schuldienst den Passus "Wir stellen keine Bewerber ein, deren Nichteignung bereits festgestellt wurde". Wenn du endgültig durchgefallen bist, heißt das, dass entweder deine Persönlichkeit oder deine didaktischen Fähigkeiten (oder beides) so sind, dass man dich keinesfalls auf Schüler loslassen kann. Grenzwertige Fälle lässt man eher mit abgründigen Abschlussnoten bestehen, weil eine siebenjährige Ausbildung ohne Abschluss zugegebenermaßen ein hartes Los ist.

Skymasta hat geschrieben:Heute wird kein durchgefallener Lehrer mehr im Angestelltenverhältnis eingestellt.

Das würde ich als Schulleiter oder -behörde auch nicht tun. Selbst unter Quereinsteigern findet man immer ein paar, die auch ohne Lehramtsstudium besser geeignet sind als die schlechtesten 2 % der Referendare, die endgültig durchfallen.

Skymasta hat geschrieben:Ich unterrichte viele Mangelfächer!!! [...] eine Anstellung an einer Schule in katholischer Trägerschaft erhalten.

Das nehme ich als Zeichen dafür, wie schwierig die Personalsituation an Privatschulen ist. Ich selbst unterrichte nicht "viele" Fächer. Ich unterrichte zwei Fächer, in denen ich einen Diplom- und einen Masterabschluss sowie das 1. sowie 2. Staatsexamen vorweisen kann, die ich allesamt mit "sehr gut" abgeschlossen habe. Für den Unterricht in diesen Fächern halte ich mich für qualifiziert. Andere Fächer würde ich grundsätzlich nicht unterrichten, weil ich die Unterrichtsqualität nicht garantieren könnte.

Auch wenn es für den einen oder anderen am unteren Ende der Skala des Leistungsvermögens hart sein mag: Ich bin ein Befürworter des meritokratischen Systems – der beste bekommt den Job. Der Rest findet vielleicht eine andere Berufung, in der er der Beste ist.
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Rotschreiber » 05.08.2016, 21:31:15

Und was soll mir das als Leser nun sagen?

Dass du zwar keine Lehrbefähigung hast, aber dennoch ein guter Lehrer bist?

Einige Sätze lassen mich erschaudern:

"Dies war nicht nur aus meiner Sicht ungerecht und unfair."
Nein, nicht schon wieder diese Ausrede.

"Eine Anstellung als Lehrkraft an öffentlichen Schulen ist quasie für jeden Hochschulabsolventen möglich, außer für mich. "
Doch, für die, die bestanden haben.

"Dabei habe ich mich in den letzten acht Jahren bewährt und deutlich gezeigt, dass ich sehr wohl für den Lehrerberuf geeignet bin."
Ja, das mag für dich subjektiv so sein, dennoch zählt halt nun mal die Ausbildung. Es gab auch schon Menschen, die sich als "Ärzte", ausgegeben haben und operiert haben, und das nicht so schlecht und dennoch bestraft wurden...

"Es werden nur noch Lehrer mit abgeschlossener Berufsausbildung eingestellt. Man verschärft also die Regeln , trotz den Lehrermangels. Heute wird kein durchgefallener Lehrer mehr im Angestelltenverhältnis eingestellt. Selbst an Privatschulen ist dies schweiriger geworden. "
Man macht es halt nur so, wie in fast allen anderen Berufen.
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Teacherlove » 05.08.2016, 22:17:37

Danke für deine Worte lieber TS!

Mir ist es wie dir ergangen, ich bin auch endgültig aus sehr fadenscheinigen Gründen durchgefallen.
Ironischerweise hat mir beim Zweitversuch eine Fachleiterin heimlich bei der Stundenplanung geholfen und trotzdem habe ich eine 5 bekommen. Eine 4 hätte mich noch gerettet! Meine Vornoten waren nie berauschend, ich lag im Bereich 3,0.

Mitreffis, die mit 5 vorbenotet wurden und die zahlreiche Elternbeschwerden bezüglich ihres Unterrichts hatten, bekamen in der Prüfung ihre 3 und es wurden laut Aussage meines Seminars "sämtliche Augen zugedrückt". Es ist mir unverständlich, wie ein Mensch mit befriedigenden Leistungen durchfallen kann, ein Kandidat mit der Note mangelhaft aber nun fröhlich an den Schulen rumhopst... auch mein Anwalt konnte mir keine Hoffnungen machen, da in meiner Akte als Durchfallgrund nichts wirklich Stichhaltiges stand. Er meinte, das würde extra schwammig formuliert...nun denn.

Ich bin mittlerweile in der sozialen Arbeit untergekommen und verdiene 1000€ weniger als meine verbeamteten Freunde in der Schule.
An Familienplanung oder Hausbau ist mit dem Gehalt natürlich nicht zu denken, zumal die Jobsicherheit äußerst wacklig ist in dem Bereich.

Ich hadere oft mit meiner Entscheidung für das Lehramtstudium, da es (wie du schon richtig ausgeführt hast) in eine absolute Sackgasse führt. Will einen der Staat nicht- kannst du es vergessen! Du studierst nur für EINEN Arbeitgeber und wenn der keinen Bock auf dich hat ruft erstmal Hartz4, während man sich mit einem BWL-Studium bei 1000 Arbeitgeber bewerben kann. Man ist einfach vielseitiger und breiter aufgestellt!

Ich habe mich damals aufgrund meines Idealismus gegen das BWL-Studium entschieden und das bereue ich nun zutiefst. Meine Freunde in der Wirtschaft verdienen sogar mehr als Lehrer, haben Annehmlichkeiten wie ein Firmenfahrzeug und Home Office und ich dümpel mit einem Gehalt herum, das ich schon vor Studienantritt aufgrund meiner vorherigen Berufsausbildung hatte... sprich: 5 Jahre Staatsexamen plus 3 Jahre Referendariat waren absolut für die Katz!

Ich hätte auch gedacht, dass man zumindest das GHR-Ref machen könnte, aber auch da ist man gesperrt wie man mir sagte...
Bei mir ist es laut meinen Fachleitern so, dass ich primär pädagogische Fähigkeiten hätte und diese eher an Hauptschulen zur Geltung kämen- ich habe mich damals einfach für das falsche Lehramt entschieden.
Überall herrscht Lehrermangel und ich bin nun auch für Vertretungsstellen gesperrt...

Aber ganz ehrlich- auch wenn ich aufgrund meines Gehalts und meiner mauen Zukunftsaussichten hadere und unglücklich bin, weil die Kommission mir mein Leben versaut hat und mir nicht einfach die Chance gegeben hat, im Kolloquium zu zeigen, wie sehr ich für den Beruf brenne- einen Fuß in eine Schule will ich auch nicht mehr setzen.

Allen Reffis hier viel Glück! Sollte es mit dem Examen nicht klappen, sieht es leider mau für euch aus und ihr dümpelt mit dem Gehalt eines Bürokaufmanns herum... dazu noch die Bafög-Schulden... das wünsche ich keinem!

Ich habe nun in ein Fernstudium investiert, aber ganz ehrlich glaube ich auch da nicht, dass mir das zu mehr Gehalt und einer höheren Position verhelfen wird- da mein Lebenslauf für immer versaut ist und ich bei jedem Vorstellungsgespräch erklären muss, wieso ich kein Lehrer geworden bin... dieser Makel wird mich mein ganzes Leben begleiten!

Natürlich hat eine Kommission eine Selektionsfunktion und sollte ungeeignete Menschen von Kindern fernhalten- aber kein 3,0er Kandidat, der für sein hohes pädagogisches Geschick von den FL gelobt wird!
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Rotschreiber » 05.08.2016, 22:45:29

"h bin zweimal durchgefallen und arbeite aktuell in einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme.

Der Job ist deutlich chilliger als hier oftmals dargestellt.

Den Unterricht übernehmen bei uns Dozenten, sprich man selbst ist "nur" für die Dokumentation, das Führen von Anwesenheitslisten und für die Akquise von Praktika zuständig.
Zwei Tage sind die Kids in der Schule, in der Zeit studiere ich noch nebenberuflich- besser gehts nicht. Zudem zahlt mein Träger übertariflich, sprich ich habe genauso viel am Monatsende wie meine nichtverbeamtete Lehrerfreundin"

Quelle: http://referendar.de/forum/viewtopic.php?f=1&t=32975&p=336576#p336576
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Teacherlove » 05.08.2016, 22:52:18

Rotschreiber hat geschrieben:...sprich ich habe genauso viel am Monatsende wie meine nichtverbeamtete Lehrerfreundin"

Quelle: http://referendar.de/forum/viewtopic.php?f=1&t=32975&p=336576#p336576



Das Wort "nichtverbeamtet" hast du aber schon noch gelesen, oder? Und meine Ausführungen zur Jobsicherheit auch?
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Re: Endgültig durchgefallen und nun???

Beitragvon Rotschreiber » 05.08.2016, 22:59:25

Ja. Aber Tenor vor einem Jahr: "alles chillig, man hat reichlich Möglichkeiten."
Tenor jetzt: "Leben versaut, keine Zukunftaussichten etc".

Du nutzt wieder einmal einen Faden für deine Belange und strickst dir wieder das Bild, dass die Welt böse ist und du ungerecht behandelt wurdest. Ob es so war weiß ich nicht. Aber du wirst es nicht mehr ändern.

Bedenklich finde ich die Aussage, "dümpelt mit dem Gehalt eines Bürokaufmanns herum... " Die Arroganz stinkt zum Himmel. Es gibt auch durchaus Bürokaufmänner/-Frauen mit Familie und sogar mit Haus.

Aber genug Bühne für dich. Moderatoren mögen gerne einschreiten.
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