Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Abbruch des Ref? Durchgefallen - was dann?
User65
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von User65 »

Ach so, ich verstehe.

Diese Bescheinigung, wie ich sie habe, bekommt man natürlich nur, wenn man eine betriebliche Ausbildung und z. b. eine Lehrer- oder Erzieherausbildung hat.

Sie nützt allerdings bei Bewerbungen auch nichts - jedenfall mir nicht. Welcher Betrieb interessiert sich denn für die Ausbildereignung eines Mitarbeiters?

Du wirst den angestrebten Traum wohl auch ohne eine solche Bescheinigung verwirklichen. Pass' aber auf, dass kein Trauma daraus wird. Dafür hört es sich nämlich für mich an. 8)
Man kann auch ohne Alkohol Spaß beim Feiern haben. Aber ich gehe auf Nummer sicher.

Fränzy
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von Fränzy »

DIe Ausbildungsleiter, die ich kenne, haben alle die Ausbildereignung.

Ich habe zwei-drei Betriebe im Blick (Metall). Was soll schon passieren? Wenns nicht klappt, ist es auch kein Drama, ich habe ne passable Stelle. Ich seh das erstmal ganz gechillt :mrgreen:
שָׁלוֹם

User65
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von User65 »

Fränzy hat geschrieben:DIe Ausbildungsleiter, die ich kenne, haben alle die Ausbildereignung.
Ich weiß nicht, was ein Ausbildungsleiter ist. Im handwerklichen Bereich obliegt die Ausbildung formal den Meistern. Wenn man die Meisterprüfung bestanden hat, hat man automatisch auch die Ausbildereignungsprüfung bestanden. Im kaufmännischen Bereich ist das anders. Dort reicht für die Funktion als Ausbilder der bestandene Berufsabschluss ("Gesellenbrief") und die bestandene Ausbildereignungsprüfung. Dann wird man bei der IHK als Ausbilder geführt, wenn der Betrieb überhaupt ausbildet.
Fränzy hat geschrieben:ich denke mal, dass sehr viele Lehrer schon mit Herzblut Pädagogen sind
Das merkt man hier im Forum deutlich. Viele scheinen auch noch gerne nachmittags via Internet erziehen zu wollen. Ich bin jedenfalls kein Pädagoge.
Fränzy hat geschrieben:Die Stelle habe ich letztlich über Vitamin B bekommen. Es ist echt wichtig, die Ohren überall zu haben und seine Kontakte aufzubauen und zu nutzen. 75% der Stellen werden vergeben, ohne dass Afa oder Zeitung bemüßigt werden.
Da gebe ich dir Recht.

Ich habe auch sämtliche Stellen über nebenberufliche Beziehungen bekommen. Nur bei einer Stelle musste ich überhaupt Lebenslauf und Zeugnisse vorlegen. Bei meiner derzeitigen Stelle reichten die Kundenstammdaten meines vorherigen Arbeitgebers. :lol:

Ich bin ein Unterschichtenkind und habe deshalb keinen privaten Kontakt zu irgendwelchen Akademikern, die mir helfen oder auch nur einen Tipp geben könnten. Mein Kegelverein besteht aus Gärtnern, Tischlern, KFZ-Mechanikern und Hilfsarbeitern, die ich immer beraten soll, wenn ihre Kinder Probleme in der Schule oder bei der Berufswahl haben ("Pass auf, dass sie nicht Lehrer werden wollen!").
Fränzy hat geschrieben:Wichtig ist auch, dass man selbstbewusst auftritt und nicht den Anschein erweckt, dass man nur ein Lehrer ist, den Beruf nicht kann und auch sonst nichts auf der Pfanne hat.
Also an Selbstbewusstsein mangelt es bei mir sicher nicht. Ich weiss genau, dass ich sehr gut und sehr klug bin. Nur die anderen wissen das nicht...
Fränzy hat geschrieben:Einige Beispiele von Bekannten von mir:

Mathelehrer - Leiter der Lohnbuchhaltung einer Rüstungsfirma
Lehrerin (GHS) - Anstellung als Augenoptikerin (ohne Ausbildung)
Lehrerin - Verlagsmitarbeiterin
Lehrerin - Lektorin in einem anerkannten Schulbuchverlag
Lehrerin - Verwaltungsfachangestellte an einer Hochschule
Lehrerin - Anstellung im Buchhandel, Fachbuchhandel
Lehrer - MItarbeiter an einem großen Forschungsinstitut
Es mag sein, dass es auch im nichtpädagogischen Bereich Nischen für Ex-Lehrer gibt. Ich bin überrascht, wieviele Lehrer du in deinem Bekanntenkreis hast. Ich kenne keinen einzigen.

Ich würde übrigens gerne im politisch-administrativen Bereich arbeiten. Referent des Bürgermeisters oder so etwas. Auf solche Stellen habe ich mich in der Vergangenheit beworben; aber dafür reicht ein Lehramtsstudium wohl nicht. Am liebsten wollen die dort wohl promovierte Journalisten mit langjähriger Erfahrung in der Pressearbeit o. ä..

Letztendlich kommt es bei allen Alternativen auch auf das Gehalt an. Ich wüsste im Augenblick nicht, wo man außerschulisch ein A-13-Nettogehalt verdienen kann.

Behalte deinen Optimismus, der sich wohl aus deiner positiven Berufssituation speist. Ich empfehle jedenfalls jedem Abbrecher, sofort ein neues Studium aufzunehmen, wenn das Einkommen zukünftig akademisch bleiben soll.
Man kann auch ohne Alkohol Spaß beim Feiern haben. Aber ich gehe auf Nummer sicher.

Fränzy
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von Fränzy »

Also ich kenne Lehrer, weil ich erstens Studium und Ref für das Lehramt hinter mir habe. Als Aussteiger kenne ich naturgemäß noch eine Reihe weiterer Aussteiger. Und da ich an einer Schule tätig bin, kenne ich noch meine Kollegen und einen guten Teil derer, die an den BBS und HS im Umfeld tätig sind.

Ausbildungsleiter leiten und steuern den Ablauf der Ausbildungen, das Auswahlverfahren und greifen bei Problemen regulierend ein. Zudem sind sie in den letzten Jahren auch vermehrt auf Info-, Werbeveranstaltungen und betreiben Akquise. Nur sehr große Firmen haben Ausbildungsleiter. Hier im Landkreis sind es z.B. Hersteller von Waschbecken, Armaturen und Stahlerzeugnissen. http://www.adalbert-ruschel.de/download ... bilder.pdf
Auf S.41 ist ein Schaubild.

Übrigens, ich bin auch kein Akademikerkind und habe es trotzdem geschafft mir in meiner Stadt ein Netzwerk aufzubauen, u.a. wurde ich in den Kinder- und Jugendhilfeausschuss berufen als sachkundiger Bürger, mit grad mal 23 Jahren. Das hat enorm geholfen (nicht nur bei der Stellensuche). Da ich OB und Bürgermeister kenne, hätte ich wohl Chancen auf Stellen, wie Du sie suchst. Jedenfalls haben 3 junge Leute, die damals mit mir bei der Stadt waren zwischenzeitlich Stellen da. Studiert haben sie Geisteswissenschaften (u.a. Arabisch, also nichts auf den ersten Blick verwertbares ;) )

Ich bin übrigens von Natur aus Optimist und lösungsorientiert.

Was ist denn ein akademischen Einkommen? Meine Schwester (Anwältin) verdient nicht besonders gut, jedenfalls deutlich weniger als ein Lehrer. Sie hat ein Prädikatsexamen und gehört in ihrem Bundesland zu den 15% der Besten. Auch Tierärzte leben auf kleinem Fuß. Ich bin mit meinem Gehalt (um die 2800 durchaus zufrieden, obwohl ich als Lehrerin mehr hätte und meine Schule durchaus Interesse daran hat mich als Lehrerin zu bekommen. Ist das nun ein akademisches Einkommen?). Ich meine, das Gehalt ist sekundär. Man muss davon leben können, aber nicht unbedingt reich werden. Ein weiteres Studium kann auch falsch sein, wer nimmt denn gerne jemanden der mit sagen wir Mitte 30 noch Berufsanfänger ist. Wenn Studium, dann nebenbei oder besser das Studium neben bei und im angestrebten Beruf arbeiten. Ich habs so gemacht. Ist auch noch ne Kostenfrage, ganz klar. Und nicht in jedem Bereich ist ein weiteres Studium notwendig.
שָׁלוֹם

User65
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von User65 »

Fränzy hat geschrieben:Was ist denn ein akademischen Einkommen?
Das durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelt von Personen mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss betrug im November 2010 4.530 EUR.

Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de/Stat ... tistik.pdf (Seite 19f)

Mehr als diesen Mittelwert strebe ich auch gar nicht an, und ab diesem Mittelwert gilt auch für mich deine Einsicht:
Man muss davon leben können, aber nicht unbedingt reich werden.

Fränzy hat geschrieben:geschafft mir in meiner Stadt ein Netzwerk aufzubauen, u.a. wurde ich in den Kinder- und Jugendhilfeausschuss berufen als sachkundiger Bürger, mit grad mal 23 Jahren. Das hat enorm geholfen (nicht nur bei der Stellensuche). Da ich OB und Bürgermeister kenne, hätte ich wohl Chancen auf Stellen, wie Du sie suchst.
Klar, so ein kommunalpolitisches Beziehungsgeflecht kann schon sehr helfen und einkommensfördernd sein. Als Stadtrat kenne ich das. Allerdings rollt bei mir der Bürgermeister eher mit den Augen, wenn er mich sieht. Ich bin wohl in der falschen Partei. :lol:
Fränzy hat geschrieben:Ein weiteres Studium kann auch falsch sein, wer nimmt denn gerne jemanden der mit sagen wir Mitte 30 noch Berufsanfänger ist.
Da kann etwas dran sein. Allerdings hatte ich auch ein Jurastudium im Auge, und dann kann man sich nach dem II. Staatsexamen niederlassen. Die Erlaubnis dazu wird unabhängig vom Alter erteilt.
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Fränzy
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von Fränzy »

4500 Euro halte ich fast schon ein wenig für zu hoch gegriffen. Das ist garantiert bei Durchschnittsverdienst von Berufsanfängern nucht der Fall, wie es die meisten hier sind. Auch ich verdiene lange nicht so viel und habe Berufserfahrung. Auch als Lehrerin hätte ich dieses Gehalt nicht. Ich meine, diese Zahl weckt Erwartungen die nicht realistisch sind.

Im päd. Bereich liegen die Gehälter derzeit zwisch 1800 und 3000 brutto. Das hängt von Berufserfahrung, Arbeitsbereich und Träger ab. In der Suchthilfe und im KSD sind die Gehälter in der Regel eher am oberen Limit, bei den Wohlfahrtsverbänden oder privaten Trägern, Projekten eher am unteren Ende.

Ein Feld-, Wald- und Wiesenanwalt in Anstellung oder in Selbstständigkeit hat auch dieses Gehalt nicht, zumindestens nicht zu Beginn. In Selbstständigkeit sind Gehälter in Anbetracht der Sozialversicherungskosten sowieso anders zu bewerten.

Ich wurde in meiner Zeit im KJH Ausschuss nie nach meiner Parteizugehörigkeit gefragt, ich glaube das spielte auch bei meinen Bekannten keine Rolle. Im Stadtrat war da halt auch keiner :)
שָׁלוֹם

Bluebell
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Re: Was macht ihr nach Abbruch des Refs?

Beitrag von Bluebell »

Hallo Fränzi, eine Frage zu Deiner Bekannten:
Lehrerin - Verwaltungsfachangestellte an einer Hochschule
Hat sie für diesen Job eine zusätzliche Ausbildung machen müssen oder hat sie direkt einsteigen können?
Das durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelt von Personen mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss betrug im November 2010 4.530 EUR.
:shock:
Na, wenn Du meinst, dass das der Normalzustand mit irgendeinem akademischen Abschluss sei, dann ist die Frustration ja vorprogrammiert.

Ich habe im Bekanntenkreis eine ganze Reihe Akademiker. Die, die vermutlich in diesem Gehaltsbereich sind, sind nun mal alle Ingenieure oder zumindest Informatiker mit BWL-Kenntnissen und einem Gespür für Karriere. Oder Ärzte oder Apotheker.

Daneben habe ich eine ganze Reihe Geisteswissenschaftler aber auch Leute mit BWL oder Informatiker, die alle weniger als ich verdienen, teilweise deutlich weniger.

Im Moment arbeite ich nur 84% und ich wäre - für den Fall dass ich doch noch hinschmeiße - persönlich sehr zufrieden, wenn ich auf das gleiche Nettogehalt käme (also derzeit nach Abzug der Krankenkasse etwa 2.200 Euro netto). Ich erwarte es aber eigentlich nicht.

Ich stimme Dir aber zu: Ich rate jedem, der sich überlegt zu studieren, eindringlich davon ab nach der Devise "studier mal was Dir gefällt, irgendwas bekommst Du dann immer, man lernt ja so tolle Softskills durch das Studium" (was man zu meiner Zeit ständig gehört hat) zu gehen. Es stimmt einfach nicht. Man sollte sich erstmal überlegen, ob man irgendwann ein geregeltes Leben haben will, wie die Chancen sind und ob es dann irgendwelche Alternativen gibt. Und dann einen Kompromiss aus Studienangebot und eigenen Fähigkeiten finden.


Allerdings:
Doch, als Lehrer verdient man tatsächlich so viel. Zumindest wenn ich die 4500 Euro in diesen Brutto-vom-Netto-Rechner eingebe:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/servic ... 23811.html

kommen knapp 2560 netto raus (eben wegen den Abzügen ohne Beamten-Vorteil). Würde ich es schaffen 100% zu arbeiten, hätte ich ein höheres Nettogehalt.
BaWü, E / GGk an Beruflicher Schule, 2. Jahr

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