Keine Wertschätzung während des Refs

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Theresa89 » 14.02.2019, 20:02:51

Hallo liebe Refis,

ich muss unbedingt etwas loswerden und hoffe, dass sich vielleicht der ein oder andere von euch in der Situation wiederfindet und vielleicht Ähnliches durchlebt hat…
Ich habe vor kurzem mein Referendariat (Niedersachsen) an einem Gymnasium beendet und fühle mich einfach nur schrecklich…Es geht weniger um die Endnote (sie ist in einem guten Bereich), sondern um die Wertschätzung und Dankbarkeit, die einem am Ende (nicht) entgegengebracht wird.

Ich liebe es wirklich sehr mit Schüler/innen zu arbeiten und habe mir während des Refs sehr viel Mühe gemacht. Neben einer gemeinsamen AG, Klassenfahrten, Aufsichten, Betreuung von Inklusionskindern etc. habe ich natürlich auch sehr viel Arbeit in den Ausbildungsunterricht und die Lehrproben gesteckt und zuletzt in die Vorbereitungen des zweiten Staatsexamens. Die Schulleitung hat die außerschulischen Aktivitäten stark eingefordert und ich habe all diese Dinge auch wirklich aus Herzblut gemacht- doch letztendlich ist man auch als Refi nur ein Mensch, der sich ab zu und einfach ein kleines Danke wünscht und dies ist bis zum letzten Tag nicht geschehen. Unsere Gutachten wurden sehr formell übergeben mit der Anmerkung, dass man nicht zu viel Zeit verstreichen lassen sollte, sich an einer anderen Schule zu bewerben.

Bzgl. der UPP habe ich mir wirklich wochenlang Gedanken gemacht und der Tag ist natürlich für jeden Refi ein wirklich einschneidendes Erlebnis. Doch leider gab es schon bei Ankunft der Kommission interne Spannungen und man merkte, dass sie sich so schnell wie möglich aus dem Weg gehen wollten- Entsprechend verlief dann auch die Notenvergabe und die Verabschiedung. Es kam kein abschließendes Lob oder eine Aufmunterung für den weiteren Werdegang, der wirklich von Herzen kam.

Ich hoffe, dies alles klingt nicht zu „sensibel“, aber durch die Seminare weiß ich natürlich, dass andere Schulen dies nicht so handhaben und teilweise für eine Hausaufgabenbetreuung eine 1,0 im Schulleitergutachten mit sehrrrr viel Lob vergeben. Nach diesen ganzen Vorkommnissen fühle ich mich einfach nur wahnsinnig ausgenutzt und ausgebrannt. Ich weiß, dass das Ref nun vorbei ist und man nach vorne schauen sollte. Aber im Moment habe ich durch diese psychische Tortur einfach nur ein Gefühl der „Wertlosigkeit“. Es geht schon so weit, dass ich denke, dass ich vielleicht nicht in die Schule gehöre…

Kennt ihr solche Situationen im Ref? Ihr powert wirklich bis ins Unermessliche und habt das Gefühl, dass es null anerkannt wird?
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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon kecks » 15.02.2019, 0:14:16

die anerkennung sind die noten. alles weitere sind letztlich emotionale befindlichkeiten, die zwar menschlich sind, aber deren befriedigung nicht ernsthaft von leuten einfordern kannst, mit denen du lediglich in einem professionellen kontext zu tun hast, genauso wenig wie sie das von dir ernsthaft erwarten können. es ists schön, wenn es mal menschlich passt, und mehr kommt, aber das ist mal so und mal nicht.

was genau hättest du dir denn gewünscht? gab es keine abschlusskonferenz, wo man euch wenigstens als gruppe verabschiedete? (mehr tun wir auch nicht, geht auch gar nicht anders, bei knapp dreißig refis.)
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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Löwenherz » 15.02.2019, 17:34:55

Wenn du all diese Dinge wie du schreibst mit Herzblut und nicht nur aus einer dienstlichen Verpflichtung heraus bzw.für ein gutes Schulleitergutachten gemacht hast, dann ist die wahre Belohnung doch die Rückmeldung deiner SuS.

Ich freue mich, wenn meine SuS mich ehrlich anlächeln am Ende der Stunde und mir ein schönes WE wünschen, wenn ein Schüler, der wochenlang weder bei mir noch den Kollegen mitgearbeitet hat nach einem persönlichen Gespräch endlich wieder einmal die Hand hebt und sich am Unterricht beteiligt oder wenn eine zu Schuljahresbeginn noch völlig ungebändigte Klasse ohne jeden Arbeitseifer begeistert, das eben gerlernte fremdsprachige Lied singend aus dem Unterricht hüpft und sich freut, dass wir in der Folgewoche daran weiterarbeiten werden. DAS sind die Erfolgserlebnisse die zählen und die auch bleiben, deshalb ist mir das der schönste Dank und die wahre Anerkennung.
Die Noten im Schulleitergutachten sind wichtig für den Abschluss, insofern ist es schön, wenn über eine gute Note zum Ausdruck kommt was ich leiste (im Unterricht und außerhalb für die Schulgemeinschaft). Nach dem Abschluss und der Einstellung kräht kein Hahn mehr nach den Noten (mal von der Möglichkeit einer verkürzten Probezeit abgesehen), die Befriedigung durch die Arbeit selbst bleibt mir aber erhalten.

Das Ref ist echt anstrengend und die vielen Beurteilungen machen die meisten dünnhäutiger. Dennoch ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass der eigene Selbstwert nicht von den Bewertungen oder der Anerkennung anderer abhängt. Wenn ich an meinen Kurs denke, dann fühlen sich da viele so kurz vor dem Lehrprobenzeitraum ausgebrannt und erschöpft. Nimm dir Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen- physisch wie auch psychisch und erkenn selbst an, was du gerade geleistet hast. Meinen Schülern sage ich wenn sie sich bei mir für gute Noten oder wertschätzende Rückmeldungen bedanken immer, dass sie einmal die Hand heben, sich selbst auf die Schulter klopfen und bei sich bedanken sollen. Die grinsen zwar meistens, machen dann aber mit und ich kann an ihrem Gesicht sehen, dass das etwas mit ihnen macht sich selbst und die eigene Leistung anzuerkennen. Also einmal Hand heben, auf deine eigene Schulter klopfen und laut sagen "Danke Theresa, gut gemacht." Ist besonders wirksam übrigens vor einem Spiegel mit Blick in die eigenen Augen, um dabei mit dir selbst in Beziehung zu treten.
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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Max_Cohen » 15.02.2019, 20:49:36

Ich möchte darauf hinweisen, dass die wissenschaftliche Psychologie kein Hirngespinst ist, sondern verlässliche Aussagen über menschliches Erleben und Verhalten im Allgemeinen macht.
Kriterienorientiertes, wertschätzendes Feedback ist nicht auf Schüler beschränkt, sondern entfaltet seine Wirkung genauso beim Personal. Das ist Bestandteil einer professionellen Personalführung und hat nichts mit emotionalen Befindlichkeiten oder Dünnhäutigkeit zu tun.
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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Löwenherz » 16.02.2019, 9:41:59

Jup, aber unsere Schulleiter können wir uns halt alle nicht backen und müssen dennoch Wege finden damit umzugehen wie sie sind. Sich etwas freier zu schwimmen von der Anerkennung anderer kann da hilfreich sein und ist, finde ich jedenfalls, gerade am Ende des Refs auch ein Stück weit gesund, da man 18 Monate lang konstant darauf getrimmt war von außen beurteilt zu werden. Das muss man erstmal wieder abstreifen bzw.auf ein gesundes Maß für den Alltag nach dem Ref zurückstutzen. Die "Dünnhäutigkeit" bezog sich bei mir auf den Zustand am Ende des Refs ganz unabhängig von Fragen der Personalführung, die in diesem Zustand aber eben besonders sensibilisierte Menschen betrifft.
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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Maximer » 19.02.2019, 17:05:08

Theresa89 hat geschrieben:Hallo liebe Refis,

ich muss unbedingt etwas loswerden und hoffe, dass sich vielleicht der ein oder andere von euch in der Situation wiederfindet und vielleicht Ähnliches durchlebt hat…

Kennt ihr solche Situationen im Ref? Ihr powert wirklich bis ins Unermessliche und habt das Gefühl, dass es null anerkannt wird?


Klar kennt jeder Referendar das, was du schilderst in der ein oder andern Form. Eine Freundin von mir hat sich an ihrer Schule den Hintern aufgerissen und als Dank hat sie der Schulleiter wegen Kleinigkeiten im UB in die Verlängerung geschickt. Ihre ganze Ausbildung ist jetzt verhunzt und sie selbst war danach wochenlang wegen Depressionen krank geschrieben. Der Schulleiter ist für solche Aktionen bekannt, trotzdem interessiert das keinen und man lässt es Jahr um Jahr geschehen.

Sicher sind das blöde Ausnahmen. Die Regel zum Glück sieht nicht so aus, normalerweise haben auch autoritäre Schulleiter kein Herz aus Stein und werden es wertschätzen, wenn du dich engagierst in der Schule. Bei mir ist das jedenfalls so. Aber auch ich vermisse die Anerkennung für meine Arbeit. Da kommt sehr selten mal was, mehr so als subtile Anmerkung oder eben beiläufig.

Wir sind eben in der Ausbildung und müssen es schon als Lob ansehen, wenn keine oder wenig Kritik erfolgt. Außerdem bekommen fertige Kollegen auch kein großartiges Lob, jeder macht seinen Job und du bekommst ordentliches Geld für das, was du tust. Die besondere Anerkennung würde ich mir eher im Privaten suchen - engagiere dich in einem Verein ehrenamtlich, da steigt die Chance, dass deine Arbeit besondere Anerkennung findet. Keine Garantie.

Warte nicht auf Lob, dann vermisst du es auch nicht. Its just a Job. ;-)

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Re: Keine Wertschätzung während des Refs

Beitragvon Löwenherz » 20.02.2019, 14:19:12

Na ja, "die ganze Ausbildung" ist ja nicht "verhunzt" wegen einer Verlängerung. Es gibt immer wieder Kandidaten, denen einen Verlängerung wirklich gut tut, die diese für sich nutzen und mit Bestnoten abschließen (hat mir zu Beginn meines Refs ein SL erzählt, der immer wieder Leute in der Verlängerung zugewiesen bekommt). An denen bleibt- Verlängerung hin oder her- kein Makel hängen, entscheidend ist, was sie daraus gemacht haben.
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