"Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

"Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon Schnatterinchen1989 » 03.06.2018, 11:46:54

Hallo liebe Referendare und andere,

so, das Referendariat ist fertig, ihr habt eine relativ "gute" Fächerkombination, aber an Planstellen mangelt es derzeit? Als Angesteller z.B. in Bayern zum Hungernettolohn arbeiten? (Meine Betreuungslehrerin erzählte mir, sie käme bei vollem Deputat auf 1800 Euro netto). Oder aber ihr wollt es mal so _richtig_ wissen? Dann ladet Eure Unterlagen bei der ZfA hoch, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Mit Mathe im Portfolio (oder Deutsch oder oder oder...) ist die Chance recht groß, dass sich Auslandssschulen bei Euch melden.

Das Auswahlverfahren für Bundesprogrammlehrkräfte in Bonn ist auch in Ordnung. Ich war dort, es war nicht sehr schwer und das "Auswahlgespräch" war bei mir echt ein Klacks. Einige wurden gegrillt, bei mir wurde gefragt "Erzählen Sie doch mal, wo es Ihnen im Ausland am besten gefallen hat" und dann halt, falls ihr eh viel herumgereist seid, mal ne schöne Anekdote einfliesen lassen.

Und dann kamen schon die Anfragen und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Sind Eure Noten nicht gerade top, müsst ihr ein paar Abstriche machen. Manche Schulen reagieren gar nicht, andere laden Euch zwar zu Gesprächen ein, aber ihr müsst Euch gegen zich andere Bewerber durchsetzen.

Dann gibt es noch die "anderen "Schulen, das sind die Schulen an eher unattraktiven Standorten. Die sind teilweise froh, über jeden, der kommt. So bin ich auch hier in Kairo gelandet. Das Auswahlgespräch mit dem Schulleiter bestand aus einem: "Wollen Sie nach Kairo? Wann können Sie anfangen?" Das war es dann auch.

Leider war der Gehaltsvorschlag dann doch nicht so attraktiv, denn es kam dann eine Mail vom Schulleiter, dass die ZfA nicht mitspielen würde und ich nur einen Ortsvertrag bekommen könnte statt einen Bundesprogrammvertrag. (Als BPLK, Bundesprogrammlehrkraft, seid ihr von D aus angestellt, bekommt evtl. von der Schule eine Zusatzprämie und am wichtigsten: Der Staat ist euer Arbeitgeber und zahlt AG-Anteile bei Renten- und Sozialversicherungen) Als Ortslehrkraft, zumindest hier in Kairo, muss man sich freiwillig rentenversichern und bekommt auch noch einen Teil seines Gehalts (mind. 50%) in einheimischer Währung. Die aufzubrauchen ist schwierig und das Tauschen in Devisen nur sehr eingeschränkt möglich, es sei denn über Kontakte...

Mein Tipp: Wenn ihr nicht unbedingt eine Schule/eine Stadt/ ein Land haben wollt, dann pokert. Macht euch ein Schulleiter ein Angebot und verschlechtert es dann, sagt ruhig höflich ab, andere Schulen stellen euch meist zu besseren Bedingungen an. (Meinstens) lieber BPLK als OLK. Auch als BPLK könnt ihr verlängern, seid aber dann weiter in dem System drin. Bei mir beträgt der Unterschied über 1000 Euro/netto/Monat und ich bin nach örtlichem Arbeitsrecht eingestellt.

Manchmal beiße ich mir noch in den Hintern, nicht abgesagt zu haben, denn es gab dann doch noch zwei attraktivere Angebote an schöneren Orten. Aber ich werde die Zeit hier in Kairo garantiert nicht bereuen. Man lernt wahnsinnig viel über Schule, fremde Ländern und sich selbst.

Also jedem, der sich das zutraut, sei ein bisschen Auslandsdienst ans Herz gelegt. (Oder ihr geht als ADLK, wenn ihr verbeamtet seid, einige werden hier wirklich mit Geld überschüttet...5000 Euro netto sind schon drin)

Liebe Grüße,
Schnatterinchen
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon tiger » 03.06.2018, 16:19:44

Schnatterinchen1989 hat geschrieben:Als Angesteller z.B. in Bayern zum Hungernettolohn arbeiten? (Meine Betreuungslehrerin erzählte mir, sie käme bei vollem Deputat auf 1800 Euro netto).


Diese Aussage ist eine absolute Frechheit. Wer 1800 Euro netto verdient, der hat mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen. Wenn man die Transferleistungsempfänger berücksichtigt, gehört man mit 1800 Euro netto sogar zum oberen Einkommensdrittel. Das als Hungerlohn zu bezeichnen, verschlägt mir die Sprache.
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon Stark » 03.06.2018, 16:29:08

tiger hat geschrieben:
Diese Aussage ist eine absolute Frechheit. Wer 1800 Euro netto verdient, der hat mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen. Wenn man die Transferleistungsempfänger berücksichtigt, gehört man mit 1800 Euro netto sogar zum oberen Einkommensdrittel. Das als Hungerlohn zu bezeichnen, verschlägt mir die Sprache.


Ist halt alles eine Frage der Perspektive. Wenn andere mit der gleichen Qualifikation und der gleichen Arbeitsleistung bis zu €1000 netto mehr verdienen, dann können €1800 schon wie ein Hungerlohn wirken.
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon Schnatterinchen1989 » 03.06.2018, 16:40:28

tiger hat geschrieben:Diese Aussage ist eine absolute Frechheit. Wer 1800 Euro netto verdient, der hat mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen. Wenn man die Transferleistungsempfänger berücksichtigt, gehört man mit 1800 Euro netto sogar zum oberen Einkommensdrittel. Das als Hungerlohn zu bezeichnen, verschlägt mir die Sprache.


Nein, ist sie nicht. Schau Dir an, was die Beamten bekommen. Und ja, man verdient mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen Aber wie viele dieser Hälfte haben Abitur, ein abgeschlossenes Hochschulstudium und das Referendariat abgelegt, also zwei Staatsexamina? Ich finde es nur recht und billig, wenn solch eine Qualifikation eben auch angemessen bezahlt wird.
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon SwinginPhone » 03.06.2018, 16:43:22

Es ist aber doch ein Unterschied, ob Du schreibst, dass Du nicht einsiehst, 1000€ weniger als andere mit gleicher Qualifikation zu verdienen, oder ob Du einen Nettoverdienst von 1800€ als Hungerlohn bezeichnest. Letzteres ist eine Frechheit!
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon Jméno » 03.06.2018, 17:17:28

Schnatterinchen1989 hat geschrieben:Oder ihr geht als ADLK, wenn ihr verbeamtet seid, einige werden hier wirklich mit Geld überschüttet...5000 Euro netto sind schon drin.


Ja, Auslandsdienstlehrkräfte werden von der ZfA gut bezahlt. Man sollte aber fairerweise hinzufügen, dass a) die meisten ADLK-Stellen Funktionsstellen sind, z.B. Fachberater oder Fachschaftsberater, und b) die ZfA gerade ihre ADLK-Stellen äußerst kritisch vergibt. Wer da glaubt, man könne mal fröhlich anklopfen und unter der Sonne gleichzeitig braun und reich werden, der wird sich nach der finalen Absage schon umgucken. Der häufiger gewählte (Erst-)Weg ins Ausland ist für bereits verbeamtete Lehrkräfte dann auch die Bewerbung als Landesprogrammlehrkraft. Wer sich da bewährt und in der Zentralstelle einen guten Ruf hat, hat dann später bei den »500 Euro netto sind schon drin«-Stellen auch bessere Chancen.
…он је метафора, начин живота, угао гледања на ствари!
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Re: "Verwendung" nach dem Ref (Ausland)

Beitragvon Stark » 03.06.2018, 18:43:17

Jméno hat geschrieben:Ja, Auslandsdienstlehrkräfte werden von der ZfA gut bezahlt. Man sollte aber fairerweise hinzufügen, dass a) die meisten ADLK-Stellen Funktionsstellen sind, z.B. Fachberater oder Fachschaftsberater, und b) die ZfA gerade ihre ADLK-Stellen äußerst kritisch vergibt. Wer da glaubt, man könne mal fröhlich anklopfen und unter der Sonne gleichzeitig braun und reich werden, der wird sich nach der finalen Absage schon umgucken.


Volle Zustimmung. Viele Kollegen stellen sich das etwas zu einfach vor. Generell gibt es bezüglich des Auslandsschuldienstes sehr viel Halbwissen, das teilweise fast an Mythenbildung grenzt.

Der häufiger gewählte (Erst-)Weg ins Ausland ist für bereits verbeamtete Lehrkräfte dann auch die Bewerbung als Landesprogrammlehrkraft. Wer sich da bewährt und in der Zentralstelle einen guten Ruf hat, hat dann später bei den »500 Euro netto sind schon drin«-Stellen auch bessere Chancen.


Wobei man dazu sagen muss, dass es die LPLK-Stellen im Regelfall in Osteuropa gibt und dort nicht an den klassischen DSen, sondern an einheimischen Schulen, die im Zweifelsfall in der Provinz liegen können. Das kann auch sehr spannend sein, ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache. Dafür kommt man als LPLK auch nach einem Jahr schon aus seinem Vertrag raus, meine ich.

@Jmeno: Falls ich damit falsch liege, korrigiere mich bitte. Ich will ja nicht zur Mythenbildung beitragen.
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