Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Du hast positive Erfahrungen mit dem Referendariat? Du hast es endlich geschafft und weißt nun, dass sich das Durchhalten gelohnt hat? Erzähl davon!

Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon silberfische » 23.06.2012, 9:57:06

welche fächer hattest du denn? hattest du vorerfahrungen im bereich unternehmensberatung? hast du was mit wirtschaft studiert oder in diesem bereich eine ausbildung gemacht. kommst du vielleicht aus einer unternehmerfamilie, was dir den einstieg erleichtert hat. musst du du noch eine fortbildung zum unternehmensberater absolvieren?
was machst du genau in deinem neuen beruf?
ich überlege auch nach dem ref etwas anderes zu machen. denke aber immer, dass mein deutsch und geographie examen wertlos ist. wenn ich auf stepstone schaue, passe ich mit meiner mageren lehrerausbildung nirgens rein... höchstens auf der seite der arbeitsagentur finde ich mögliche jobs als callcenter-mitarbeiter. ich möchte nicht weiter im bereich der erziehung tätig sein...
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon maxus » 24.06.2012, 13:54:46

Nachdem ich diesen Diskussionsfaden mit Interesse gelesen habe möchte ich noch ein paar Sachen aus meiner Erfahrung ergänzen.

Ich kam in Bayern über die Sondermaßnahme „Quereinstieg in das Lehramt an Gymnasien“ mit abgeschlossenem Diplomstudium ins Lehramt. Nach insgesamt fünf Jahren im Schuldienst konnte ich mich zum Glück umorientieren. Auf Dauer hätte es mir an der Schule keinen Spaß mehr gemacht, d. h. das hat es auch nur selten. Es fing schon damit an, dass man sowohl direkt als auch indirekt als Quereinsteiger bei manchen Kollegen und Schulleitungen als Lehrer zweiter Klasse angesehen wurde. Häufig sickerte durch, so eine „Nestbeschmutzer“ will man nicht in seinen Kreisen haben, der fachlich evtl. mehr kann als ein „richtiger“ Lehrer (der von Anfang an sein Fach „nur“ auf Lehramt studiert hat), der pädagogisch eine Niete ist.

Zum Anteil der pädagogischen Ausbildung ist nach meiner Erfahrung festzustellen, dass auch im Lehramtsstudium die pädagogische Ausbildung zu niedrig ist. Hier sind Veränderungen zwingend erforderlich.

Die didaktische Reduktion, die hier schon wesentlich treffender als „didaktische Primitivierung“ bezeichnet wird, führt doch immer mehr dazu, dass den Schülern Parallelfächer präsentiert werden, bei denen dann oft der wesentliche Kern und die Einordnung in den Zusammenhang des Faches nicht vermittelt wird. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, solche Parallelfächer zu unterrichten. Wie mir Leute von der Universität berichtet haben, fällt den Studenten in den ersten Semestern der Einstieg ins Studium immer schwerer, weil dort dann das normale Fach gelehrt wird, die Studenten aus der Schule aber noch im Parallelfach leben. Bei meinem Wechsel von der Schule an die Uni sagte ein Fachkollege zu mir, dass ich in der glücklichen Lage sei, wieder einmal richtige Physik machen zu können.

Ein weiterer entscheidender Grund für den Ausstieg an der Schule war, dass ich letzten drei Jahre an einer verpflichtenden Ganztagesschule unterrichtete. Man hatte zwar auch nur 24 Stunden pro Woche Unterricht, aber an vier Tagen in der Woche über den ganzen Tag von 08.00 bis 16.00 Uhr verteilt. Man hatte natürlich mehr Freistunden, aber man kommt da nicht in Ruhe zu den notwendigen Schreibtischarbeiten wie Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung. Diese verschoben sich auf den Abend, die Nacht und die Wochenenden und Ferien, so dass die Freizeit sehr gering ausfiel. Man konnte noch nicht durchsetzen, dass es für Lehrkräfte „Früh- und Spätschichten“ gibt. Von Partnerschulen im Ausland, die schon längere Ganztagestradition haben, ist bekannt, dass so ein Schichtmodell zur Entlastung der Lehrkräfte möglich ist.
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon Yamal » 26.06.2012, 1:24:32

silberfische hat geschrieben:welche fächer hattest du denn? hattest du vorerfahrungen im bereich unternehmensberatung? hast du was mit wirtschaft studiert oder in diesem bereich eine ausbildung gemacht. kommst du vielleicht aus einer unternehmerfamilie, was dir den einstieg erleichtert hat. musst du du noch eine fortbildung zum unternehmensberater absolvieren?
was machst du genau in deinem neuen beruf?
ich überlege auch nach dem ref etwas anderes zu machen. denke aber immer, dass mein deutsch und geographie examen wertlos ist. wenn ich auf stepstone schaue, passe ich mit meiner mageren lehrerausbildung nirgens rein... höchstens auf der seite der arbeitsagentur finde ich mögliche jobs als callcenter-mitarbeiter. ich möchte nicht weiter im bereich der erziehung tätig sein...



Ich habe eine Banklehre absolviert. Und nein, ich hab den Job ohne Vitamin B bekommen und mich einfach beworben. Nicht jeder Personaler will ein "Standard-Profil", manchmal sind auch Quereinsteiger gefragt. Einfach mal bewerben.
Als Unternehmensberater berate ich wie gesagt Firmen bei unterschiedlichen Projekten. Google mal "Junior Consultant", da steht einiges drin. Ist bei jeder Firma recht individuell.
Du musst aber sehr selbstbewusst auftreten und wenn du schon von dir selbst meinst, "nur" Callcenter-Mitarbeiter werden zu können mit deinem Hochschulstudium- dann gute Nacht.
Da wirst du es in der Wirtschaft schwierig haben. Aber wieder mal ein gutes Beispiel, wie klein man im Ref gemacht wird und dass einem immer wieder eingeredet wird, man sei als LA nichts wert.
Geht in die Welt da draußen und macht eure eigenen Erfahrungen! Und lasst euch nicht vom Seminar was anderes erzählen. Es gibt Möglichkeiten!

Wieso willst du was anderes machen?
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon luztgv34 » 26.06.2012, 9:26:09

Yamal, auch wenn ich mich für dich freue - der Standardlehramtsstudent, der ganz normal Abi gemacht und dann Studium rangehangen hat, hat diese Möglichkeiten wie du nicht. Der kann außer seinem Lehramtsstudium nichts vorweisen, womit er sich bewerben könnte.
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon Yamal » 26.06.2012, 10:45:07

Ja und da genau liegt der Fehler im System!

Hätte ich keine Banklehre- ich wäre ein Fall für H4. Die Prüfer hätten mir mein komplettes Leben versaut. Das ist unverantwortlich! Ein Studium sollte so ausgelegt sein, dass man immer noch etwas anderes damit machen kann, es darf nicht nur auf einen Beruf zugeschnitten sein.

Dennoch stört mich dieses "vorweisen". Man kann als Ex-Reffi oder Lehrer auch andere Qualitäten anbieten, die nicht im Lebenslauf stehen, aber während des Refs eingeübt wurden und für Unternehmen von großem Nutzen sein können!

Umgang mit Menschen, freies Sprechen vor vielen Leuten, Präsentations- und Organisationsfähigkeiten sind nur einige Beispiele...

Muss ja nicht für alles ein Zeugnis geben.
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon luztgv34 » 26.06.2012, 11:03:36

^^ Da stimme ich dir zu. Mir war nur nicht ganz klar, ob du dir dessen bewusst bist, deshalb der Eintrag.
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Re: Ich habe abgebrochen .... und lebe immer noch!

Beitragvon neu2008 » 04.07.2012, 23:51:16

Ein Studium sollte so ausgelegt sein, dass man immer noch etwas anderes damit machen kann, es darf nicht nur auf einen Beruf zugeschnitten sein.




Das ist ja das Problem am Lehramtsstudium. Das absolute Sackgassen-Studium für den Teil der Referendare die abbrechen, oder endgültig nicht bestehen. Auch ökonomisch die reinste Verschwendung. Das 1. Staatsex. sollte insgesamt eine größere Anerkennung in der freien Wirtschaft besitzen und die Diskussion, ob ein dritter Versuch in der Staatsprüfung für bestimmte Fälle einen Sinn macht, sollte wertneutral geführt werden. Das Ref. kann die Hölle sein und Chancen verbauen.
Die Entfaltung der maximalen Leistungsfähigkeit ist in einem Klima der dauernden Beobachtung und "Überwachung" nicht immer möglich. Ausbildung als angstfreier Raum und Respekt vor den Auszubildenden ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg im Ref. Dies kann auch Prüfungsleistungen beeinflussen.
@ Yamal Suche die "Schuld" für Dein Durchfallen nicht mehr bei der Prüfungskommission. Menschlich verständlich und zu 100% nachvollziehbar. Aber es lähmt Dich, blockiert Dich. Der menschlich absolut nachvollziehbare Rückzug in die Opfer-Rolle blockiert Deine Zukunft. Viel Glück im neuen Job !
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