Dumme Fehler und Panik

Diskussion zu pädagogischen Themen aller Art

Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon Hubselzwerg » 12.10.2014, 17:25:23

hej, das klingt doch gut
Dieser Beitrag wurde 666 mal editiert, zum letzten Mal von Gott: Morgen, 23:06
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon Drops » 12.10.2014, 18:11:53

Sehr gut! Es freut mich, das zu lesen!
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon krabappel » 13.10.2014, 21:21:58

: - )
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon reffi25 » 26.05.2015, 9:43:27

Und wieder ein kurzes Update von mir, ein Jahr nach den Vorfällen.

Dieses Jahr konnte mich meine Schule wieder nicht übernehmen. So wie auch alle anderen befristet Angestellten und die gesamte Referendarschaft. An meiner Schulform werden massiv Stellen gekürzt. Ich habe dennoch ein ganz anderes Gefühl dabei als letztes Jahr. Dieses Mal habe ich sehr früh ein Gespräch mit meinem Schulleiter geführt und kam aus dieser passiven Haltung heraus. Mir ist auch klar, dass die Nichtverlängerung meines Vertrages nicht mit mir als Person zu tun hat. Denn ich habe den Schulleiter offen gefragt: Wenn Sie eine Stelle hätten, würden Sie mich übernehmen? Und er antwortete mit Ja. Niemals hätte ich mich das letztes Jahr getraut!

Ich habe mich auch sehr weiträumig und rechtzeitig beworben. Mir lagen nun drei Angebote vor, unter denen ich mich entscheiden konnte. Das gab mir ein sehr gutes Gefühl. Auch merkte ich, dass meine Bindung zu den Schülern durch die neue Freiheit, die ich empfinde, viel besser geworden ist. Ich war dieses Jahr auch Klassenleiterin, was sich nicht immer einfach gestaltete. Krasse Eltern, durchaus schwierige Schüler, zum Teil auch Probleme wie Drogenabhängigkeit und Mobbing...

Irgendwie bin ich aber aus allem gestärkt hervorgegangen, denn ich stellte mich diesen Baustellen und arbeitete sie nach und nach ab. Dafür setze ich meine Energie gerne ein. Ich habe auch viel mit unserer Schulsozialarbeiterin zusammengearbeitet. Das war für mich total hilfreich, auch wenn es anfangs Überwindung kostete, sich darauf einzulassen.

Von meiner ehemaligen Schule habe ich inzwischen ein Arbeitszeugnis erhalten (ein Dreivierteljahr nachdem ich es beantragt hatte). Darin werden manche Punkte als negativ angemahnt, die ich so nicht bestätigen kann. Meine Unsicherheit scheint leider genau die Wirkung gehabt zu haben, die ich unbedingt vermeiden wollte.
So erhalte ich die Note "3" für die Strukturierung meines Unterrichts und das planvolle, organisierte Vorgehen im Unterricht. Seltsam, da ich während dieser Zeit nie Besuch im Unterricht erhielt. Es gibt keine Grundlage für diese Behauptung. Und ich habe für jede Stunde ein Verlaufsschema auf meinem PC, das eine ganz andere Sprache spricht...
Ich denke, dass da tatsächlich meine Ausstrahlung einen großen Ausschlag gegeben hat. Vorurteile sind eben leicht gefasst, und so sehe ich diese Bewertung inzwischen auch.

Sehr positiv bewertet werden mein Engagement und die pädagogischen Fähigkeiten sowie meine Fachkenntnisse. Ganz so schrecklich fanden die mich da offensichtlich auch wieder nicht. Von zwei weiteren Arbeitsstellen aus dieser Zeit (als Honorardozentin und Aushilfskehrkraft) habe ich übrigens extrem positive Zeugnisse bekommen.

Die psychologische Beratung in einer Beratungsstelle der Kirche hat mir sehr gutgetan. Ich gehe dort immer noch manchmal hin. Zunächst dauerte es noch ein bisschen, bis ich mich traute, dort anzurufen. Aber es war der richtige Weg!

Natürlich war das Referendariat eine große Belastung, aber der Auslöser für meine Angst- und Panikreaktion liegt anderswo, in meinem familiären Umfeld und den Erfahrungen dort. Man hat mir immer schon beigebracht: Steh zurück, sei bescheiden, erwarte nichts, gib 1000 Prozent. Und das fördert dieses Bettler-Denken (ich nenne es bewusst so, denn vor einem Jahr hatte ich vor allem, was damit zu tun hatte, aktiv und selbstbestimmt zu handeln, totale Angst - ich dachte, das dürften nur perfekte Lehrer).
Mir hat diese Einstellung so sehr geschadet, dass ich sie ändern musste. Dazu musste ich mich meinen Ängsten stellen, lernen, an mich zu glauben und meine Meinung zu äußern, statt mich mit negativem Denken selbst zu verhauen, sobald etwas schiefläuft.

Ich habe mich entschieden, meine "Reise" als Lehrerin fortzusetzen. Einiges an unnötigem Ballast konnte ich inzwischen hinter mir lassen. Mit neuem Selbstvertrauen und neuen Qualifikationen (denn ich habe in diesem Jahr auch eine zusätzliche Staatsexamensprüfung absolviert - darauf bin ich sehr stolz) starte ich nun in die Zukunft.

Warum ich hier so ausführlich berichte? Ich sehe an den Leserzahlen für diesen Beitrag, dass das Thema euch interessiert. Ich möchte ehrlich über meine Unsicherheiten berichten, auch, weil ich glaube, dass das Bluffen als Attitüde des Lehrerberufs auf Dauer schädlich sein kann. Ich möchte zeigen, dass auch "nicht perfekte", menschliche Lehrer erfolgreich in ihrem Beruf sind.

Über Rückmeldungen freue ich mich!

Lieben Gruß
reffi25
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon reffi25 » 29.10.2015, 22:06:40

Dies wird das letzte Update von mir sein, denn ich bin seit Kurzem verbeamtet und fühle mich schon seit einiger Zeit viel wohler und sicherer in meinem Beruf als früher.
Der Abschlusssatz meines letzten Postings weist darauf schon hin, und die Verbeamtung ist für mich persönlich der nachträgliche Beweis, dass es wirklich klappen kann.

Das alles hat auf ziemlich verschlungenen Wegen funktioniert, aber es kommt mir im Nachhinein vor wie ein perfekter Plan, den ich nur nicht kannte: Sobald meine Selbstzweifel verschwanden, kam auch die Bestätigung im beruflichen Status. Jetzt, mit mehr Selbstbewusstsein und einer klareren Haltung, wer ich im Lehrerberuf sein möchte, kann ich ganz anders durchstarten als ich es nach dem Referendariat hätte tun können. Die Erfahrungen in den beiden Jahren als Angestellte waren von dieser Warte aus gesehen richtig und wichtig für meine Entwicklung.

Für mich hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass man nur als echte Person auch bei den Schülern eine Wirkung erzielen kann. Je mehr ich lernte, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, und mich auch gut zu finden, wie ich bin, desto mehr kamen die Schüler auf mich zu und desto stärker ist die Bindung zu ihnen geworden. Ich stand mir anfangs selbst sehr im Weg dabei, diese Zuneigung der Schüler anzunehmen. Auch vor dem Respekt der Kollegen hatte ich unbewusst Angst. Ich wollte kein Bluffer sein, der etwas vorgibt, was er nicht ist. Dabei verlor ich völlig aus den Augen, dass ich als Lehrer nicht perfekt sein muss, um Anerkennung und Respekt zu verdienen. Ich machte mich ständig selbst klein und wunderte mich, warum man mir respektlos begegnete. Die selbstverordnete Hilflosigkeit und Apathie zwang mich in eine demütig-bettelnde Haltung hinein, aus der heraus ich nichts ändern konnte. Bis es mir irgendwann reichte und ich anfing, mich aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Ich habe viel gelernt in dieser Zeit und ich möchte die Erfahrungen nicht missen.

Liebe Grüße an alle, die momentan in diesem Prozess stecken und denken, dass es nie einen Weg aus der Angst und den Selbstzweifeln heraus gibt. Doch, es gibt ihn!

Zwar werde ich nicht mehr allzu häufig hier sein, aber wer Lust hat, sich mit mir auszutauschen, kann mir gerne eine PN schreiben.
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon reffi25 » 02.09.2017, 0:57:54

Ich kann es nicht lassen, hier ein weiteres Update, das die Geschichte abrundet: Nach nur einem Jahr bin ich im vergangenen Herbst auf Lebenszeit verbeamtet worden. : - )
Für mich hat sich durch die Verbeamtung und den Bundeslandwechsel sehr viel zum Positiven geändert.
Mit dem gebührenden Abstand sehe ich, dass viele der geschilderten Probleme auch auf meinem Status als Aushilfslehrkraft beruhten. Auf mich wurde, solange ich befristet in Bayern gearbeitet habe (mit meiner Fächerkombination gibt es dort kaum reguläre Beamtenstellen für Junglehrer, traurig, aber wahr!), schon aufgrund dieses Status kaum Rücksicht im Kollegium genommen. Man rechnete nicht mit mir, interessierte sich nicht sonderlich für mich, ich gehörte nicht wirklich dazu, war austauschbar.
Ich erinnere mich daran, wie sehr ich dieses Verhalten damals persönlich genommen habe, und ich finde es traurig, dass ich diese Dimension kaum sehen konnte.
Es geht mir jetzt gut in meinem Beruf und ich bin heute voll integriert in meinem Kollegium, erfülle dort diverse Aufgaben und habe das Gefühl, mich jetzt frei entfalten zu können und auch mal "dumme Fehler" machen zu dürfen (die gibt es natürlich weiterhin, sie gehören dazu). Die Panik hat sich schon länger nicht mehr gemeldet. ; - )
Alles ist gut und bleibt gut!
Liebe Grüße an alle Leser!
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Re: Dumme Fehler und Panik

Beitragvon Annabelle_3 » 18.10.2017, 18:50:26

Ich denke auch, dass man dort erst einmal hineinwachsen muss. Klar ist es am Anfang immer schwierig und man hat das Gefühl, dass andere Kollegen immer besser sind, aber das ist auch nicht unbedingt der Fall. Man kann sich einige Einstellungen und Maßnahmen auch abgucken oder mal einen anderen Lehrer fragen, wie sie mit Klassen und Co. umgehen. Versuch dir immer zu sagen, dass alles ok ist und dir diese Angst bewusst zu nehmen :)
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