Stimmung vor dem Referendariat

Habt ihr Fragen speziell an Ehemalige? Einige Junglehrer, die auch in der Referendarsbetreuung tätig sind, versuchen euch zu helfen.
Maximer
Beiträge: 166
Registriert: 18.01.2018, 13:39:30

Re: Stimmung vor dem Referendariat

Beitrag von Maximer »

rbm_ hat geschrieben:
18.07.2020, 16:10:11
...Klar, ich kann theoretisch Merkmale guten Unterrichts aufzählen, mehr oder weniger gut wissenschaftlich arbeiten und beherrsche die fachlichen Inhalte meine studierten Fächer.
Gerade der letzte Punkt (fett hervorgehoben) ist schonmal sehr viel wert. Das mit den Merkmalen guten Unterrichts (wahrscheinlich meinst du die Krücke H. Meyer, die auch in der ziemlich beliebig zuammengewürfelten pädagogischen Bestseller-Literaturliste oben auftaucht) kannst du für die Päd-Prüfungen runterbeten, aber in der Praxis bringt dir das wenig. Die lernst du - wie kecks schon andeutet - nur durch Praxis.

Das Problem (erstmal) ist doch, dass du viele Theorien kennst und verschiedene Möglichkeiten, in der Praxis vorzugehen. Du weißt aber noch nicht, was für dich und deine (jeweilige) Lerngruppe funktioniert, welches Unterrichtsmodell/Konzept wie und wann am besten passt etc. Das kann man nur durch Versuch und Irrtum praktisch herausfinden. Dumm ist es, dass man im Referendariat nur begrenzt "Irrtümer" produzieren darf, daher musst du pädagogische Versuche vorzugsweise dann durchführen, wenn keiner zuschaut (im selbständigen Unterricht) und in den Showstunden möglichst auf Nummer sicher gehen. Da bin ich am Anfang auf die Nase gefallen, ich dachte ernsthaft, dass es geschätzt wird, wenn man sich probiert. Davon wird schließlich gerne geredet in Vorbereitunsseminaren. Das ist natürlich von Fachleiter/Mentoren abhängig, aber sicher gehst du, wenn du von Anfang an möglichst keine offensichtlichen Schwächen zeigst.

Lass dich nicht unnötig verunsichern und lege dich möglichst mit niemandem an (da gibt es sehr empfindliche Gemüter unter den Ausbildern/Mentoren), zeige deine Leidenschaft und echtes Interesse für den Beruf und du wirst das schon meistern. Wenn wirklich was gravierend schiefgehen sollte, kannst du dich hier ja wieder melden (dann aber rechtzeitig!).

Und jetzt entspann dich, mach dich nicht verrückt und belaste dich nicht mit beliebiger pädagogischer Literatur. Du wirst früh genug erfahren, was in deinem Seminar "angesagt" ist und kannst dir das dann für die mündlichen Prüfungen reinprügeln. Kennst du ja von der Uni her, wie das läuft. ;-)

skylake
Beiträge: 12
Registriert: 18.09.2018, 15:19:19

Re: Stimmung vor dem Referendariat

Beitrag von skylake »

Maximer hat hier in jedem Punkt recht.

Lese vorher keine päd/did. Literatur. Alle paar Jahre wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben und je nachdem was dein Seminar "feiert", musst du verwenden. Teilweise unterscheidet sich das von Seminar zu Seminar enorm. In meinem Studium wollte ein Fachleiter, dass ich mit Lernzielen arbeite (Groblernziel, Feinlernziel usw.). Als ich nur das Wort Lernziel in einem anderen Seminar erwähnte, wurde ich beinahe ermordet.

Oder ein Fachleiter blubbert von "didaktischer Reduktion", der nächste erzählt einem in einem stundenlangen Monolog, dass es keine didaktische Reduktion gibt und er nichts davon hören oder lesen möchte. Es gäbe lediglich eine "didaktische Simplifizierung" .... :roll:

Wie Maximer sagt, solltest du keine Schwächen zeigen. Das heißt, sei mit Interesse und positiver Lebenseinstellung bei der Sache und um gottes Willen, KEINE Experimente in einer Showstunde ... äh ... Lehrprobe. Egal was die Fachleiter blubbern wie toll sie das finden, das ist alles gelogen. Du wirst derart fertig gemacht, wenn dann etwas schief geht.

In einer Lehrprobe nimmt man die Literatur, die Fachleiter X toll findet und zieht ein klassischen 0815 Unterricht durch. Damit am Ende nicht gemotzt wird, peppt man diesen mit irgendeinem "fancy"-Element auf (z. B. Gruppenpuzzle) und wird danach gefeiert. Für das Ref muss man übrigens nicht studiert haben ... Ein wenig fingerspitzengefühl und der Unterricht an sich ist nicht das Problem, lediglich die Mentoren und Fachleiter können zu einem werden.

Zweiter Tipp: Widersprech keinem Fachleiter. Ein Großteil besitzt ein Ego-Problem und die mögen das absolut nicht, wenn man eine eigene Meinung vertritt.

Antworten