Boom der Privatschulen - staatliches Schulsystem am Ende?

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Beitragvon Jumper82 » 11.02.2009, 14:56:03

Meiner Meinung nach sollten folgende Punkte umgesetzt werden:
- ein Gesamtschulsystem (bis zur 10. Klasse, inkl. Integration von Schülern mit sonderpäd. Förderbedarf)
- in Form von Ganztagsschulen (ich meine damit nicht die Mogelpackung die zur Zeit von den Ländern gefördert wird)
- kleine, alters- und leistungsheterogene Lerngruppen (max. 15 Schüler pro Gruppe)
- mehr Schüleraktivität, mehr Freiarbeit
- weg vom starren 45-Minuten-Rhythmus und den zu engen Fächergliederungen und Leistungsanforderungen

Es gibt jede Menge (reform-)pädagogische Ansätze und Schulmodelle in anderen Ländern, an denen man sich da orientieren kann.

Ach so, natürlich bin ich mir bewusst, dass eine 100%-tige Chancengleichheit nie möglich sein wird, aber ich finde, dass die Punkte oben jedenfalls für ein Mehr an Chancengleichheit sorgen würden.

Ich weiß schon, welche Gegenargumente jetzt kommen könnten. :)
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Beitragvon Rittersport » 11.02.2009, 19:25:32

Selektion an sich muss nicht per se schlecht sein. Wer verstanden hat, dass für Erfolg auch etwas geleistet werden muss, für den gibt es immer einen Weg zum Ziel. In Bayern kommen über 40% der angehenden Studenten NICHT vom Gymnasium. Daher ist es z.B. ungeheuerlich, dass ständig behauptet wird, die Hauptschule sei eine Resteschule und der wohl einzig sinnvolle Lehrplaninhalt jener Schulform müsse aus dem ordentlichen Ausfüllen eines Hartz4-Antrages bestehen.

Insofern könnten wir uns die Debatte über das Schulsystem auch sparen und dort ansetzen, wo tatsächliche Probleme bestehen, die übrigens auch mit einer Gesamtschule nicht einfach verschwinden würden. Das Hauptproblem ist die Integration in Bildung, übrigens nicht nur auf Einwanderer bezogen, sondern auch auf die einheimische Unterschicht.

Noch ein Wort zu den Milliarden. Natürlich möchte jeder ein Stückchen vom Kuchen, nur geht es bei den aktuellen Maßnahmen hauptsächlich darum, dass wieder Kredite vergeben werden. Und das wirkt sich direkt und indirekt wiederum auf sehr viele Arbeitsplätze aus.

Wie sähe denn aus deiner Sicht eine bessere Zusammenarbeit Wirtschaft - Schule aus?
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Beitragvon Schaf » 11.02.2009, 20:29:00

kakaotrinkerin hat geschrieben:
Rico hat geschrieben:Ich kenne keine Zahlen, aber die meisten privaten Schulen sind doch wohl staatlich anerkannte Schulen in kirchlicher Trägerschaft, in denen die Lehrer weitgehend unter gleichen Bedingungen arbeiten wie an staatlichen Schulen und an denen kein Schulgeld gezahlt wird. Dementsprechend gemischt kann auch die Schülerschaft sein.

Nach meiner Erfahrung identifizieren sich Schüler, Lehrer und Eltern sich mit einer solchen Schule viel stärker als dies an einer staatlichen Schule der Regelfall ist. Darin sehe ich einen großen Pluspunkt.


Eben. Deswegen sollte man auch immer mit diesem Vorurteil "Privatschule = Schule für Reiche" vorsichtig sein, denn ich glaube, dass das nur auf die wenigsten Schulen zutrifft.

Natürlich leben Privatschulen in gewisser Hinsicht von ihrem Ruf, aber ich glaube nicht, dass sie es in Zeiten von einem absoluten Privatschul- Boom nötig haben, mit unwahren Tatsachen auf Schülerfang zu gehen.

Zumindest von meiner Schule kann ich sagen, dass man sich natürlich um einen engen Kontakt ins Elternhaus bemüht, um sich wirklich gut um die Kinder kümmern zu können und gut informiert zu sein, aber von einer Art KUschelpädagogik mit den Eltern oder auch mit den S. kann ich zumindest hier überhaupt nicht sprechen. Eher sogar im Gegenteil. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Schule sich irgendwelchen fragwürdigen Eltern- Meinungen anpasst, um da niemanden zu verärgern. Ich sehe es eher so, dass die Schule ihre Prinzipien sehr hoch hält, auch wenn das dem ein oder anderen Elternhaus nicht passt. Da gilt dann eher die Maxime: Wir haben Regeln, die vorher erläutert worden sind, und wenn die irgendjemandem nicht passen und er damit gar nicht klarkommt, ist er hier falsch.

Aber genau den letzten Punkt sehe ich als sehr wichtig an. Wer an eine Privatschule geht, verdient meistens weniger als im staatlichen System-. Und wer sich trotzdem dauerhaft dort niederlässt, wird dies in erster Linie aus Überzeugung tun. Und das wiederum kann für Schule, Unterricht und Selbstzufriedenheit eigentlich nur positiv sein.


Größtenteils kann ich hierbei für meine Schuöe zustimmen. Da es aber in dem Fall gerade um Privatschulen ging, die staatlich anerkannt sind, ist das Gehalt aber dann wieder ein Punkt, an dem ich einhaken muss. Bei uns beispielsweise gibt es Kirchenbeamte und staatliche Beamte. Die Lehrer verdienen also
das Gleiche wie an einer staatlichen Schule. In dem Fall kann das Gehalt also nicht der Auschlag sein. Zudem ist es hier bei uns auch so, dass staatlich anerkannte Privatschulen kein Schulgeld nehmen dürfen und somit das auswahlkriterium Geld auch iweder weg fällt. Bei uns ist es extrem sogar so, dass alle Anmeldungen fürs Gymnasium genommen werden, weil wir die Schüler sonst zum Pendeln zwingen würden.
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Beitragvon Jumper82 » 12.02.2009, 15:40:06

Rittersport hat geschrieben:Selektion an sich muss nicht per se schlecht sein. Wer verstanden hat, dass für Erfolg auch etwas geleistet werden muss, für den gibt es immer einen Weg zum Ziel. In Bayern kommen über 40% der angehenden Studenten NICHT vom Gymnasium. Daher ist es z.B. ungeheuerlich, dass ständig behauptet wird, die Hauptschule sei eine Resteschule und der wohl einzig sinnvolle Lehrplaninhalt jener Schulform müsse aus dem ordentlichen Ausfüllen eines Hartz4-Antrages bestehen.

Insofern könnten wir uns die Debatte über das Schulsystem auch sparen und dort ansetzen, wo tatsächliche Probleme bestehen, die übrigens auch mit einer Gesamtschule nicht einfach verschwinden würden. Das Hauptproblem ist die Integration in Bildung, übrigens nicht nur auf Einwanderer bezogen, sondern auch auf die einheimische Unterschicht.

Noch ein Wort zu den Milliarden. Natürlich möchte jeder ein Stückchen vom Kuchen, nur geht es bei den aktuellen Maßnahmen hauptsächlich darum, dass wieder Kredite vergeben werden. Und das wirkt sich direkt und indirekt wiederum auf sehr viele Arbeitsplätze aus.

Wie sähe denn aus deiner Sicht eine bessere Zusammenarbeit Wirtschaft - Schule aus?


Klar, Selektion muss irgendwann sein, meiner Meinung nach aber nicht schon nach der vierten Klasse. Deine 40% unterstützen das sogar noch, denn diese Zahl besagt ja, dass diese 40% zu unrecht nicht aufs Gymnasium gegangen sind. Wo hast du die Zahl eigentlich her, mich würde so eine Statistik echt mal interessieren und zwar für alle Bundesländer.

Wie sollte denn die Integration in Bildung deiner Meinung nach ablaufen? Ist eine Verlängerung der Grundschule als Form der Gesamtschule nicht schon Integration?

Vielleicht ist es ganz hilfreich, wenn ich mein Bildungsverständnis darlege:
Bildung sollte nicht als "Belehrung" durch Lehrer verstanden werden, sondern als gemeinsames Lernen mit Unterstützung der Lehrer. Dieses Lernen sollte in einer Lerngemeinschaft geschehen, welche sich im weitesten Sinn aus allen Schülern eines Einzugsgebietes einer Schule zusammensetzt. Im engeren Sinn soll das Lernen in Lerngruppen geschehen, die in ihrer Zusammensetzung heterogen sind, also nicht leistungsstarke und leistungsschwache (eine solche Einteilung finde ich übrigens sehr oberflächlich) Schüler voneinander trennen.
In diesem Zusammenhang sehe ich auch ein Teil von Integration darin, dass Schüler mit verschiedenen Stärken und Schwächen (die in unserem Schulsystem auf verschiedene Schulformen gehen würden) zusammen lernen können und sich somit gegenseitig unterstützen können. Allerdings, darüber bin ich mir im Klaren, muss dabei besonders der Unter- und Überforderung vorgebeugt werden (z. B. in Zusatzkursen).

Zur Zusammenarbeit Wirtschaft - Schule bzw. Bildung:
Ich dachte da an Föder- und Unterstützungsmaßnahmen der Wirtschaft zugunsten der Bildung (der schulischen und der außerschulischen), denn schließlich ist die Wirtschaft ja auf die Ergebnisse (die Arbeitnehmer als Produktivkraft) angewiesen. Maßnahmen könnten z. B. die (finanzielle) Unterstützung des Chemieunterrichts (Ausstattung, Zusammenarbeit) durch Chemiekonzerne und ähnliches für andere Fächer sein (das ist jetzt nicht groß durchdacht, aber wäre das nicht möglich?)

Auch hier ist der Knackpunkt natürlich wieder das Finanzielle.
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Beitragvon Rittersport » 12.02.2009, 18:38:35

Jumper82 hat geschrieben:Klar, Selektion muss irgendwann sein, meiner Meinung nach aber nicht schon nach der vierten Klasse. Deine 40% unterstützen das sogar noch, denn diese Zahl besagt ja, dass diese 40% zu unrecht nicht aufs Gymnasium gegangen sind. Wo hast du die Zahl eigentlich her, mich würde so eine Statistik echt mal interessieren und zwar für alle Bundesländer.

Diese Zahl stand in einer offiziellen Mitteilung des KM, mehr dazu habe ich gerade nicht zur Hand.

Jetzt haben wir ein Faktum, nämlich diese Zahl und schon ergeben sich vielerlei Möglichkeiten, Schlüsse daraus zu ziehen. Natürlich kann es sein, dass ein Teil dieser 40% zu Unrecht nicht auf das Gymnasium gegangen sind.
Diese Aussage unterstellt, dass jedes Kind, welches nicht aufs Gym geht, die schlechtere Bildung bekommt, bzw. dass jeder andere Weg automatisch einen Umweg darstellt.

Wenn ich mal von meinen Schülern ausgehe, die keine Ausbildung machen, dann ist die Fachoberschule Standard, nach drei Jahren kann man dort ein allgemeines Abitur machen. Was ist an diesem Weg schlecht?
Für mich sagt die Zahl letztlich nur eines: Wer will, kann etwas erreichen und findet sich nicht irgendwann in einer Sackgasse. Oder auch: Viele Wege führen zum Abi.

Jumper82 hat geschrieben:Wie sollte denn die Integration in Bildung deiner Meinung nach ablaufen? Ist eine Verlängerung der Grundschule als Form der Gesamtschule nicht schon Integration?

Hätte ich darauf eine wirklich gute Antwort, würde ich sicher nicht als Realschullehrer arbeiten, sondern hätte einen anderen Posten, z. B. in der Politik.

Deine Punkte zum Bildungsverständnis erinnert mich an so manche interessante Theorie aus Uni-Zeiten.
Ein paar kleine Anmerkungen dazu.

Was machst du, wenn den Eltern die Belange ihrer Kinder am A. vorbeigehen?
Wenn die Kinder die einzigen Personen im Haushalt sind, die morgens aufstehen?
Wenn für Hausaufgaben nur der unaufgeräumte Küchentisch zur Verfügung steht, weil drei oder mehr Kinder sich ein Kinderzimmer teilen müssen?
Wenn die Kinder morgens müde sind, weil der kleine Bruder nicht etwa bei seiner Mutter im Schlafzimmer schläft, sondern im o.g. Kinderzimmer, schließlich würde das Geschrei ja Mama und ihren neuen Lover stören?
Wenn die Kinder hungrig zur Schule kommen, weil Mama am Ende des Monats kein Geld mehr hat, um etwas zu kochen?
Wenn die Kinder die einzigen Familienmitglieder sind, die halbwegs Deutsch können und zu Hause bei jeder Gelegenheit vermittelt bekommen, dass dieses Land der Ungläubigen doch völlig verkommen sei?

Jumper82 hat geschrieben:Zur Zusammenarbeit Wirtschaft - Schule bzw. Bildung:
Ich dachte da an Föder- und Unterstützungsmaßnahmen der Wirtschaft zugunsten der Bildung

Hm. Vielleicht verstehe ich das ja falsch. An meiner Schule laufen:
- Planspiel Börse (Sparkasse)
- Bewerbertraining (Personaldienstleister)
- Training für Assessmentcenter (Bank)
- u.a.

Darüber hinaus finden sich ohne größere Probleme Sponsoren für verschiedenste Projekte. Vielfach ist das aber auch ein Versäumnis der Schulleitung. Wenn der Chef Vorbehalte hat gegenüber der ach so bösen Wirtschaft, wird das natürlich nichts. Wenn der Chef dagegen selbst aus der Wirtschafts kommt und sich auch als Manager begreift, dann klappt das.
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Beitragvon Jumper82 » 12.02.2009, 23:07:35

Ich hoffe, dass sich das hier nicht wie eine hitzige Debatte liest, aber ich finde diesen Gedankenaustausch sehr positiv und vor allem sachlich!

Rittersport hat geschrieben:Jetzt haben wir ein Faktum, nämlich diese Zahl und schon ergeben sich vielerlei Möglichkeiten, Schlüsse daraus zu ziehen. Natürlich kann es sein, dass ein Teil dieser 40% zu Unrecht nicht auf das Gymnasium gegangen sind.
Diese Aussage unterstellt, dass jedes Kind, welches nicht aufs Gym geht, die schlechtere Bildung bekommt, bzw. dass jeder andere Weg automatisch einen Umweg darstellt.


Nein, so würde ich das nicht sagen - ich bin übrigens über die Realschule (nach entsprechender Empfehlung am Ende der Orientierungsstufe, also am Ende Klasse 6) auf das Gymnasium gegangen und würde das keinen Umweg nennen, auch wenn es für mich auf dem Gymnasium besonders im Fach Mathe doch sehr schwer war. Natürlich muss jeder seinen Weg gehen und wenn dieser gut durchdacht ist, dann ist das auch bestimmt der Richtige, egal ob das Ziel Abitur oder Studium heißt oder nicht. Allerdings sollte die Entscheidung, über welche Stationen der Weg geht, nicht so früh gefällt werden.

Rittersport hat geschrieben:Wenn ich mal von meinen Schülern ausgehe, die keine Ausbildung machen, dann ist die Fachoberschule Standard, nach drei Jahren kann man dort ein allgemeines Abitur machen. Was ist an diesem Weg schlecht?
Für mich sagt die Zahl letztlich nur eines: Wer will, kann etwas erreichen und findet sich nicht irgendwann in einer Sackgasse. Oder auch: Viele Wege führen zum Abi.


Wie gesagt, ich finde gar nicht mal, dass alles unbedingt auf das Abi ausgerichtet sein muss, viel mehr sollte eine viel individuellere Förderung vollzogen werden und nicht eine so allgemeine. Viel zu wenig Schüler merken in der Schule was an ihnen wertvoll ist, was sie nach der Schule (evtl. auch ohne Abi) machen können und sollten.

Rittersport hat geschrieben:
Jumper82 hat geschrieben:Wie sollte denn die Integration in Bildung deiner Meinung nach ablaufen? Ist eine Verlängerung der Grundschule als Form der Gesamtschule nicht schon Integration?

Hätte ich darauf eine wirklich gute Antwort, würde ich sicher nicht als Realschullehrer arbeiten, sondern hätte einen anderen Posten, z. B. in der Politik.


Dem stimme ich absolut zu und den Job als Politiker würde ich auch nicht gerne einnehmen wollen, weil es höchstwahrscheinlich nie eine eindeutige Lösung geben kann. Aber ich würde mich sehr gerne dafür einsetzen, dass Schule für Schüler und für Lehrer erträglicher und ertragreicher wird.

Rittersport hat geschrieben:Was machst du, wenn den Eltern die Belange ihrer Kinder am A. vorbeigehen?
Wenn die Kinder die einzigen Personen im Haushalt sind, die morgens aufstehen?
Wenn für Hausaufgaben nur der unaufgeräumte Küchentisch zur Verfügung steht, weil drei oder mehr Kinder sich ein Kinderzimmer teilen müssen?
Wenn die Kinder morgens müde sind, weil der kleine Bruder nicht etwa bei seiner Mutter im Schlafzimmer schläft, sondern im o.g. Kinderzimmer, schließlich würde das Geschrei ja Mama und ihren neuen Lover stören?
Wenn die Kinder hungrig zur Schule kommen, weil Mama am Ende des Monats kein Geld mehr hat, um etwas zu kochen?
Wenn die Kinder die einzigen Familienmitglieder sind, die halbwegs Deutsch können und zu Hause bei jeder Gelegenheit vermittelt bekommen, dass dieses Land der Ungläubigen doch völlig verkommen sei?


Tja, ich weiß genau, was du meinst und finde es sehr traurig, dass es einen so großen Anteil dieser besonderen Fälle gibt, denen wir als Lehrer wohl leider auch nicht wirklich helfen können, weil wir auf die Mitarbeit der Eltern angewiesen sind. Ich würde jetzt aber mal behaupten, dass bereits bei diesen Eltern die Schule versagt hat und dieser Trend muss gestoppt werden. Es wäre doch falsch, wenn wir deshalb aufgeben würden. Wäre die Ausweitung des Ganztagsbetriebs nicht zumindest eine Verbesserung der Möglichkeiten?

Rittersport hat geschrieben:
Jumper82 hat geschrieben:Zur Zusammenarbeit Wirtschaft - Schule bzw. Bildung:
Ich dachte da an Föder- und Unterstützungsmaßnahmen der Wirtschaft zugunsten der Bildung

Hm. Vielleicht verstehe ich das ja falsch. An meiner Schule laufen:
- Planspiel Börse (Sparkasse)
- Bewerbertraining (Personaldienstleister)
- Training für Assessmentcenter (Bank)
- u.a.


Stimmt, diese Maßnahmen kenne ich und würde sie als Lehrer auch voll unterstützen, allerdings reicht mir das noch nicht, das sind einzelne Projekte, die am Unterricht allgemein wenig verändern.

Rittersport hat geschrieben:Darüber hinaus finden sich ohne größere Probleme Sponsoren für verschiedenste Projekte. Vielfach ist das aber auch ein Versäumnis der Schulleitung. Wenn der Chef Vorbehalte hat gegenüber der ach so bösen Wirtschaft, wird das natürlich nichts. Wenn der Chef dagegen selbst aus der Wirtschafts kommt und sich auch als Manager begreift, dann klappt das.


Auch da stimme ich dir zu, ich habe schon viel von unengagierten Schulleitungen gehört und das ist dann natürlich sehr ärgerlich.
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Beitragvon Rittersport » 13.02.2009, 8:31:30

Jumper82 hat geschrieben:Ich hoffe, dass sich das hier nicht wie eine hitzige Debatte liest, aber ich finde diesen Gedankenaustausch sehr positiv und vor allem sachlich!

So sehe ich das auch.
andere Weg automatisch einen Umweg darstellt. [/quote]

Allerdings sollte die Entscheidung, über welche Stationen der Weg geht, nicht so früh gefällt werden.

Nun, wenn die Gesamtschule automatisch zu besseren Lernergebnissen führen würde, wäre das überlegenswert. Um aber nochmal auf PISA zurückzukommen: Gerade auch dort waren unter den "Guten" Länder mit gegliedertem System und zugleich fanden sich am "Ende" Länder mit Gesamtschulen. Mich persönlich stört diese ganze Strukturdebatte, weil sie meiner Meinung nach vom eigentlichen Problem ablenkt. Solange die Gesellschaft nicht mehr Geld in Bildung investiert, wird nichts daraus. Und damit meine ich vor allem Maßnahmen, die auf die jeweilige Schule zugeschnitten sind. Warum gibt es nicht an jeder Schule Sozialarbeiter, die sich um Problemfälle kümmern? Oder Lehrerassistenten, die z. B. bei der inneren Differenzierung unterstützend eingreifen?

Wie gesagt, ich finde gar nicht mal, dass alles unbedingt auf das Abi ausgerichtet sein muss, viel mehr sollte eine viel individuellere Förderung vollzogen werden und nicht eine so allgemeine. Viel zu wenig Schüler merken in der Schule was an ihnen wertvoll ist, was sie nach der Schule (evtl. auch ohne Abi) machen können und sollten.

In deinem vorherigen Post war noch die Rede davon, dass diese gut 40% ja eigentlich besser aufs Gym gehört hätten. Natürlich wäre es schön, individueller auf die Kinder eingehen zu können. Aber da sind wir wieder bei den o.g. Problemen. Wenn ich viele kleine Klassen habe, kann ich mich mehr um den Einzelnen kümmern. Was denkst du, was für einen Bezug ich zu einer meiner Klassen habe, die gerade mal 17 Nasen zählt?

Ich würde jetzt aber mal behaupten, dass bereits bei diesen Eltern die Schule versagt hat und dieser Trend muss gestoppt werden. Es wäre doch falsch, wenn wir deshalb aufgeben würden. Wäre die Ausweitung des Ganztagsbetriebs nicht zumindest eine Verbesserung der Möglichkeiten?

Die Schule? Eher die Politik! Wenn es für einen Teil unserer Gesellschaft wesentlich angenehmer ist, Hartz4 zu beziehen (andernfalls müsste ja Unterhalt für diverse Kinder bezahlt werden), als zu arbeiten, dann haben wir genau diese Probleme. Du kannst dich als Lehrer natürlich jeden Tag hinstellen und vorleben, dass Arbeit auch glücklich macht. Dann geht Chantalle um 1 (oder eben auch 4) nach Hause und trifft dort ihre Mutter, die gerade aus dem Bett kriecht.


Stimmt, diese Maßnahmen kenne ich und würde sie als Lehrer auch voll unterstützen, allerdings reicht mir das noch nicht, das sind einzelne Projekte, die am Unterricht allgemein wenig verändern.

Darum geht ja auch nur bedingt. Für das Unterrichten sind wir Lehrer die Fachleute.
Wenn es dagegen um Bewerbertraining geht, können die meisten Lehrer nicht mitreden und somit ist eine Veranstaltung eines externen Partners, der selbst ausbildet, wesentlich sinnvoller.

Auch da stimme ich dir zu, ich habe schon viel von unengagierten Schulleitungen gehört und das ist dann natürlich sehr ärgerlich.

Ein Kollege an einem Gymnasium berichtete neulich, dass ein Unternehmer, der selbst auf besagtem Gym war, in der Schule an einem Tag seine Produkte verschenken wollte. Natürlich mit dem Hintergrund, eine Partnerschaft aufzubauen. Ohne sich damit näher zu beschäftigen lehnte der Direktor sofort ab. Schließlich könnte die Schule ja für Werbung missbraucht werden.

Wenn ich mir überlege, wie oft Partner meiner Schule hier ein- und ausgehen und wie offensiv mein Chef diese Partnerschaften auch nach außen darstellt, komme ich zu der Erkenntnis, dass der Leiter besagten Gymnasiums etwas nicht begriffen hat.
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