Eignungstests für angehende Referendare

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema
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Sollen verbindliche Eignungstests für angehende Lehrer eingeführt werden?

Ja, unbedingt! Ungeeignete Kandidaten gehören nicht ins Klassenzimmer!
139
45%
Ein Eignungstest ist schon sinnvoll - aber er sollte nicht verpflichtend sein.
59
19%
Nein, Eignungstests können niemals die vielschichtige Realität wiedergeben. Der feinfühlige Lehrer wird an der Problemschule versagen, genauso wie der ruppige Typ am musischen Mädchengymnasium. Umgekehrt funktioniert das aber hervorragend.
113
36%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 311

Fränzy
Moderator
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Registriert: 20.11.2005, 16:17:06
Wohnort: BW, Berufsbildende Schule (VAB, BEJ, BF)

Beitrag von Fränzy »

hallo clumsy,

Schule ist sehr viel mehr als sich vor einer klasse durchsetzen zu können, meine ich. Damit hatte ich nämlich absolut kein Problem, ich hatte auch einen guten Kontakt zu den Jugendlichen und bin enorm belastbar.

Fakt ist, dass in BW für die Ausbildungsgänge GHRS frühzeitig mehrere Praktika angesetzt sind. Dennoch brechen in einigen Seminaren viele das Referendariat ab oder schaffen die Prüfungen nicht. In meinem ehemaligen Seminar sind es jedes Jahr ca. 30% der LAA. Darin zeigt sich, dass diese Praktika irgendwie nicht ihren Sinn erfüllen, nämlich den seine eigene Eignung und NEIGUNG zu überprüfen. Das scheint bei einem guten Teil der Studierenden einfach nicht hinzuhauen. Zum guten Teil liegt es daran, dass die Betreuer in den Schulen nicht ausreichend geschult sind, genau zu beobachten, bzw. zu wissen, was sie beobachten sollen, und anschließend konstruktive Rückmeldung zu geben. Die Studierenden werden auch kaum unterstützt bei der Eigenreflexion ihrer Stunden. Reflektieren lernte ich persönlich erst im Referendariat. Meine Praktika haben mir ausnahmslos alle gut gefallen, ich habe alle sehr gut bewältigt, denn den einen Tag in der Schule, bzw. auch mal ein paar wochen, das hält man ja doch durch, auch wenn man sich verbiegt. Die Rückmeldung der Lehrkräfte waren meist spärlich, z.T. gabs gar keine, oder "das war jetzt aber mal nett". In der Hochschule wurden die Unterrichtserfahrung auch gar nicht thematisiert, genausowenig, wie etwa die Gründe für die Berufswahl.

So landete ich im Referendariat und stellte fest, dass mir diese ewige Stoffvermittlung, die Noten, die Selektion, die schulischen Arbeitsmethoden absolut nicht gefielen. Mein Fazit war: das Referendariat reicht mir völlig als Schulerfahrung. Mitlerweile bin ich Sozialpädagogin und hier kommt mir oft zu gute, dass ich Lehrerin bin, weil ich auch mal Lernförderung machen kann. Trotzdem bin ich eben Sozialpädagogin und ich meine, das war ich gefühlsmäßig wohl schon im Ref. Und das passte nicht.

Für Leute wie mich wäre eine geeignete Eignungsdiagnostik schon hilfreich gewesen. Meines Erachtens geht es dabei auch nicht um theoret. Tests, sondern um Unterrichtsbeobachtungen mit geschulter Rückmeldung und darum, dem Studierenden dabei zu helfen, warum er Lehrer werden möchte und welche beruflichen Ziele er hat. So kann sich derjenigen früher umorientieren. Dabei gehts meiner meinung nach auch nicht um eine Entscheidung, Pädagogik im w. S. "ja" oder "nein", sondern um Lehrer "ja" oder "nein".
Hier im Forum hat man manchmal den Eindruck, dass jemand der sich mit dem Lehrberuf schwer tut, gleich ein schlechter Pädagoge ist, das ist oft genug falsch.

Selbstverständlich ist die Aussagekraft solcher Verfahren begrenzt, nur eben besser als gar keine.... #

Franzi

Herbie
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Beitrag von Herbie »

Hi!

Ich habe in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel gefunden, der im Zusammenhang mit der Lehrerausbildung interessant ist. Es geht zwar nicht direkt um die Frage nach einem Vorabtest, aber um die Frage nach Theorie und Praxis in der Lehrerausbildung, die sich im selben Atemzug stellt.
Gruß von [color=#008000][b][i]Herbie[/i][/b][/color]

AnnieL

Beitrag von AnnieL »

abc
Zuletzt geändert von AnnieL am 28.09.2008, 15:41:40, insgesamt 1-mal geändert.

Piccola
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Beitrag von Piccola »

In diesem Punkt gebe ich Annie vollkommen Recht:

wie kann man nur erwarten, dass sich jeder, der "auf Lehramt" studiert, auch glücklich in dem Job wird, bzw. dort gut zurecht kommt?

Die meistens möchten wirklich und ehrlich Lehrer werden. Und genauso wie alle, die den Beruf nicht kennen, hatten auch wir damals null Einblick in den Beruf.

Die Praktika sind gar nicht representativ gewesen, zumindest die, die wir unter der alten SPO machten.

Das Studium ist sehr wissenschaftlich ausgerichtet, was ich persönlich aber auch irgendwie gut fand. Andererseits fehlte die gezielte Ausbildung zum Lehrer.

Dann kommt plötzlich das Ref. Und das Schlimme daran: auch das hat mit dem eigentlichen Lehrerjob nur zum Teil etwas zu tun, denn dieser Hammerpsychodruck fällt nach dem Ref weg!

Wenn Eignungstests möglich wären, würde ich sie auch befürworten.

Aber: wer sich nach einem solchen Test heute als geeignet erweist, kann "morgen" (also nach Jahren oder Jahrzehnten) durch denselben Test durchfallen.

Wie im wirklichen Leben sind in den meisten Fällen die Dinge nicht vorhersehbar.

Ein Pärchen, das sehr glücklich miteinander ist, kann nach 10 Jahren eine tragische Trennung durchlaufen oder aber auch noch in 50 Jahren glücklich sein.

Wenn jemand im Ref "erkennt", dass er nicht Lehrer sein möchte, dann zeigt das nicht unbedingt, dass er im Lehrerjob nicht aufgehen kann.

Ich spreche nur aus eigener Erfahrung. Obwohl mein zweites Stex super verlief, war für mich das Ref die Hölle.
Ich bin zwar erst seit September '07 "richtige" Lehrerin, aber mir gefällt der Beruf und ich sehe fast keine Parallelen zum Ref.

Ich wäre vorsichtig mit solchen Eignungstests...und auch mit dem Refgedöns...

Piccola
Mens sana in corpore sano :-)

Avantasia
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Registriert: 11.01.2007, 23:48:30

Beitrag von Avantasia »

Statt Eignungstests, die aussortieren, befürworte ich Tests, die Schwachstellen erkennen und dem Studenten Tipps geben, daran zu arbeiten.

À+
No Risk No Fun!

AnnieL

Beitrag von AnnieL »

abc
Zuletzt geändert von AnnieL am 28.09.2008, 15:26:04, insgesamt 1-mal geändert.

rebel84
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Registriert: 27.06.2008, 10:15:21
Wohnort: Linden-Leihgestern

Beitrag von rebel84 »

Das A und O in diesem Bereich sind auf jeden Fall parallel zum Studium und den Praktika unterrichtspraktische Erfahrungen...ind Hessen und Rheinland-Pfalz besteht z.B. die Möglichkeit dies über Vertretungsunterricht zu erfahren (U-Plus bzw. PES). Auch intensive Vereinsarbeit und Projekte, Freizeiten und Seminare/Veranstaltungen mit Kindern sollten JEDEM Lehramtsstudenten nahe gelegt werden. Hat man dies während des Studiums versäumt wird der praktische Umgang mit Schülern äußerst schwer :? . Hinzu kommt durch diese praxisorientierte Arbeit eine Verbesserung des eigenen Organisations- und Zeitmanagments welches für das Ref und auch nach dem Zweiten Staatsexamen als vollwertiger Lehrer unbedingt notwendig ist (Stichwort: Verwaltungsarbeiten, Vor- und Nachbereitung etc.)!

Grundsätzlich bevorzuge ich statt eines Eignungstests die stärkere Verquickung von Studium & Schule, also eine intensive Arbeit an Schulen bereits zu Beginn des Studiums, gekoppelt mit dem Studium. Die Schulpraktika würden damit entfallen. Für einen Großteil der Studierenden würde sich somit nach den ersten Semestern die praktische Arbeit als Lehrer bereits eröffnen; ein Praxisschock von dem so oft im Ref gesprochen wird würde verhindert 8) !
SELBST-Konzept®
(Selbstverteidigung & Selbstbehauptung)

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