PISA und kein Ende

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Welche Auswirkungen hat PISA für Referendare?

Die Ergebnisse sind mir ein Ansporn! Ich versuche die Kompetenzen der Schüler im Sinne von PISA zu erhöhen.
11
42%
In unserem Seminar werden wir nicht über PISA informiert, deshalb kann ich die PISA-Forderungen nicht umsetzen.
6
23%
Ich merke, dass sich etwas im Sinne von PISA verändern müsste, aber mir fehlen die Möglichkeiten dazu, es umzusetzen.
9
35%
 
Abstimmungen insgesamt : 26

Beitragvon Fränzy » 26.11.2006, 16:05:24

Hallo,

PISA überprüft nicht die INTELLIGENZ der Schüler/innen, sondern die Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Das ist meines Erachtens ein großer Unterschied. Ob die Aufgaben leicht oder schwer sind ist Ansichtssache. Für mich persönlich sind sie eher leicht, für meine Jungs im BVJ sind sie kaum zu schaffen. Da können viele nicht richtig lesen und kaum rechnen. Ich finde, dass man dieses Problem dringend angehen muss und nicht überlegen sollte, ob die Schüler vielleicht nicht motiviert an die Aufgaben herangegangen sind. Und ob man jetzt hier von einer Minderheit reden sollte, da bin ich mir auch nicht sicher - ich finde diese "Minderheit" persönlich relativ groß und kostenintensiv. Diese Menschen müssen NACH der Schulzeit in berufsvorbereitenden Maßnahmen, in Jugenddörfern ausgebildet werden, sie werden eher arbeitslos und empfangen eher Stütze. Das ist sauteuer! Es ist nebenbei auch menschenunwürdig Schüler wissenden Auges in ihr Verderben laufen zu lassen. Lehrer muss es was angehen, wenn so viele bei uns die Anforderungen nicht mal annähernd erfüllen. Ich finds einfach schlimm, wenn jede PISA Studie (und auch IGLU) einen immensen Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulerfolg nachweist. In keinem anderen teilnehmenden Land ist dieser Einfluss größer als bei uns! In keinem anderen Land ist die Leistungsstreuung größer. Übrigens ist es in D. leider auch nicht so, dass wir eine breite Spitzengruppe haben, DA hinken wir auch hinterher. Also muss sich was tun, für gute UND schwache Schüler/innen.
LG Fränzy
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Beitragvon Rittersport » 26.11.2006, 16:58:50

@ Fränzy
Natürlich prüft PISA nicht die Intelligenz.
Dass du mit den Aufgaben kaum Probleme haben dürftest ist logisch.
Meine Frage an dich: Gehen wir davon aus, dass unter den Leuten im BVJ einige sind, die das Zeug zu mehr hätten: Was würde passieren, wenn sie mehr individuelle Hilfen bekämen? Vielleicht würde der eine oder andere die Mittlere Reife oder gar das Abi schaffen. Und dann? Die Zeiten, in denen jeder mit nem guten Abschluss automatisch in Lohn und Brot kommt, sind leider vorbei. Vielleicht kommen sie ja irgendwann wieder ...

Was mich an PISA auch stört: Ständig wird die Abiturientenquote hervorgehoben. Dass man in den meisten anderen Ländern aber statt einer (dualen) Berufsausbildung diesen Fachbereich "studiert", übersieht man gerne.

Was die soziale Selektion betrifft: Eine Behauptung wird durch regelmäßige Wiederholung auch nicht zutreffender.
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Beitragvon Fränzy » 26.11.2006, 17:37:19

Die Behauptung ist aber empirisch belegt und das zählt für mich, nicht wie oft sie wiederholt wird. mir ist schon klar, dass dies einige stört... aber was soll man dazu sagen, dass 80% der Schülerinnen an Sonderschulen L aus Familien des Niedrigeinkommesbereich stammen. Die können doch nicht per se "dümmer" sein. Wenn ALLE Studien auf soziale Selektivität hinweisen, ist das meines Erachtens ein Zeichen dafür, dass dies tatsächlich so ist.
Ich bin mir sicher, dass meine Jungs mit frühzeitigerer Hilfestellung bessere Chancen gehabt hätten, schon die späte Hilfe im BVJ trägt sichtbare Früchte.
Ob man nun mit ABi mehr Chancen hat oder nicht, ist völlig unerheblich. Tatsache ist, dass man mit Fö - Abschluss und mit HS - Zeugnis keine gute Chance hat. Jedenfalls wesentlich schlechtere als mit Abitur...
Bezüglich der Zahlen der Studienanfänger gebe ich dir recht...
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Beitragvon Herbie » 26.11.2006, 18:04:02

Hi!

Es ist unbestritten, daß es eine Korrelation zwischen schulischem Erfolg der Kinder und dem sozialen Status ihrer Eltern gibt. Allerdings müßte das nicht unbedingt so sein, denn öffentliche Schulen verlangen kein Schulgeld. Alle Kinder kommen zunächst einmal in dieselbe Art von Grundschule und können dort ihr Engagement und ihr Lernvermögen unter Beweis stellen.

Natürlich würde ich nie auf den Gedanken kommen, einem Kind eine schlechte Note zu geben, nur weil es keine deutschen Eltern hat oder weil die Eltern arm sind. Wie kommt es also, daß Kinder aus sozial schwächeren Familien in Sachen Bildung sich schwerer tun?

Nun, ich denke, daß sich neben der Schule eben auch das Elternhaus bemerkbar macht. Wer weiß, vielleicht sogar noch stärker als die Schule selbst. Wir erheben zwar oft den Anspruch, daß die Schule die unterschiedlichen elternlichen Einflüsse ausgleichen müsse, aber jetzt mal ganz ehrlich:

Wer glaubt denn ersthaft, daß es für Kinder kein Vorteil wäre, wenn sie aus gutem Elternhaus stammen, ...

in dem ordentliche Wertvorstellungen vorhanden sind und gelebt werden,
in dem eine gute Ernährung selbstverständlich ist,
in dem die Kinder nicht vom eigenen Fernseher, sondern von vorlesenden Eltern betreut werden,
in dem die Kinder morgens frühstücken, bevor sie in die Schule gehen,
in dem die Eltern darauf achten, daß Hausaufgaben gemacht werden, und manche Ablenkungen
untersagen,
...
zusammengefaßt gesagt, in dem Eltern sich wirklich um ihre Kinder kümmern?

Also, ich nicht. Für mich ist klar, daß sich ein gutes Elternhaus immer positiv auf die Kinder auswirken wird. Und ich glaube nicht daran, daß für alle alles besser wird, wenn wir all das, was normal hauptsächlich ins Elternhaus gehört (Essen, Werte, ...) konsequent in die Schule verlagern und dann alle Schüler zur Teilnahme an diesen wunderbaren Projekten verpflichten.

Ich warte heute schon auf die Einführung der Gemeinschaftsschule, die frühmorgens das gemeinsame Schulfrühstück anbietet. Und damit an diesem Frühstück auch wirklich alle Kinder teilnehmen – auch die, die zu Hause was kriegen – wird das Schulfrühstück gleich als verpflichtend für alle eingeführt. Damit erst gar niemand auf den Gedanken kommt, man könnte weiterhin zu Hause frühstücken, also beim Schulfrühstück nicht mitmachen ...

Der Gleichheitswahn treibt unser Bildungssystem in den Ruin! Das Konzept der Gemeinschaftsschule basiert darauf, daß sich die Guten und Leistungsstarken den Schwächsten anzupassen haben.
Zuletzt geändert von Herbie am 08.12.2006, 19:29:48, insgesamt 2-mal geändert.
Gruß von Herbie
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Beitragvon Rittersport » 26.11.2006, 18:06:22

@ Fränzy
Wir müssen uns eben entscheiden. Ist Erziehung und Bildung Aufgabe der Primäraufgabe der Eltern oder die des Staates. Wir können nicht einerseits für mehr Eigenverantwortung eintreten und gleichzeitig die Eltern bevormunden. Selbstverständlich ist es oft erschreckend, unter welch (schlechten) Bedingungen viele Kinder ihre Hausaufgaben machen müssen. Diese Bedingungen waren in der Generation meiner Eltern eher die Norm als die Ausnahme. Trotzdem haben diese Menschen es geschafft. Es gibt viele Kinder, die trotz schlechter häuslicher Voraussetzungen gute schulische Leistungen bringen. Mit eigenem Willen, Fleiß und Disziplin lässt sich viel erreichen. Und: Eine Hauptschule ist keine Sackgasse. Unser Schulsystem ist heute viel durchlässiger als das noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war. Voraussetzung ist aber hier wie da: Wille, Fleiß und Disziplin.
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Beitragvon Fränzy » 26.11.2006, 18:12:39

Herbie,

ich gebe dir vollkommen Recht, nur: um Gleichheit geht es doch überhaupt nicht. Es geht doch darum für solche Kinder Lösungen zu finden, damit das Elternhaus kompensiert wird... das muss nicht für alle Kids die gleiche Lösung sein.

Rittersport,

Fleiß, wille, Disziplin kannst du von GS - Schülern und Kigakids net unbedingt erwarten. Vor allem dann nicht, wenn die eltern daheim arbeitslos rumsitzen, kein Deutsch können.... Woher soll denn diese Kraft kommen? Und für diese Kinder ist HS schon eine Sackgasse. Daher denke ich, man müsste früher gezielter und individueller herangehen. Also Diagnostik im Kindergarten, z.B. DESK 3-6, Förderplanung, .... Ich lasse einfach nicht gelten, dass die Gesellschaft immer die Schuldigen sucht und dass nichts passiert. Fleiß, Wille, Disziplin müssten sich Eltern, lehrer, Politik und Sozialarbeit auf die Fahnen schreiben - um was zu ändern. Die Schüler sind die letzten, die was dafür können.
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Dt. Schulen zu sehr bürokratisiert !!

Beitragvon Ulrich » 08.12.2006, 13:51:52

Das Grundübel des deutschen Schulwesens ist doch, dass es zu sehr bürokratisiert ist. Der Fisch stinkt vom Kopf her !!
Erst wenn sich das eines Tages mal revolutionsartig ändert, hat Deutschland eine Chance, aus diesem PISA-Loch wieder rauszukommen.
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