Zukunft des Lehramtsstudiums / Lehrerausbildung

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Welche Studien-/ Ausbildungsinhalte präferierst du?

Mehr erziehungswissenschaftliche Inhalte sind dringend notwendig!
34
23%
Die Fachwissenschaften müssen weiterhin den Vorrang haben. Ohne Inhalt nützt auch die beste Methode nichts!
22
15%
Eine neue Verteilung muss gefunden werden. Ein adäquater Anteil erziehungswissenschaftlicher Inhalte, ohne Vernachlässigung der Fachwissenschaften ist wünschenswert.
92
62%
 
Abstimmungen insgesamt : 148

@Markus

Beitragvon Dinah » 16.05.2005, 18:34:04

Markus,

OT: Ich finde es in Ordnung, wenn im "Thema der Woche" nur Admin-Threads gestartet werden können, da hier sonst jeder seine persönlichen Hilfewünsche postet, weil dieses Forum oben in der Liste steht und einige Leute sich nicht an Strukturen halten können/wollen und ich es durchaus als sinnvoll empfinde, wenn in einem Unterforum ausschließlich aktuelle Dinge, bzw. Dinge von allgemeinem Belang, diskutiert werden.


Zum angesprochenen Problem:
Sicherlich ist die Bezahlung ein Skandal. Weniger von der absoluten Höhe her gesehen, sondern von den berufsbedingten Kosten her gesehen, die man von dem wenigen Geld noch mitfinanzieren muss. Bei mir ist das kostenlose Kopierkontingent schon lange aufgebraucht (2000 Kopien bei 6 Klassen à 30-33 Schüler ein Schuljahr lang ist einfach utopisch wenig) und meine 16 Stunden in der Woche (Einsatzjahr Bayern) an einer schlecht ausgestatteten Schule hält man nicht ohne Material, das auch erst finanziert werden muss. Hinzu kommen Fahrtkosten, usw., die auch noch von dem wenigen Geld bezahlt werden müssen. Nach den zwei Jahren kann ich froh sein, wenn ich nicht mit Schulden dastehe. Dabei stört mich nicht, dass ich kein Geld mehr habe, um ins Kino zu gehen, denn hierfür fehlt mir sowieso die Zeit. Ja, ich bin für leistungsabhängige Bezahlung, denn mir ist kein anderer Beruf bekannt, in dem man 70 Stunden (manchmal auch mehr) in der Woche arbeitet für derart wenig Geld, bzw. in dem die Azubis derart viele Dinge, die sie für die Arbeit brauchen, von ihrem Lohn bezahlen müssen.

Für den eigentlichen Skandal halte ich die fehlende soziale Absicherung in einem System, das mal eingeführt wurde, als es selbstverständlich war, dass alle Referendare (es sei denn sie klauten die berühmten goldenen Löffel) eine Stelle als Lehrer im Anschluss bekamen.
Doch diese Zeiten sind lange vorbei, nur das System ist noch immer das Gleiche.
Heutzutage stehen Referendare auch mit sehr gutem 2. Staatsexamen auf der Straße, haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, u.U. eine private Krankenversicherung am Hals, die dann selbst voll finanziert werden muss, und keinerlei erworbene Rentenansprüche nach zwei Jahren im Dauerstress - das halte ich schlichtweg für Ausbeutung. Es ist mir unverständlich, dass so etwas von staatlicher Seite her gemacht wird.

Gruß
Dinah
Dinah
 

Beitragvon Gast » 17.05.2005, 12:40:31

Hi Dinah!
Ich denke, um einen Job musst Du Dir keine Gedanken mehr
machen, seit 1999 in der Kultusministerkonferenz beschlossen
wurde, dass das 2. Staatsexamen zum Unterricht in allen
Bundesländern befugt, man muss leider nur ebenso flexibel sein,
wie Arbeitnehmer in anderen Berufsfeldern auch. Das kann zwar
problematisch werden, wenn man wie ich verheiratet und die
Frau (oder der Mann) berufstätig und somit ortsgebunden ist,
aber generell wird auf derartige Umstände ja noch immer
Rücksicht genommen.
Was das Arbeitspensum angeht, ist der Lehrberuf natürlich im
oberen Drittel der Arbeitsintensität anzusiedeln, besonders
wenn man meine Fächerkombi (Deutsch/Englisch) oder eine
ähnliche hat.
Ich muss Dir aber widersprechen, wenn Du sagst, dass es
niemanden gibt, der für soviel Arbeit so schlecht bezahlt wird,
denn ob man's glaubt oder nicht, es gibt eine weitere Berufs-
gruppe, mit der dasselbe gemacht wird, die Ärzte. Man sieht
also, dass in Deutschland die wichtigsten Berufe konsequent
unattraktiv gemacht werden, bis man es irgendwann geschafft
haben wird, die Akademikerflucht so weit zu treiben, dass man
sich Lehrer und Ärzte aus Indien importieren muss.
Es hilft auch nicht, dass Leute wie unser Kanzler Lehrer als
"faule Säcke" bezeichnen, während sie sich die Taschen
mit Steuereinnahmen füllen und im Bundestag immer gähnende
Leere herrscht, weil man ja im Aufsichtsrat noch etwas dazu-
verdienen kann. Als Lehrer oder Referendar hingegen braucht
man erstmal die Erlaubnis, überhaupt einer Nebentätigkeit
nachgehen zu dürfen!
Ich weiß ja nicht wo in Bayern du wohnst, aber wenn es wie
so teuer ist wie hier im Raum HD (eine 2ZKB ist praktisch unter
500 Euro kalt nicht zu haben!), dann erscheint diese Regelung
doch sehr paradox.
Es hilft aber nicht, nur hier im Forum darüber zu reden, wir als
Referendare müssen endlich handeln.
Ich habe schon der GEW geschrieben und gefragt, welche
Maßnahmen die denn so geplant hätten, habe bisher aber keine
Antwort bekommen.
Man muss endlich auf die Barrikaden gehen, eine Demo aller
Referendare in Berlin mit anschließender Konferenz oder so.
Das Problem ist halt, dass wahrscheinlich zu viele Leute Angst
haben werden, nicht übernommen zu werden und sich lieber
wie Fussabtreter behandeln lassen.
Gast
 

Beitragvon Tanja » 17.05.2005, 15:49:50

Ich verweise dazu auf meinen heutigen Beitrag zum Thema "18 Stunden eigenverantwortlicher Unterricht", wo ich deutlich mache, weshalb es keine Veränderungen für Nachwuchskräfte geben wird, solange sich genügend Akademiker finden, die sich den VOB bewerben und die Märchen der Regierung glauben um in Brot und Lohn zu kommen. Da hilft auch keine Demo, denn das ändert nichts daran, dass sich die Bewerbungen bei den Bezirksregierungen weiter stapeln. Und für jene, die auf den Zug aufgesprungen sind, ist es zu spät, sich darüber aufzuregen.

Es gibt nur ein Gesetz: „Wer nicht will, der hat schon!“ Es steht jedem frei, zu gehen -- auch beim Staat!

Tanja
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Beitragvon Markus » 17.05.2005, 16:16:52

Hi Tanja:-)
Es geht gar nicht darum, ob man gehen kann oder nicht.
Ich mag den Lehrberuf und könnte mir schwer etwas anderes
vorstellen, obwohl durchaus Angebote da sind.
Aber mit Deiner Einstellung kommen wir nicht weiter.
Man muss doch wenigstens versuchen, etwas zu ändern.
Markus
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Beitragvon Tanja » 17.05.2005, 17:48:35

Nun, ich fange bei mir an, wenn es um Veränderungen geht, nicht bei den anderen. Erst wenn ich es schaffe, für mich Veränderungen herbei zu führen, kann man das auch für andere tun. Alles andere wird so schnell beerdigt, wie es geboren wird. Die Zeiten, mit Schildern auf die Straßen zu gehen, sind vorbei und wir haben auch bei Hartz IV nichts bewegen können. Das Volk hat seine Stimme verloren. Das Programm wird gnadenlos durchgezogen, die Spieler stehen fest – wie im VOB. Revolution? Ja, gönne ich mir auch, im Fernsehen! Da zappe ich dann weg, wenn Werbung kommt. Doch was hat das mit Selbstbestimmung zu tun? Was ist eine Wahl, wenn die Protagonisten bereits feststehen und man als Wähler nur die Auswahl hat, aber keinen Einfluss auf das Programm? Selten zuvor, hat eine Demokratie so viele Egoisten geschaffen, wie unser System! Und nun halte ich mich das Programm, so wollen es die Politker. Hilf dir selbst, und das so gut und früh wie möglich. Das gilt für alle Erwerbslosen. ICH-AG? Eine treffende Bezeichnung für eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die ihr Vorhaben ganz auf das Wohl der eigenen Person konzentriert. Jeder Lehrer ist in seiner Klasse auch eine Form der ICH-AG. Solidarität? Die endet dort, wo die Opferbereitschaft einer ICH-AG anfängt! „Bitte nach ihnen, meine Damen und Herren! Treten Sie vor!“

Tanja
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Wir sind nicht in China

Beitragvon Markus » 18.05.2005, 10:04:49

Liebe Tanja,
anscheinend hat die Politik bei dir genau das erreicht, was sie
wollte. Du glaubst nicht mehr an das vom Griechischen her-
geleitete Wort Demokratie, das Volk regiert. Damit stehtst Du
nicht allein da hier in Deutaschland. Wenn Du aber über die
Grenzen unseres Landes hinaus schaust, siehst Du, dass Demokratie in Frankreich heute noch nach demselben Prinzip
erfolgreich betrieben wird wie vor über 200 Jahren: Solidarität.
Stell Dir vor, man hätte in Deutschland versucht (was noch
passieren wird!), den Pfingstmontag abzuschaffen. Wahrschein-
lich wären ca. 20 Leute aus Protest nicht zur Arbeit erschienen,
in Frankreich waren es Millionen. Das Volk regiert, es muss nur
an sich glauben. Sonst brauchen wir keine Demokratie mehr.
Markus
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Beitragvon Tanja » 18.05.2005, 10:39:44

Hallo Markus,

vollkommen richtig, da bin ich mit dir einer Meinung (was das Thema Solidarität im Ausland betrifft). Doch leider ist Frankreich mit Deutschland nicht zu vergleichen. Kein anderes Land der Erde hat Bürger, die soviel Abstand zur eigenen Nation haben, wir die Bundesrepublik Deutschland. Franzosen haben ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein und Solidarität kann darauf aufbauen. Unsere bittere Geschichte (die uns die Medien täglich erneut präsentieren um nicht zu vergessen) hindert uns in Wirklichkeit daran, endlich zu vergessen, ohne zu vergessen. Vor der Solidarität steht die Entdeckung dessen, was Deutsche längst verloren haben: Ein Nationalbewusstsein, die Freude, in diesem Staat zu leben. Ohne schlechtes Gewissen, die Landesflagge in der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie es für Franzosen und Amerikaner selbstverständlich ist. Deutsche dürfen sich das nicht wagen, ohne in die rechte Ecke gedrückt zu werden. Das Volk hat die Orientierung verloren und in einem Staat wo die Regierung gegen das Volk arbeitet und dabei die eigenen Taschen füllt, kann von Solidarität keine Rede sein. Man hat nur die Wahl, ob man auf der Seite derer stehen möchte, die wie Zitronen ausgepresst werden oder auf der anderen Seite, die den Saft bekommen. Doch beides schmeckt sauer. Die Demokratie kann nicht funktionieren, wenn gemeinsam kein Weg gegangen wird. Doch schon das Beamtentum zeigt die Ungerechtigkeiten in diesem Staat, wenn es darum gehen soll, alle Arbeitnehmer vor dem Gesetz gleich zu behandeln. Das ist keine Kritik, sondern eine Entscheidung der Regierung an einer 2-Klassengesellschaft festzuhalten, in denen Menschen ihrem Arbeitsplatz schutzlos ausgeliefert sind und andere sich alles erlauben können und trotzdem abgesichert sind. Ein heißes Eisen, an dem sich keine Politiker verbrennen möchten und deshalb bleibt Solidarität das was es ist: Nur ein Wort in einem Wahlprogramm – zumindest in Deutschland. Doch Worte machen nicht satt und leben kann man davon auch nicht.

Tanja
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