Zukunft des Lehramtsstudiums / Lehrerausbildung

Umfrage und Diskussion über das aktuellste schulpolitische Thema

Welche Studien-/ Ausbildungsinhalte präferierst du?

Mehr erziehungswissenschaftliche Inhalte sind dringend notwendig!
34
23%
Die Fachwissenschaften müssen weiterhin den Vorrang haben. Ohne Inhalt nützt auch die beste Methode nichts!
22
15%
Eine neue Verteilung muss gefunden werden. Ein adäquater Anteil erziehungswissenschaftlicher Inhalte, ohne Vernachlässigung der Fachwissenschaften ist wünschenswert.
92
62%
 
Abstimmungen insgesamt : 148

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Beitragvon dafe » 26.06.2005, 16:24:57

Hat jemand mal nähere Bekanntschaft mit dem konsekutiven Modell der Lehrerausbildung in NRW (Pilotprojekt oder so) gemacht?
Meine Erfahrung ist, dass Fachwissenschaft und Fachdidaktik/Pädagogik an der PH wild durcheinander lief, ohne Plan, abhängig vom Gutdünken des jew. Profs., durchsetzt von Praktika, die mal gut und mal gar nicht betreut wurden. Geflüchtet vor den wahren Anforderungen wurde in die blanke Theorie(geschichte): Pestalozzi, Nohl, Litt, Rousseau, Dewey wir kennen sie ja.
Die mit dem konsekutiven Modell einhergehende Entkoppelung würde letztlich auch unsere Profs. etwas in Zugzwang bringen, uns näher an die Praxis zu führen (Übung zur didaktischen Reduktion auf spez. Jahrgangsstufen o. ä.). Außerdem war dort auch die Absicht, dass nach dem fachwissenschaftlichen Teil gewechselt werden kann auf Magister/Diplom (bätschelor, master..), falls man sich doch gegen das Lehramt entscheidet. Würde nur noch ein anständiges Vorpraktikum fehlen (bei den Krankenpflegern gibts das auch) und fertich wär die Laube..

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Spiegelartikel

Beitragvon dafe » 05.07.2005, 15:42:13

Eine teilweise Selbstantwort mit diesem Link:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,363391,00.html
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Künftige Lehrerausbildung

Beitragvon Herbie » 10.07.2005, 12:38:00

Hallo, Leute!

Also ich finde es sehr wichtig, daß Lehramtsstudenten schon frühzeitig in die Schule hineinschnuppern (--> Schulpraktika). Erstens, damit sie sich ein genaueres Bild von ihrem angestrebten Beruf machen können (aus ihrer neuen Perspektive), und zweitens, damit sie Praxiserfahrung sammeln.

Ich selbst bin inzwischen Gymnasiallehrer und möchte meine fächerspezifische Ausbildung, die ich an der Uni erworben habe, nicht im geringsten missen. Sie ist für mich die entscheidende Grundlage für den Unterricht, ganz besonders in der Oberstufe.

Dazu kommt ein weiterer Gedanke: Weder die pädagogischen Seminare an der Uni noch die Pädagogikveranstaltungen am Lehrerseminar haben mich überzeugt. Und ich weiß, daß ich mit dieser Meinung nie wirklich alleine dastand. Mein Referendarjahrgang war mit den Pädagogikkursen jedenfalls ausgesprochen unzufrieden und hat dies im Seminar auch deutlich zu verstehen gegeben.

Ich habe echt den Eindruck, wir müssen erst noch herausfinden, wie angehenden Lehrern eine gute pädagogische Grundlage vermittelt werden kann.
Zuletzt geändert von Herbie am 17.07.2005, 20:50:15, insgesamt 2-mal geändert.
Gruß von Herbie
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Beitragvon SergiusPro » 06.08.2005, 0:06:33

Ich habe für den ersten Punkt gevotet, obwohl auch der dritte genauso gut ist, weil mir in meinem Studium vor allem Unterrichtsmethodik und -didaktik fehlen, wohingegen fachwissenschaftliche Themen zu oft unnötig gefordert werden.

Ich gebe lieber ganz praktische Beispiele.

Mein erstes Fach ist Mathe. Ich begreife immer noch nicht, wieso sollen wir, die Lehramtsstudis, zusammen mit den Bachelor/Master-Studis denselben Stoff lernen, obwohl er in der Schule gar nicht unterrichtet wird!?!? Wozu brauche ich den so tiefgehende Kenntnisse über Matrizen oder komplexe Zahlen oder noch was komplizierteres, was ich am Gymnasium nie unterrichten werde?! Nur damit ich in Mathe kompetent bin? Aber hätte ich das alles etwa nicht auch selbstständig lernen können? Wenn ich sowas an der Schule wirklich brauchen würde, ja bitte, lerne ich gerne was Neues dazu.

Es wäre viel besser, wenn ich anstelle dieser Studieninhalte lernen würde, WIE man den Schülern den SCHULstoff am besten beibringt, wie man MOTIVATIONSunterricht macht, dass es den Schülern Spass macht, so dass sie alles besser lernen und verstehen. Und eben das fehlt mir im Studium. Stattdessen muss ich mich mit Sachen quälen, die ich nie gebrauchen werde und eventuell sie vergesse. Naja. :roll:
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Beitragvon Herbie » 24.08.2005, 22:45:54

Hi nochmal!

Ich halte es nicht für denkbar und auch nicht für erstrebenswert, daß man als Lehrer den Schulstoff perfekt beherrscht und über den Horizont der Schule nicht (weit) hinausblicken kann.

Konkret: Ich habe auch Mathematik. Und bin froh, daß ich nicht nur den Schülern der Kursstufe die vollständige Induktion motivierend beibringen kann, sondern daß ich auch wirklich erfahren habe, wozu man sie brauchen kann ... ;) Dieses Hintergrundwissen ist manchmal wichtiger als jeder methodische Trick, den man auf einer Pädagogikveranstaltung mitgenommen hat.

Und was die Motivation angeht: Man kann als Lehrer für die älteren Schüler nicht die Motivation mitbringen und sie in Häppchen ausgeben. Die Schüler sollten langsam, aber sicher lernen, eigene Motivation zu zeigen; sonst werden sie zu einem Studium kaum fähig sein.

Na gut, ich geb's zu: Ich habe Mathe auch aus eigenem Interesse studiert – nicht nur um Lehrer werden zu können ... :D
Gruß von Herbie
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Beitragvon birke » 26.08.2005, 19:46:57

Im Grunde kann ich nun nicht über die Lehrerausbildung an Hochschulen mitreden, da ich sogenannte "Quereinsteigerin" bin, nicht "Seiteneinsteigern/Berufswechslerin" etwa: Doch ich verfüge über ein "normales" wissenschaftliches Diplom *grins* und das auch nicht in den Geisteswissenschaften.

Den "Schein" über die "gesonderte Prüfung EW" in NRW habe ich nun in der Tasche. Vielleicht bin ich deshalb eine schlechte Lehramtsanwärterin, weil mir die pädagogischen Grundlagen doch nur im "Crash-Kurs" vermittelt wurden? Ich glaube es nicht.

Ich rede und frage jetzt nur aus meiner Erfahrung, pädagogische Erkenntnisse kann ich nicht wirklich präsentieren :P : Warum gibt es Klassen, oft sehr schwierige mit schlechtem Gesamtniveau, mit denen ich dennoch super klar komme und andere, die gute Grundvoraussetzungen mitbringen, bei denen ich kein Bein in die Tür bekomme. Hilft da wirklich ein "Mehr" an "wissenschaftlicher Pädagogik"?

Oder ist es nicht eher eine Wesensfrage und jetzt mal ganz 'runtergebrochen eine Frage dessen, ob die "Chemie" zwischen Klasse und Lehrer stimmt? Und die stimmt nie immer und nimmer bei allen. Gute, fertig ausgebildete Lehrer reden auch offen darüber im Lehrerzimmer, zum Glück :lol:

Naiv, birke
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Beitragvon Ref_NRW2005 » 28.08.2005, 21:25:23

Hi,

auf jeden Fall wäre ich für einen Schwerpunkt in der Methodik und weniger in der Didaktik, was den pädagogischen Teil der Ausbildung angeht.

Außerdem sollten die Praxisphasen im Studium dringend ausgeweitet werden - ich wäre für ein Eingangspraktikum von einem halben Jahr vor Beginn des Studiums, mit Seminaren, Ausbildungskoordinatoren und Lehrproben, damit man bereits ein klares Bild von dem Stress bekommt, der in der Ausbildung auf einen zukommt (möglicherweise auch weit entfernt vom Wohn- und nicht am Wunschort, damit die Belastung ganz klar wird).

Die Assistenzärzte bekommen inwzischen aber mehr Geld. Die AIPler waren ähnlich gekniffen wie wir, aber das AIP-Jahr hat man abgeschafft, das Ref aber noch lange nicht. Klar, warum auch? Das gibt billige Arbeitskräfte für die maroden Länder, die sind doch glücklich, dass sie Dumme finden, die für das Geld, das unter dem Existenzminimum liegt, wenn wir die KV abziehen, sich noch so totschuften wie wir es tun und uns den Belastungen aussetzen.

Es gilt wie überall: Angebot und Nachfrage. In Zeiten, in denen es auch in der freien Wirtschaft sehr schwer ist, überhaupt einen Job zu kriegen, können die mit uns Refis eben so machen, was sie gerne möchten, sprich:Dafür sorgen, dass wir schuften ohne Ende für einen Hungerlohn (als Gymnasiallehrer zählst Du ja bei den Lehrern zu den "Großverdienern" im Ref!)..

Streiken können wir als Beamte auf Widerruf ja auch nicht, weil wir eben Beamte sind - und wenn wir nicht sofort einen Job haben, sind wir ein Fall für Hartz IV nach unserer Ausbildung (in dem Punkt ging es den AiPlern besser;-)).

Aber die Öffentlichkeit jammert ja so gern vom gemeinen, faulen Lehrer...;-) Ihr kennt das ja auch aus Eurem Bekanntenkreis, oder;-)? Aber kaum einer von denen muss am WE noch sitzen*bitterlächel*

Grüße
Ref_NRW2005

PS: Ein Modell, in dem erst das Theoriegebäude aufgestellt wird, wie in NRW und es danach erst in die Praxis geht, hat eine Menge Nachteile, weil es eben erst nur in die Theorie geht... Ich denke fast, ein PH-Modell wäre das bessere...
Ref_NRW2005
 
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