Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Fragen & Antworten zu didaktischen Problemen, methodische Kniffe für den nächsten Unterrichtsbesuch usw.

Re: Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Beitragvon maxdachs » 28.10.2019, 18:02:39

MarlboroMan84 hat geschrieben:Immer Text lesen und dazu Arbeitsaufträge ist halt auch nicht der Knaller. Das finden die am Gymnasium auch nicht spannend, aber sie machen es halt.


Habe nie gesagt, dass ich immer nur Texte lesen will. Wie oben schon beschrieben sind meine Möglichkeiten hinsichtlich der Medienvielfalt aber leider recht begrenzt und Texte lesen gehört für mich im Geschichtsunterricht irgendwie dazu, zumal Schüler ja generell auch einfach Lesen lernen sollten. Und was du da zu den Gymnasiasten geschrieben hast, dass die das halt einfach machen, ist zwar vollkommen richtig, es sind dabei aber auch grad die Gymnasiasten, mit denen man andere Dinge als einfach nur Texte lesen wirklich machen kann. Als ich jetzt fast 2 Jahre am Gymnasium, habe ich in jeder Hinsicht deutlich vielfältiger gearbeitet. Ich hatte ein Smartboard und konnte Bilder und Videos zeigen. Wenn man den Schülern freie Schreibaufträge gegeben hat, haben sie was geschrieben und neue Arbeitsformen-/Aufträge brauche man im Großen und Ganzen auch einfach nur mal durchsprechen und gut erklären. Soweit ich das Einschätzen kann, sind ca. 80 % meiner Schüler für eigenständige offene Arbeitsaufträge wenig bis kaum zu gebrauchen, das fängt schon da an, dass die allerwenigsten überhaupt annähernd genügend soziale Kompetenz für eine Gruppenarbeit mitbringen und selbst der von mir zugegebenermaßen sehr erschöpfend gebrauchte Standardarbeitsauftrag "Lies den Textabschnit x auf Seite y und beantworte Frage a,b,c" ist für viele Schüler schon allein von den Arbeitsanweisungen her immer noch eine Herausforderung...

Nicht umsonst zeigen viele Untersuchungen, dass der gute alte Frontalunterricht äußerst effektiv und somit nach wie vor sehr relevant ist. Neue, abwechslungsreiche und offene Arbeitsformen zwecks Schülermotivierung etc. sind generell eine Bereicherung für die Schule, aber nicht grundsätzlich des Rätsels Lösung, zumal sie in der Regel eben nicht wirklich einfacher sind. Lesen und Schreiben in Form von schriftlichen Arbeitsaufträgen sind natürlich der Graus grad vieler fauler Schüler, die im Unterricht/der Schule nicht viel Sinn sehen. Es sind aber gleichzeitig Tätigkeiten, mit denen sie einigermaßen vertraut sind und grad das ist für Schüler, denen konzentriertes und ergebnisorientiertes Arbeiten schwer fällt und die generell leicht überfordert sind, schon ein großes Plus.
Zuletzt geändert von maxdachs am 28.10.2019, 18:43:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Beitragvon maxdachs » 28.10.2019, 18:08:26

Ich will mich jetzt hier also nicht rechtfertigen, aber die gebrachten Antworten gehen zumindest an meinem Problem vorbei. Für mich stellt sich weniger die Frage OB ich die Schüler lesen lasse und WIE VIEL ich sie lesen lasse (auch wenn letzteres natürlich nicht unwichtig für gelungenen Unterricht ist), sondern meine Frage ist vielmehr, WIE ich die Schüler so lesen lasse, dass die Textarbeit gelingt. Zum Beispiel Tipps zum kleinschrittigeren Vorgehen, Lesestrategien im Ganzen (ich kenne natürlich welche aus dem Ref, halte die für meine SuS aber auch wenig angemessen)...
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Re: Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Beitragvon kecks » 30.10.2019, 15:39:31

du verstehst offenbar das problem immer noch nicht. du zeigst hier in deinen formulierungen eine sehr abschätzige haltung deinen sus gegenüber ("nicht zu gebrauchen"). menschen sind nie zu etwas zu gebrauchen sondern ein zweck an sich selbst. wenn sie eine methode noch nicht beherrschen, ist es dein job, diese methode kleinschrittig aufzubereiten und damit arbeit mit ihr möglich zu machen. das passiert sicher nicht sinnvoll, wenn die zielmethode für die sus völlig sinnfrei und langweilig ist. warum sollten die das machen? weil du das sagst? na dann. viel erfolg.

du sagst, du wüsstes nicht, wie du ohne textarbeit die stunden füllen solltest.

tipp: handlungsorientierung, bilder, comics, letzte sprechblase leer, sus ergänzen, szenisches spiel aller art, ganz viel kleinschrittige (! nicht "hier ist eure gruppenarbeit, let's go") soziale formen, filme... (ihr habt bestimmt irgendwo einen tv, einen tragbaren beamer, einen ohp... was auch immer. notfalls hängste ausdrucke an die tafel mit magneten und lässt die sortieren. irgendwas geht immer.) schreib die quellen in fiktive interviews um, lass sie die vorgegeben, aber vermischten fragen den antworten zuordnen, zwei sus das interview vortragen, zwei andere stellen das geschehen szenisch dar, ihr verfasst einen radiobericht (mündlich!) drüber, ihr spielt es einfach nur, ihr visulisiert das verhältnis der beiden fraktionen als standbild, was weiß ich. da gibt es doch endlos viel. bastelt eine reale timeline quer durchs klassenzimmer mit aufgehäbgten postkarten zu den wichtigsten ereignissen. ergönzt das jede stunde. wenn sie das runterreißen eben auf überkopfhöhe an die wand. lass jeden eine der rollen in der quelle einnehmen und sie die quelle weiterspielen nach abbruch an der spannenden stelle ("du hast meine burg belagert. nun werde ich..." - ja, was wirst du? deine verbündeten holen? dich gleich angreifen? zum papst laufen und petzen...?). dann fertiglesen. wie auch immer, tu was. lass burgmodelle basteln, schreib mit ihnen das videoblog eines jungen aus dem mittelalter, lass sie schilder für ein lebensgroßes modell des lokalen historischen rathauses mit infos basteln, keine ahnung. aktivier sie. gib ihnen einen lückentext zum ausfüllen anhand der quelle. in normalem deutsch, besser in leichter sprache. lass zwischendrin an spannenden stellen eigene ansichten in form von satzergänzungen einbauen. ("ich finde das verhalten der bauern im bauernkrieg...., weil..."). ...

sonst solltest du dich vielleicht mal in richtung sprachsensiblen unterricht schlau machen.. und in richtung leichte sprache. vielleicht kannst du ja die quellen alle selbst in leichte sprache umschreiben, wenn dir das quellen lesen so verdammt wichtig ist und schon nicht die kinder im mitelpunkt stehen sollen.
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Re: Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Beitragvon maxdachs » 31.10.2019, 16:33:46

Hey,

zunächst mal danke für die Mühe, die du hier reinsteckst, aber entgegen deiner Aussage

kecks hat geschrieben:du verstehst offenbar das problem immer noch nicht.


..bist du offenbar derjenige, der das Problem hier immer noch nicht versteht.

kecks hat geschrieben:du zeigst hier in deinen formulierungen eine sehr abschätzige haltung deinen sus gegenüber ("nicht zu gebrauchen").



OK, mag sein, dass das abschätzig klingt und ich bin auch oftmals alles andere als begeistert von der Arbeitshaltung und Leistungsfähigkeit meiner Schüler. Und wenn du z.B. eine Doppelstunde lang einen einfachen Märchentext mit einer Klasse lesen würdest und diesen schrittweise Abschnitt für Abschnitt in Form grundlegender Fragen zum Inhalt - MÜNDLICH! IN EINEM UNTERRICHTSGESPRÄCH! - erarbeiten wollen würdest - und am Ende der Stunde sagen dir die Schüler immer noch, dass es bei Masha und der Bär keine sprechenden Tiere gibt, dann wüsstest du vermutlich auch nicht mehr weiter. Aber das sind doch hier sprachliche Spitzfindigkeiten. Ich darf doch mal genervt klingen, wenn ich über meine Schüler spreche, das heißt doch nicht, dass ich sie verachte oder dass da schlechte Stimmung herrscht.


kecks hat geschrieben:menschen sind nie zu etwas zu gebrauchen sondern ein zweck an sich selbst. wenn sie eine methode noch nicht beherrschen, ist es dein job, diese methode kleinschrittig aufzubereiten und damit arbeit mit ihr möglich zu machen.


Da stimme ich dir vollkommen zu. Aber genau deswegen bin ich ja hier und da du mein Anliegen offensichtlich verstanden hast - sonst würdest du mir ja keine Tipps geben - kann daran doch auch für dich eigentlich kein Zweifel bestehen. Ich schreibe hier ja nicht : Oh Gott, ich armer Kerl, meine Schüler sind zu blöd. Sondern ich frage, wer mir weiterhelfen kann, damit ich mit leistungsschwachen Schülern (und das sind sie nun mal) die in manchen Fächern nötige Textarbeit machen kann.

kecks hat geschrieben:das passiert sicher nicht sinnvoll, wenn die zielmethode für die sus völlig sinnfrei und langweilig ist. warum sollten die das machen? weil du das sagst? na dann. viel erfolg


Sorry, aber sowas kann ich nicht ernst nehmen. Ich habe ein paar aufgeschlossene, interessierte und leistungsbereite Schüler. Aber der Großteil - wegen dem ich hier schreibe - findet mit Sicherheit keine der von dir genannten Methoden so interessant, spannend oder "sinnvoll", dass er aufgrund dieser spannenden Methode und weil der Unterricht ja ausnahmsweise mal so interessant ist, mitarbeitet. Und selbst wenn die SChüler da Bock drauf hätten, bleibt das Problem, wegen dem ich hier schreibe und das von dir und einigen anderen hier leider ignoriert wird: Wie kommen die Schüler an das Wissen, das sie - egal ob in Form von ganzen Sätzen in ihr Heft oder in eine vorgedruckte Sprechblase, Lückentext oder wie auch immer - reinschreiben. Es ging ja nie darum, dass die Schüler ihr Heft vollschreiben sollen. Das große Problem ist ja das Lesen und das Verstehen und nicht oder zumindest weniger das Schreiben.

kecks hat geschrieben: sonst solltest du dich vielleicht mal in richtung sprachsensiblen unterricht schlau machen.. und in richtung leichte sprache. vielleicht kannst du ja die quellen alle selbst in leichte sprache umschreiben, wenn dir das quellen lesen so verdammt wichtig ist und schon nicht die kinder im mitelpunkt stehen sollen.


Und das knüpft hier wieder an das oben GEschriebene an: Von sowas wie Quellenarbeit war entgegen deiner Behauptung nie die Rede. Nie im Leben würde ich versuchen, mit denen ne Quelle zu lesen. Ich unterrichte meine Siebtklässler größtenteils mit Material für 5./6 Hauptschule und da sind durchaus nett gemachte Arbeitsblätter dabei. Aber irgendwie muss dann halt doch dabei mal was gelesen werden. Meine Fünftklässler unterrichte mit Grundschulmaterial, das ist denen aber auch zu schwer.
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Re: Texte behandeln in Geschichte/GL Hauptschulniveau?

Beitragvon kecks » 31.10.2019, 18:47:52

...die genannten methoden verbessern gerade bei im lesen und denken herausgeforderten sus meiner erfahrung nach massiv das textverständnis. meine kandidaten waren zwar alle schon über 15 (berufsschule), aber das verbesserte das grundproblem (probleme beim afb II und III; sinnentnehmendes lesen schwierig, entsprechendes schreiben noch viel mehr) eher wenig, macht es eher schlimmer, weil sich jahre des frusts angehäuft hatten und dann schon der text selbst emotinal mies beladen war.

vom sprachsensiblen unterricht und dem einsatz einfacher sprache ganz zu schweigen, auf die du null eingehst.

- ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was du hier hören willst. wunderrezepte? bestätigung deiner vorgefassten meinung? lass dich auf die erfahrungswerte der anderen ein oder auch nicht, deine sache. viel erfolg.
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