Ungeeignet in einem Fach

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.
isogk
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Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von isogk »

Ich habe hier schon mehrfach geschrieben, weil meine Situation in einem Fach leider von Anfang an schlimm ist.
Während ich mich in einem Fach sehr wohl fühle und sowohl von meiner Mentorin als auch Seminarleiterin als auch von mir selbst positive Rückmeldungen bekomme und dort - denke ich - im guten bis sehr guten Bereich stehe, stehe ich im zweiten Fach von Anfang an auf dem Abstellgleis. Ich habe von Anfang an leider solche Angst gehabt, die mit heftiger Kritik immer schlimmer wurde. Während ich in Fach 1 sowohl fachlich als auch pädagogisch gelobt wurde und werde, werde ich in Fach 2 sowohl pädagogisch als auch fachlich nur kritisiert. So sehr, dass mir nach einem halben Jahr von meiner Mentorin gesagt wurde, dass sie mich als Lehrerin ungeeignet sieht und ich besser aufhören solle - nachdem ich ca. 3 Monate unterrichtet habe (davor hat sie mich sehr viel hospitieren lassen). Ich bin von Anfang an beinahe in jeder Stunde einer Beobachtungssituation ausgesetzt - neben meiner eh schon vorhandenen Angst hat mich das leider extrem runtergezogen und schon war der Teufelskreis da aus dem ich nicht mehr rauskomme. Ich habe in diesem Fach jeden Unterrichtsbesuch versemmelt, auch mein normaler Unterricht ist oft nicht gut. Das weiß ich und ja, natürlich werden da auch fachliche Defizite sein! Dennoch denke ich, dass vieles einfach jetzt so aufgrund der Umstände ist (eigene Angst, Druck durch Beobachtung). Ich sitze manchmal vor der Planung und bekomme schon Angst, wenn ich weiß, dass wieder jmd. mit drin sitzt. Ich blockiere komplett - sowohl in der Planung als Durchführung. In der Corona Zeit im reinen Homeschooling habe ich viel Lob von den Eltern erhalten, die sich gut betreut fühlten. Im Unterricht danach mit halben Klassen hatte ich überwiegend allein, weil meine Mentorin in ihrer Klasse unterrichten musste - nein, nicht alle Stunden waren gut, manche waren Katastrophe, ja, aber ... ich hatte das Gefühl, dass es langsam besser wurde: Weil ich lockerer wurde etc. Dann kam wieder meine Mentorin mit rein, ein Unterrichtsbesuch stand an... alles mist. Meine Seminarleitung entgegenete mir wortwörtlich "In ...(Fach) wird das bei Ihnen nichts mehr." Nun soll ich nach den Ferien - Prüfung ist zwischen Oktober und Dezember - wöchentlich von der Schulleitung besucht werden. Ferner wird zweimal die Mentorin mit drin sein, durch Doppelbesetzung vermutlich auch die anderen Stunden mit Begleitung. Der Druck wird also noch viel größer, weil man mir den eigenverantwortlichen Unterricht entziehen möchte und man mich aber bisher erst einmal gesehen hat und nur das was die Mentorin gesagt hat gehört hat. Im zweiten Fach wurde meine andere Mentorin nie befragt wie es klappt. Ich unterrichte wirklich gern und ohne diesen Beobachtungsdruck denke ich auch, dass es mit der Zeit immer besser wird und klappen wird... aber momentan weiß ich gar nicht, ob ich so überhaupt bestehe... Wenn keiner an mich glaubt, wie soll ich dann an mich glauben? Ich kann es gerade (kaum) noch...

Edit 1: Ich würde einfach gern wissen, ob es anderen auch so ging und ob Hoffnung besteht, dass man jemals dieses "Traumata" (mir ist bewusst, dass das übertrieben ist) überwinden kann - sofern ich überhaupt bestehe

Edit 2: Ich bin dabei was gegen mein Angst zu tun.

Yubel
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Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von Yubel »

isogk hat geschrieben:Ich würde einfach gern wissen, ob es anderen auch so ging und ob Hoffnung besteht, dass man jemals dieses "Traumata" (mir ist bewusst, dass das übertrieben ist) überwinden kann - sofern ich überhaupt bestehe.


Hallo,
dass Du Dich in so einer Beobachtungssituation unwohl fühlst, ist verständlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass Du im Vorbereitungsdienst zumindest in einem Deiner Fächer ordentlich einstecken musst. Deswegen ist es gut, dass Du Dich bis jetzt durchgekämpfst hast - gut gemacht!
Dass Du nach Deinem Vorbereitungsdienst als Junglehrer in der Probezeit von Deiner Schulleitung im Unterricht besucht wirst (die Anzahl der Besuche ist abhängig von Bundesland und teilweise auch vom Beschäftigungsverhältnis) ist Dir sicherlich bewusst. Es gibt auch Schulen, in denen kollegiale Hospitationen stattfinden und viele Bundesländer erlauben es (zumindest theoretisch) Erziehungsberechtigten, den Unterricht zu besuchen. Insofern hören die Hospitationen nicht auf. Diese Hospitationen fallen im Vergleich zum Vorbereitungsdienst natürlich seltener an und in der Regel bist Du im Unterricht allein mit der Klasse oder mit einer pädagogischen Fachkraft und/oder einer Förderschullehrkraft im Raum - vergleichbar mit dem Vorbereitungsdienst ist das aber nicht. Ich kann mir vorstellen, dass Du also dadurch, dass Hospitationen seltener stattfinden, Dich an die tägliche Arbeit gewöhnst. "Routine" ist hier das Schlagwort. Diese Routine erwirbst du als vollwertige Lehrkraft und nicht mehr als anzuleitende Lehrkraft im Vorbereitungsdienst. Dein "Status" ist hier also ein anderer.

In Deiner jetzigen Situation könntest Du mit Deinem Mentor die Stunden, in denen er Dich besucht, gemeinsam planen. Auf diese Weise wäre er mit im Boot und könnte zur Erhöhung Deiner Unterrichtsqualität beitragen. Neben dem Team-Planing wäre auch Team-Teaching eine Möglichkeit. Team-Teaching setzt allerdings voraus, dass Ihr gleichermaßen daran Interesse habt.
Viele Grüße

Yubel

isogk
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Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von isogk »

Vielen Dank für deine Rückmeldung.

Das ist mir bewusst, dass die Beobachtungssituationen nicht aufhören. Vermutlich werde ich dann aufgrund des "Traumatas" auch wieder ordentlich schlucken, andererseits hoffe ich bis dahin wenigstens ab und an alleine gelassen zu werden und somit meine Unsicherheit durch Routine ablegen zu können - wie du es auch schreibst.

Das Bild von mir wurde ja bereits nach sehr kurzer Zeit gemacht und von mir dann durch meine eh schon bestandene Unsicherheit noch bestätigt.
Dass meine Schulleitung mir heute gesagt hat, ich sei ungeeignet und ich solle lieber etwas anderes machen - obwohl sie mich erst einmal gesehen hat, sonst auf die Meinungen meiner Mentorin im Fach beruht und nicht mal einmal das Wort mit meiner anderen Mentorin sucht - das ist schon bitter - denn wie gesagt läuft das andere Fach wirklich richtig gut.
Ich frage mich wie es angehen kann, dass es so unterschiedlich ist. Mein anderes Fach ist "nur ein Nebenfach", wenn ich mich gegenüber meiner Hauptfachmentorin erklären möchte, aber auch hier - und gerade in diesem Fach - ist Chaos vorgesehen, wenn ich hier pädagogisch häufiger falsch handel. Es klappt aber. Was mich eben vermuten lässt, dass vieles durch meine eigenen Selbstzweifel und die ständige Kritik bei mir blockiert. Danke fürs Zuhören.

kecks
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Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von kecks »

- beobachtet werden macht oft keine freude und stresst, kritik kann sehr hart sein. beides ist verständlich, aber es hilft dir nicht weiter. wenn du sagst, dass du glaubst, dich durch mehr routine in dem schwächeren fach entwickeln zu können, dann könntest du dich noch viel besser entwickeln, wenn du zusätzlich an deinen fehlern arbeitest. v.a. fachliche mängel kann man abstellen, lesen und studieren kannst du ja, siehe unistudium. das wird schon, wenn du die zeit und arbeit investierst. was den rest angeht, sind die besuche doch gerade wertvoll, insofern du erfährst, was genau du momentan noch nicht optimal gestaltest. am gröbsten fehler setzt du an und lässt dich von deiner mentorin coachen. das ist hart, ja, aber von nichts wird es nicht besser und von bloßer routine verfestigen sich höchstens die vorhandenen fehler. trau dich, arbeite dran, nicht nur an deiner angst sondern vor allem am unterricht und den fachlichen mängeln. lass dir helfen von deinen mentoren und ausbildern, dafür sind sie da. kritik ist unterstützung. mund abputzen, dranbleiben, weitermachen!

MarlboroMan84
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Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von MarlboroMan84 »

Du solltest dringend alle Unterrichtsstunden mit jemandem zusammen vorbereiten und das auch verschriftlichen.

schotti
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Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von schotti »

isogk hat geschrieben:
13.07.2020, 23:44:54

Dass meine Schulleitung mir heute gesagt hat, ich sei ungeeignet und ich solle lieber etwas anderes machen - obwohl sie mich erst einmal gesehen hat, sonst auf die Meinungen meiner Mentorin im Fach beruht und nicht mal einmal das Wort mit meiner anderen Mentorin sucht - das ist schon bitter - denn wie gesagt läuft das andere Fach wirklich richtig gut.
Ich frage mich wie es angehen kann, dass es so unterschiedlich ist. Mein anderes Fach ist "nur ein Nebenfach", wenn ich mich gegenüber meiner Hauptfachmentorin erklären möchte, aber auch hier - und gerade in diesem Fach - ist Chaos vorgesehen, wenn ich hier pädagogisch häufiger falsch handel. Es klappt aber. Was mich eben vermuten lässt, dass vieles durch meine eigenen Selbstzweifel und die ständige Kritik bei mir blockiert. Danke fürs Zuhören.
Hier muss ich nochmal nachfragen:
Wer hat genau gesagt, dass du nicht geeignet sein sollst? Im ersten Beitrag ist von einer Mentorin die Rede, jetzt auch die Schulleitung?
Das ist wichtig, denn die Schulleitung haben schon deutlich mehr zu sagen als Mentoren.

Ich möchte dir folgende Möglichkeiten aufzeigen:
1. Du musst wieder aktiv und handlungsfähig werden. Es ist wichtig, die Schulleitung hinter sich zu haben und denen zu zeigen, was man kann. Bedeutet in deinem Fall, setze dich mit der Schulleitung zusammen und schildere auf jeden Fall, dass es in dem anderen Fach gut läuft und signalisiere Handlungsbedarf. Sprech dich aber vorher mit der Kollegin ab und frag sie, ob du diese Signale richtig verstanden hast, denn die Schulleitung wird mit ihr darüber sprechen.

Handlungsbedarf signalisieren bedeutet, klar und deutlich zu sagen, ich möchte die Prüfung bestehen, mir ist jedoch klar, dass es momentan nicht reichen wird. Was kann ich tun, damit ich die Prüfung bestehe und wie könnt ihr mir helfen?

Das ist erwachsen und zeigt deine Bereitschaft, Krisen zu bewältigen und im Team zu arbeiten. Das wird dir positiv ausgelegt. Wenn die Schule nicht völlig desorganisiert ist, wird man versuchen dir zu helfen und eine Vorgehensweise besprechen. Schulleiter sind häufig sehr daran interessiert, einen guten Überblick über ihren Laden zu haben und das der Laden gut läuft, vermitteln also gerne in solchen Situationen.

Sollte dabei etwas abgesprochen werden, kannst du hinterher die Fachleiter darüber informieren. Auch die sehen es normalerweise gerne, wenn die Auszubildenen Initiative zeigen.

2. Du bist niedergeschlagen und traumatisiert. Das kostet viel Kraft und behindert natürlich unheimlich bei den ganzen Dingen, welche die Ausbildung von einem fordert. Da würde ich mir Gedanken machen, ob das noch alleine zu bewältigen ist, oder ob du dir eventuell die Hilfe eines Profis suchen solltest. Es gibt Leute (häufig auch Lehrer), die Referendare coachen und gezielt auf solche Unterrichtsbesuche sowie die Prüfung vorbereiten. Das kann zumindest kurzfristig eine große Hilfe sein, denn im Endeffekt kann wirklich niemand nach drei Monaten wirklich beurteilen, ob du jetzt für den Beruf geeignet bist oder nicht. Es geht jetzt nur darum, die Ausbildung irgendwie zu schaffen.

Alles Gute

Maximer
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Registriert: 18.01.2018, 13:39:30

Re: Ungeeignet in einem Fach

Beitrag von Maximer »

isogk hat geschrieben:
13.07.2020, 17:40:35
Wenn keiner an mich glaubt, wie soll ich dann an mich glauben? Ich kann es gerade (kaum) noch...

Edit 1: Ich würde einfach gern wissen, ob es anderen auch so ging und ob Hoffnung besteht, dass man jemals dieses "Traumata" (mir ist bewusst, dass das übertrieben ist) überwinden kann - sofern ich überhaupt bestehe
Hört sich jetzt ziemlich plump an, aber da hilft nur hart dranzubleiben und sein Ding durchzuziehen. Gerade im Referendariat ist positive Rückmeldung sehr rar gesät, Kritik (und leider nicht immer konstruktive) steht deutlich im Vordergrund. Durchaus auch bei Leuten, die eigentlich gut sind und keine offensichtlichen fachlichen Defizite aufweisen. Letzteres ist natürlich schwierig und ein gefundenes Fressen für dir nicht wohlgesinnte Mentoren/Fachleiter. Das solltest du also wenn es irgendwie geht abstellen; keine Experimente machen, auf erprobtes Material zurückgreifen und dich mit dem Stoff gründlich auseinandersetzen. Auch taktisch klug vorgehen, also keine Themen behandeln, die dir selbst nicht liegen. Nötigenfalls Stoffverteilungspläne geschickt organisieren, so dass zumindest die wichtigen Unterrichtsbesuche möglichst zum passenden Thema stattfinden.

Ich hatte z.B. weder fachliche noch pädagogische Defizite, trotzdem gab es zuhauf Kritik (teilweise einfach an den Haaren herbeigezogen, was man unter anderem leicht daran merkt, wenn sich Mentoren/Fachleiter gegenseitig widersprechen: Der eine lobt das, was der andere kritisiert oder die Kritik ist so schwammig, dass sie alles und nichts aussagt). Beispiel: "Sie wenden motivierende Methoden an, die die SuS fesseln und mitreißen, aber man merkt bei Ihnen nicht, dass Sie sich für das eigene Fach begeistern." Wie gehe ich mit solch einer leeren Kritik im Referendariat am besten um? Indem ich mich für den Hinweis milde lächelnd (aber nicht grinsend!) bedanke und mir meinen Teil denke.

Kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Wir müssen alle täglich Neues lernen und wir machen täglich viele richtig, aber auch immer genügend Fehler. Leider ist man im Referendariat in einer Situation, die nur bedingt Fehler erlaubt und verzeiht. Wenn du merkst, dass man dir gegenüber blockt und es im Grunde egal ist, was du im konstruktiven Sinne unternimmst, schau zu, dass du die Schule wechseln kannst. Das aber nur als Notlösung im äußersten Fall, wenn alle Stricke gerissen sind.

Letzter Tipp: Beschäftige dich nicht mit dem, was gestern war, sondern damit, was du morgen (besser) machen wirst!

Viel Glück!

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