Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.
mira776
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Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Beitrag von mira776 »

Hallo ihr,
ich habe alle Lehrproben, Prüfungen, Unterrichtsbesuche etc. überstanden und habe noch wenige Wochen bis zu den Sommerferien.
Die 1.5 Jahre Ref (BaWü) waren für mich eine extreme Zeit, jetzt, wo alle Noten stehen, merke ich, dass es phasenweise (also meistens) eigentlich zuviel für mich war. Ich habe 200% gegeben um den Ansprüchen meiner zwei sehr speziellen und fordernden Mentor/innen (beide haben ihr Ref mit 1.1 und 1.2 abgeschlossen) irgendwie gerecht zu werden. Ich bin kein Überflieger, war ich noch nie, aber 2er-Bereich war für mich immer voll ok.
Mein Mentor an meiner Erstfachschule ist extrem dominant und das Kollegium richtet sich nach ihm. Mittlerweile ist er sogar Konrektor. Er meinte einmal zu mir, ich sei wie ein Gespenst, keiner würde mich kennen, ich sei vom Typ her so unscheinbar und es müsste da echt mehr kommen. Ich verstehe mich mit einigen aus dem Kollegium sehr gut und habe immer jemanden zum plaudern, seine Aussage hat mich verletzt. Ich glaube auch, er hat sich anderen Kollegen gegenüber nicht immer positiv über mich geäußert hat, es gab ein paar enge Kolleginnen des Mentors, die mir scheinbar aus dem Weg gegangen sind.
Meine Mentorin in der Zweitfachschule ist vom Typ her sehr schnippisch, ich wurde oft wie ein Schüler gemaßregelt und angeschnauzt. Ich glaube manches meint sie gar nicht so böse wie es rübergekommen ist, aber irgendwann war ich total allergisch auf sie und jede Email (mit schnippischem Inhalt) machte mich wütend. Die Klasse von ihr ist sehr schwierig, ich wurde in der Lehrprobe von einem Schüler geboxt, konnte die Situation aber zur Zufriedenheit von mir und der Prüfer klären.
Beide Mentoren haben sich immer extrem in meinen Unterricht eingemischt, eigene Inhalte noch reingebracht, Schüler rausgezogen mit denen sie noch was zu klären hatten.
Kurz, es war für mich eine heftige Zeit, ich bin froh jede Prüfung bestanden zu haben und in wenigen Wochen mein Zeugnis in Empfang nehmen zu dürfen. Eine Stelle habe ich für nächstes Schuljahr auch. Trotzdem hängen mir diese 1.5 Jahre, die MentorInnen, der Stress, die Prüfungen, die Schulen und meine zwei herausfordernden Klassen nach. In den letzten paar Wochen vor den Ferien passiert ja nichts mehr schlimmes (keine Prüfungen etc.), trotzdem ist mein Körper noch im Gefahrenmodus, ich schlafe schlecht und bin angespannt.
Mein Selbstbewusstsein wurde in der Zeit nicht gerade gestärkt, daher muss ich schauen, dass ich einen guten Start in der neuen Schule habe, offen auf andere zugehen kann, ohne die negativen Referfahrungen im Kopf zu haben. Meine neue Schulleiterin meldete mir übrigens nach meiner Hospitation an der Schule zurück, ich mache einen sehr offenen und sympatischen Eindruck und die Lehrer/innen an der Schule, bei denen ich an dem Tag hospitiert habe, hätten ihr ebenfalls einen sehr positiven Eindruck von mir zurück gemeldet. Nix da mit Gespenst das keiner kennt :)
An diejenigen, die auch eher ne heftige Zeit im Ref hatten, wie habt ihr es geschafft, Frieden mit der Zeit zu schließen? Wie konntet ihr die 1.5 Jahre hinter euch lassen?

schotti
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Re: Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Beitrag von schotti »

Deine Zusammenfassung ist wieder mal ein gutes Beispiel dafür, wie das Referendariat einen Menschen nicht ausbildet, sondern kaputt macht.

Deine Mentoren sind ein gutes Beispiel für zwei ehemalige Referendare, die ihre guten Zensuren wahrscheinlich nicht aufgrund von Leistung, sondern guter Fähigkeiten in Bezug auf Selbstdarstellung bekommen haben. Denn so, wie sie mit dir als Menschen umgegangen sind, haben sie eigentliche zu große Leistungsdefizite, um da Zensuren im einser Bereich erlangen zu können.

Nun gut, das war ja nicht Deine Frage. Also dazu folgendes:
Ich habe einen kompletten Neuanfang gestartet. Das Stellenangebot meiner Ausbildungsschule abgelehnt, die dokumentierten Missstände der Ausbildung schön aufgeschrieben und bei der Seminarleitung eingereicht (zog Konsequenzen nach sich), dann das Bundesland gewechselt und völlig frei an einer anderen Schule ein normales Leben angefangen.

Jetzt habe ich meine eigenen Auszubildenen und helfe ihnen so gut ich kann. Mit fachlichen Ratschlägen, nicht mit Kritik an Charakter oder Person.

Maximer
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Re: Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Beitrag von Maximer »

mira776 hat geschrieben: An diejenigen, die auch eher ne heftige Zeit im Ref hatten, wie habt ihr es geschafft, Frieden mit der Zeit zu schließen? Wie konntet ihr die 1.5 Jahre hinter euch lassen?
Bin zwar auch noch in der Abschlussphase des Refs, aber für mich stand früh fest, dass ich die Schule wechseln werde. Ich wusste zwar, dass sie mich halten wollen (weil Lehrermangel...), aber nach der miesen Behandlung (nicht ganz so krass wie bei dir, aber es hat mir auch dicke gereicht) will ich manche Leute (darunter eine Mentorin) einfach nicht mehr sehen. Nie wieder.

Darauf freue ich mich: Woanders neu anfangen und nicht mehr wie ein Lehrer 2. Klasse behandelt zu werden, sondern als Erwachsener wieder ernst genommen zu werden.

Du formulierst das übrigens gut. Dieses Gefühl, dass man immer in Gefahr ist und ständig im "Notfallmodus" arbeitet - echt eine Belastung. Und daneben soll man sich allzeit freundlich, offen und ganz unbelastet allen gegenüber zeigen, sonst wird sofort gemosert...ist nicht kollegial genug, ist introvertiert, evtl. keine richtige Lehrpersönlichkeit etc. pp. bla bla blub.

Geht vielen so, wir sind da nicht alleine. Selten, dass jemand sein Ref genießen kann. Machen wirs später mal besser mit unseren Reffis? Will ich schwer hoffen!

Maximer

Hubselzwerg
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Re: Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Beitrag von Hubselzwerg »

Normalerweise ist man halt einfach fertig und froh darüber.
Wenn dich das nachhaltig so negativ beeinflusst und du da mit irgendwas „Frieden schließen“ musst, brauchst du möglicherweise psychologische Unterstützung.
Dieser Beitrag wurde 666 mal editiert, zum letzten Mal von Gott: Morgen, 23:06

Maximer
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Re: Wie Frieden mit der Ref-Zeit schließen?

Beitrag von Maximer »

Hubselzwerg hat geschrieben:Normalerweise ist man halt einfach fertig und froh darüber.
Wenn dich das nachhaltig so negativ beeinflusst und du da mit irgendwas „Frieden schließen“ musst, brauchst du möglicherweise psychologische Unterstützung.
Na das nenn ich mal pädagogisches Einfühlungsvermögen und Takt erster Güte!

Einen baldigen Beamten zum Psychologen schicken... das ist schon ganz fieser Sarkasmus...*fg*

Maximer

Servent
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