Stress von Eltern/Schulleitung

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Stress von Eltern/Schulleitung

Beitragvon maxdachs » 16.12.2018, 13:25:59

Hallo,
unangenehme Rückmeldungen von den Eltern kennen vermutlich viele Kollegen, vielleicht gerade Referendare, ich weiß es nicht. Bei mir gibt es seit Beginn des eigenen Unterrichts regelmäßig Beschwerden von den Eltern - also von einzelnen Eltern, ich verstehe mich mit meinen Klassen ziemlich gut und bekomme von den Schülern größtenteils positive Rückmeldungen. Mal ganz unabhängig davon, dass es hierbei größtenteils um Missverständnisse geht, also die "Vorwürfe" der Eltern nicht der Wahrheit entsprechen, ist das Problem dabei, dass die Eltern sich nie bei mir melden, sondern immer bei der Schulleitung. Ich habe in den 9 Monaten, die ich jetzt an dieser Schule unterricht, ein einziges Mal eine Rückmeldung der Eltern persönlich erhalten und das "Problem" konnte sofort gelöst werden. Alle anderen Beschwerden gehen direkt an die Schulleitung, die mich dann immer zum Gespräch bittet, was mir persönlich ziemlich unangenehm ist, zumal ich auch kein gutes Verhältnis zur Schulleitung habe.
Habe mich mal ein bisschen schlau gemacht zum Thema Beschwerden, einfach weil das für mich mittlerweile schon etwas belastend ist und ich mal gucken wollte, wie andere damit so umgehen etc. Habe dann in recht vernünftig klingenden Texten zu diesem Thema stets gelesen, dass die Eltern sich in diesen Fällen gar nicht an die Schulleitung wenden sollen, sondern erstmal an den betreffenden Lehrer, was ja auch logisch ist. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Schulleitung dieses Verhalten der Eltern sogar noch fördert, sie könnte ja auch sagen: "Klären Sie das erstmal mit dem Herrn XY ab und wenn da nichts bei rumkommt, können Sie sich wieder melden", da scheint die Schulleitung aber nichts von zu halten.
Jetzt würde mich mal interessieren, was ich in so einer Situation machen kann, bzw. ob ich überhaupt was machen kann. Da die Vorwürfe, die da von Elternseite gegen mich erhoben wurden, z.T. schon ziemlich abstrus waren, grenzt das im Grunde ja schon an Rufschädigung, sowas in die Welt zu tragen, in diesem Fall eben die Schulleitung, ohne vorher mal die Gegenseite gehört zu haben. Gibt es da nicht irgendeine Handhabe?
maxdachs
 
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Re: Stress von Eltern/Schulleitung

Beitragvon Refiworld » 16.12.2018, 14:37:52

Vorschlag:
Wenn das Verhältnis mit dem Schulleiter einigermaßen normal ist, ihn ansprechen und erklären, dass du gerne die elterlichen Probleme direkt und sofort besprechen willst. Und ob er die Eltern darauf hinweisen würde, dass diese bei fragen und Problemen direkt zu dir kommen und nicht zum Schulleiter.

Sonst könntest du über die Mentoren oder Abbs den Weg zur Lösung finden, wenn die mit dem Schulleiter sprechen.
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Re: Stress von Eltern/Schulleitung

Beitragvon tiger » 16.12.2018, 15:31:51

maxdachs hat geschrieben:dass die Eltern sich in diesen Fällen gar nicht an die Schulleitung wenden sollen, sondern erstmal an den betreffenden Lehrer

Das ist richtig. Es handelt sich um eine Art von Subsidiaritätsprinzip. Bei uns ist die Reihenfolge so: Fachlehrer > Klassenlehrer > Stufenleiter > Schulleitung. Das Verfahren über den "Dienstweg" funktioniert ähnlich: Wenn ich mich über meinen Schulleiter bei dessen Vorgesetztem beschweren wollte, müsste ich die Beschwerde auf dem Dienstweg über den Schulleiter laufen lassen. Das klingt zunächst kontraproduktiv, stellt aber sicher, dass der Schulleiter schonmal Bescheid weiß und bei Nachfragen "von oben" vorbereitet ist.

Die Schulleitung sollte schon im eigenen Interesse darauf bestehen, dass Eltern sich an dieses Verfahren halten, um nicht in zahlreichen Anliegen und Beschwerden über irgendwelche Kleinigkeiten unterzugehen.

maxdachs hat geschrieben:Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Schulleitung dieses Verhalten der Eltern sogar noch fördert

Das hängt davon ab, wie stark die Schulleitung die Referendare kontrollieren möchte. Vermutlich werden "fertige" Lehrer da anders behandelt.

maxdachs hat geschrieben:Jetzt würde mich mal interessieren, was ich in so einer Situation machen kann, bzw. ob ich überhaupt was machen kann. Da die Vorwürfe, die da von Elternseite gegen mich erhoben wurden, z.T. schon ziemlich abstrus waren, grenzt das im Grunde ja schon an Rufschädigung, sowas in die Welt zu tragen, in diesem Fall eben die Schulleitung, ohne vorher mal die Gegenseite gehört zu haben. Gibt es da nicht irgendeine Handhabe?

Ich würde da nicht mit Begriffen wie Rufschädigung usw. in den juristischen Bereich gehen. Eine juristische Auseinandersetzung mit den Eltern oder der Schulleitung willst du nicht, glaub mir. Sieh das ganz entspannt; die Schulleitung weiß, wie Eltern sind: An einer Schule mit 1000 Schülern gibt es 2000 Eltern, da sind zwangsläufig ein paar Querulanten und ein paar Irre mit seltsamen, abseitigen Ansichten dabei. Dass die Schüler zu Hause das Informationsmonopol über die Geschehnisse in der Schule haben, oftmals nicht richtig zuhören, nach dem Stille-Post-Prinzip Dinge weglassen oder dazuerfinden und (gerade in den niedrigen Klassenstufen) gerne mal fantasieren und fabulieren, ist ganz normal und war schon immer so. (Wenn ich darüber nachdenke, wie oft ich schon von Schülern gehört habe, was meine Kollegen angeblich so alles gesagt hätten, dann bin ich sehr beunruhigt darüber, wie oft meine eigenen Worte wohl falsch wiedergegeben werden ...)
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Re: Stress von Eltern/Schulleitung

Beitragvon Stark » 16.12.2018, 19:17:55

tiger hat geschrieben: Das Verfahren über den "Dienstweg" funktioniert ähnlich: Wenn ich mich über meinen Schulleiter bei dessen Vorgesetztem beschweren wollte, müsste ich die Beschwerde auf dem Dienstweg über den Schulleiter laufen lassen. Das klingt zunächst kontraproduktiv, stellt aber sicher, dass der Schulleiter schonmal Bescheid weiß und bei Nachfragen "von oben" vorbereitet ist.


Jetzt weiß ich nicht, in welchem Bundesland du bist und wie das dort geregelt ist, aber das erscheint mir nicht richtig. Zumindest in den Bundesländern, die ich besser kenne (NRW; Hessen; Bayern) beginnt im Fall einer dienstlichen Beschwerde und einer Dienstaufsichtsbeschwerde über den Schulleiter der Dienstweg tatsächlich in der Stufe über dem Schulleiter (also Schulamt bzw. Ministerialbeauftragtem, je nach Struktur des Bundeslandes). Würde mich schon sehr wundern, wenn das bei euch anders wäre.

OT:
Die Tipps wurden schon gegeben. Dem Schulleiter muss klar gemacht werden, dass Eltern bei ihm erstmal abblitzen und zu dir geschickt werden müssen. Wer ihm das verdeutlicht (also du, der PR, das Studienseminar etc.) hängt von der konkreten Schulsituation und von deinem genauen Verhältnis zur SL ab.
Je nachdem, wie du deine Position in der Schule und in der Klassen siehst, könntest du auch einen Elternabend einberufen und dich der Kritik offen stellen. Dazu musst du dir aber schon sicher sein, dass das nicht nach hinten losgeht.

Generell wundert es mich ein wenig, dass du zu den Schülern ein gutes Verhältnis aber Stress mit den Eltern hast. Da die Eltern Informationen über den Unterricht nur durch den Filter der Schüler bekommen, sind die Eltern zufriedener Schüler im Normalfall auch zufrieden. Vielleicht kannst du auch da ansetzen und einen differenzierten Feedbackbogen erstellen. Oft täuscht nämlich auch der eigene Eindruck. Als Ref hatte ich eine Klasse, mit der ich in meiner eigenen Wahrnehmung ein super Verhältnis hatte, und eine Klasse, mit der die Chemie meiner Meinung nach überhaupt nicht gestimmt hat. Als ich dann schriftliches Feedback eingeholt habe, war ich ziemlich baff: dort hat sich nämlich genau das Gegenteilt gezeigt. Meine "Lieblingsklasse" fand mich gar nicht so toll, während die "Idiotenklasse" meinen Unterricht und mich in meiner Lehrerpersönlichkeit wirklich gut fand. Wie es eben manchmal so ist...
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Re: Stress von Eltern/Schulleitung

Beitragvon Maximer » 08.01.2019, 22:39:03

maxdachs hat geschrieben:Mal ganz unabhängig davon, dass es hierbei größtenteils um Missverständnisse geht, also die "Vorwürfe" der Eltern nicht der Wahrheit entsprechen, ist das Problem dabei, dass die Eltern sich nie bei mir melden, sondern immer bei der Schulleitung. ... zumal ich auch kein gutes Verhältnis zur Schulleitung habe.


Wenn du Referendar bist, kannst du da nicht viel machen. Immerhin ist die Beurteilung der Schulleitung (vermutlich auch in deinem Bundesland?) mit entscheidend darüber, ob du später als "richtiger" Lehrer wirst arbeiten können.

Sei also immer kompromissbereit und offen für Kritik. Ich kenne es so, dass Eltern gerne zum Klassenlehrer rennen, der Referendar ist für viele Helikopter-Eltern sowieso als solches schon eine Bedrohung für den Lernerfolg (Schulabschluss) der eigenen Kinder. Dass man da gar nicht erst probiert, mit solch einer Zumutung zu kommunizieren (hat ja eh keinen Zweck), ist leider relativ normal.

Dass es bei dir direkt über die Schulleitung läuft, ist unschön für dich, aber dir sind die Hände gebunden. Wenn dein Schulleiter dich nicht mag und umgekehrt, musst du alles dafür tun, dass er dich mag und nicht umgekehrt. Viel Glück für das restliche Referendariat!

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