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Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

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Beitragvon Buntflieger » 17.11.2018, 18:00:28

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Zuletzt geändert von Buntflieger am 19.11.2018, 21:40:09, insgesamt 2-mal geändert.
Buntflieger
 
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon Rets » 17.11.2018, 18:33:15

Bevor andere antworten, möchte ich dir etwas sagen, was mit dir gar nichts zu tun hat.

Hier im Forum schlagen unterschiedliche Leute auf. Meistens kommen die Leute hierher, wenn sie im Ref Probleme / Schwierigkeiten haben. Es gibt viele ähnliche Beiträge wie deinen. Man kann die Leute, die solche Beiträge schreiben, sehr grob in zwei Kategorien unterteilen und du wirst sehr schnell sehen, dass dich manche Foristen als Teil der einen Kategorie verstehen, andere sehen dich zur zweiten zugehörig. Ich selbst will dich hier in keine von beiden stecken.

Gruppe A:
Manche Referendare haben im Referendariat Probleme, weil sie (noch?) nicht geeignet für den Beruf sind. Sie bekommen zwar gutes Feedback von Schülern und Kollegen, aber ihr Unterricht ist nicht lernwirksam. Sie können z.B. weder Reihe noch Stunde klar strukturieren, sich keine Autorität verschaffen, und und und. Da Schüler (und auch viele Kollegen, manchmal auch Mentoren) einfach eine nette und engagierte Person sehen, geben die auch positives Feedback. Wenn aber jemand den Unterricht bewerten soll, der dann wirklich die Frage stellt, ob die Schüler genug in den 45 Minuten gelernt haben, dann sieht er bei dieser Gruppe, dass da nicht viel rum kommt: Aufgaben sind irreführend, unklar, oberflächlich. Struktur entspricht nicht einem sinnvollen didaktischen Aufbau. Evtl. fachliche Fehler. Diese Referendare kommen dann hier her und beschweren sich. Offensichtlich haben diese Referendare ein Problem mit der Selbstreflexion. Sie nehmen sich und ihren eigenen Unterricht nicht adäquat wahr.

Gruppe B:
Engagierte und fähige Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst begegnen Kollegen und Ausbilderinnen, die eine Agenda durchführen wollen, die nicht zum Referendar passt, vielleicht sogar an manchen Stellen veraltet / unfair / autoritär / ... ist. Lehrer sind es gewohnt, überwiegend im Recht zu sein. Ausbilder müssen ja nochmal mehr im Recht sein [;-)], damit sie den Lehrern zeigen können, wie es geht. Daher ist das Schulsystem nicht unbedingt dafür bekannt, mit Kritik - oder vorsichtiger: In-Frage-Stellungen - umzugehen. Wenn jetzt ein Referendar da mal jemandem auf die Füße tritt, dann passiert das schnell, dass man Probleme bekommt.

Die Wahrheit (?):
Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. An dem überwiegenden Teil der Kritik ist was dran, aber es gibt auch Dinge im Ref, wo man den eigenen Idealismus bei Seite stellen muss, weil die über dir eine gigantische Machtposition dir gegenüber haben, der du hilflos ausgeliefert bist.

Jetzt zu dir:
Du schreibst nichts Inhaltliches zu der Kritik (also: Was wird kritisiert?) und die Dinge, die du als Zeugnis für deine Befähigung als Lehrkraft heran ziehst, sind zu oberflächlich oder ungeeignet, als dass wir hier sauber sagen könnten, welcher Gruppe du zugehörig bist. ("Die Schüler mögen mich" ist eine wichtige Basis, aber nur der Anfang. "..und lernen was bei mir" --> Wer sagt das? Woran machst du das fest?).

Solange wir (oder zumindest: ich) nichts Inhaltliches weiß, kann ich nur sehr allgemein beratschlagen: Überlege, ob an der Kritik nicht doch etwas dran ist - vielleicht nur ein Funke. Überlege, ob du nicht über deinen Schatten springen kannst und gezielte Kritikpunkte annehmen und in deinem Verhalten verändern kannst.

Der Abbruch und die spätere Wiederaufnahme hat viele rechtliche Fallstricke und Voraussetzungen, die ich nicht kenne. Informiere dich dazu. Wenn du dazu hier Informationen willst, musst du noch dein Bundesland und das Lehramt preisgeben (jedenfalls fragen das immer die Leute, die sich mit sowas auskennen :-) ).

Eine persönliche Sache aber noch: Das Referendariat ist emotional super anstrengend. Es gibt kaum einen Referendar, der nicht die Schnauze voll davon gehabt hätte. Insofern befindest du dich in guter Gesellschaft ;-)
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon Jméno » 17.11.2018, 20:14:55

Ich unterschreibe im Wesentlichen, was Rets bereits gesagt hat.

Hinzu kommt: Der Beitrag las sich für mich beim ersten und unverändert auch beim zweiten Mal so, als ob »die da oben« – und das heißt: alle – sich verabredet oder verschworen haben, dich abzuschießen (»interne Abschussliste«, deine Worte!).

Im Zusammenhang mit den korrekten Ausführungen von Rets ergibt sich jedoch häufig folgender Befund: Wenn jemand fähig ist, Probleme einzugrenzen (z.B. mit einem Ausbilder, mit einer Fachkollegin, mit einer benennbaren Schülergruppe), liegt erfahrungsgemäß tatsächlich oft ein objektiv nachvollziehbares Problem vor. Manchmal können wir zu einer Lösung beitragen, manchmal nicht; manche dieser Probleme lassen sich aussitzen, manche nicht. Diejenigen User jedoch, die sich als Einzelkämpfer darstellen, erinnern nicht ganz zufällig an den alten Witz »Ein Geisterfahrer? Hunderte!«, weil das Problem häufig bei ihnen zu suchen und zu finden ist, nicht im System oder bei »allen anderen«. – Vielleicht möchtest du deinen Beitrag auch in diesem Sinne differenzieren.
…он је метафора, начин живота, угао гледања на ствари!
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon Servent » 17.11.2018, 20:39:03

Juhu, Buntflieger ist in unserem Forum, jetzt kann es lustig werden!
Deine Beiträge fand ich zwar meist leicht tendenziös, aber immer unterhaltsam.

Falls es sich bei dir aber nicht um den Nutzer aus dem Lehrerforum handeln sollte, heiße ich dich natürlich ebenso willkommen. ^^

Ich hoffe jetzt einfach mal stark, dass der Beitrag tatsächlich von einem aktuellen Nutzer stammt und nicht wieder als aufbereiteter Mischmasch ins virenverseuchte Ref-Forum geworfen wurde.
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon tiger » 17.11.2018, 20:51:46

Buntflieger hat geschrieben:massiv unter Druck gesetzt (...) zum Ausschlusskriterium aufgebauscht (...) Ich vermute, dass man mich loswerden möchte (...) In der Rang- und Hackordnung sehr weit oben stehende "Persönlichkeiten" (...) interne Abschussliste


Klingt nach Paranoia. Kein Ausbilder hat einen Grund, sich so zu verhalten, wie du es schilderst. Du würdest als Lehrer doch auch nicht einen Schüler auf eine "Abschussliste" setzen, bloß weil er sich mit dir "angelegt" hat, oder? Das wäre unprofessionell und hätte für dich gar keinen Nutzen.

Buntflieger hat geschrieben:Dass ich für den Job geeignet bin, steht nicht zur Disposition. Die SuS mögen mich (die meisten jedenfalls), lernen was bei mir (...) Eine faire und objektive Beurteilung - davon kann ich nur noch träumen.


Nun, leider kannst du das überhaupt nicht beurteilen. Dazu haben Rets und Jméno schon viel Treffendes gesagt.

Falls du nicht bereit bist, einzusehen, dass die Kritik an dir berechtigt sein könnte, bist du für den Beruf sowieso ungeeignet und solltest aufhören. Mein Rat wäre, die Kritik der Ausbilder ernstzunehmen und zu prüfen, ob du deinen Unterricht auf der Grundlage dieser Kritik verbessern kannst.
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon Löwenherz » 17.11.2018, 22:48:06

Die Frage, die sich mir da stellt ist, was dadurch tatsächlich gewonnen ist, wenn du abbrichst? Gesetzt den Fall, der Hauptteil des Problems ist tatsächlich beim Seminar verortet, gibt es keine Garantie, dass dies dir bei einem weiteren Anlauf (vorausgesetzt, dieser ist rechtlich überhaupt durchsetzbar --> dringend Beratung durch Gewerkschaft einholen) nicht erneut passiert- willst du dann wieder flüchten und dir die Butter vom Brot nehmen lassen?

Das Ref ist eine derart überschaubare Zeitspanne, dass ich persönlich mir eher sagen würde, dass mir niemand meinen Beruf und meine Berufung absprechen und wegnehmen darf und für mich kämpfen würde. Ich denke da an Personalrat, Gewerkschaft oder auch die Seminarsprecher als Unterstützer, die zumindest bei uns auch regelmäßig ohne Nennung von Namen bestehende Probleme bei Beratungen oder in den Kursen mit der Seminarleitung verallgemeinernd besprechen. Da konnte schon manches erreicht werden an sinnvoller und notwendiger Änderung. Als Lehrer muss man tagtäglich seinen Mann oder seine Frau stehen, stark sein und kämpfen können wir also.

Zumindest in BaWü wird man nicht geprüft von den Fachdidaktikern, die einen ausgebildet haben (bei Ausnahmen in kleinen Fachschaften durch Fachüberschneidungen, erlaubt einem das Rügerecht auf einem externen Prüfer von einem anderen Seminar zu bestehen). Falls das bei dir im Bundesland ebenso wäre, könntest du ja - vorausgesetzt deine Selbsteinschätzung ist zutreffend- mit einer gewissen Gelassenheit den Prüfungen entgegenblicken in dem Wissen, dass ein neues Paar Augen dich dann bewerten wird.
Je nach Bundesland und Lehramt kommt dann noch dazu, dass du unter Umständen auch entspannt bleiben könntest, wenn das ganze dich am Ende ein paar Zehntel kosten würde. In meinem Bereich werden so beispielsweise aktuell und wohl auch noch in den nächsten 5 Jahren über 80% der Absolventen direkt eingestellt, Nichterfüller gerne wenigstens als KV noch "verwurstet". (Was bitte nicht missverstanden werden soll als "die nehmen jeden", bei uns am Seminar wird SEHR kräftig gesiebt, Lehrermangel hin oder her, mit fast 20 Abbrechern im ersten Halbjahr und rund 10 seit Beginn des neuen Schuljahrs. Der Anspruch sinkt also keineswegs.)

Selbst eine verletzend formulierte Kritik fußt, wenn sie von mehreren Leuten wiederholt wird nicht immer, aber oft, auf einem wahren Kern. Dass dieser erst infolge von Seminarberatungen zutage kam und davor von Schule und Mentoren nicht gesehen wurde, finde ich gar nicht so überraschend, wenn ich mir vergegenwärtige, was manche meiner Mitanwärter von ihren Mentoren erzählen (z.B.fachfremde Kollegen, die laut jubeln am ersten Tag des Refs, weil ENDLICH ein Kollege/eine Kollegin "vom Fach" in der Fachschaft ist, der/die ihnen die erforderliche Fachdidaktik näherbringen kann). Manchen Mentoren oder Schulen wird da auch erst mit dem ersten UB schlagartig bewusst, wie der aktuelle Ausbildungsstandard im Ref ist, da nicht wenige die Ausbildungsordnung im Kopf haben, die bei ihnen selbst noch Geltung hatte. Ein "blinder Fleck", der mit der ersten Beratung erhellt wird und damit erst ab diesem Zeitpunkt auch in der weiteren Beratung an der Schule eine Rolle spielt, ganz ohne, dass sich da Menschen gegen einen verschworen hätten.
Und last but not least: Selbst wenn die LBs am Seminar völlig falsch liegen sollten (was ich eher schwer zu glauben finde, auch wenn ich es nicht völlig ausschließen wollen würde, da du dafür nicht genau genug das Problem beschreibst): Bricht dir denn ein Zacken aus der Krone, wenn du dich kooperativ zeigst, zeigst, dass du nicht beratungsresistent bist, sondern Hinweise ernst nimmst und -sei es auch nur für die begrenzte Zeit des Refs- das annimmst, was zu ändern dir geraten wird? Am Ende kommt womöglich wirklich besserer Unterricht dabei raus und wenn je nicht, ist das Ref eine endliche Zeit... Auch nach dem Ref musst du schließlich mit Schulleitungen und Kollegen zusammenarbeiten können, die dich nicht alle direkt dufte finden oder dir den Freiraum lassen, in deinem Unterricht nur das zu machen, was dir passt und BP-konform ist. Sich als Teamplayer zu zeigen schadet in dem Beruf des Lehrers niemals (macht die Arbeit auch so viel angenehmer für alle Beteiligten...).

Statt abzubrechen, überleg dir doch lieber, wer deiner Mentoren dir am ehesten wohlgesonnen ist und such mit ihm oder ihr das Gespräch. Überleg dir vorher, was du an Zugeständnissen authentisch machen kannst (à la "ich verstehe jetzt besser, warum Kritik X geäußert wurde. Auch wenn ich glaube, dass eine andere Umsetzung im Moment besser zu mir passen würde, weiß ich, dass ich noch dabei bin zu lernen, mich zu professionalisieren und vertraue sehr auf ihre Beratung, um hier die Art Lehrer/Lehrerin zu werden, die ich selbst sein möchte und die Sie in mir sehen.") um zu zeigen, dass du die Beratungshinweise anzunehmen bereit bist. Ehrliche Offenheit (gepaart mit einem klug platzierten, kleinen Kompliment, wie das Vertrauen in das Beratungswissen eines Mentoren) für Veränderung, auch wenn diese sich erstmal nicht nach "deinem Weg" anfühlt scheint mir sowohl rhetorisch zielführend, als auch sinnvoll, angesichts der Position als Refi: Wer zum Henker sind wir denn, dass wir meinen im Ref schon die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben? (Was keinesfalls ausschließt, immer wieder recht zu haben, aber eben auch bedeutet mal den Mund zu halten und zuzuhören. ;-) Wenns nicht passt als Ref-Element integrieren und später neu anschauen, aber vielleicht passt es ja auch und bringt dich unerwartet voran, wenn du es zulässt.)
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Re: Referendariat abbrechen oder (durch)kämpfen?

Beitragvon Jula13 » 18.11.2018, 15:38:08

Ins Referendariat treten erwachsene Menschen ein, die erfolgreich, z.T. auch sehr erfolgreich ein Studium absolviert und abgeschlossen haben. Sie haben von Professoren viel Lob erfahren, haben vielleicht auch schon einmal unterrichtet und diese Erfahrung als sehr positiv und sich selbst als erfolgreich und kompetent erlebt.
Und dann geraten sie im Referendariat in eine völlig neue Rolle: Sie sind wieder Schüler und fangen gleichsam bei Null an. Denn Schule und Uni unterscheiden sich frappant, und oft helfen einem die schönen Theorien, die man einst gelernt hat, nicht weiter. Zudem treten Seminarleiter oft sehr dominant auf und sind nicht selten damit überfordert, Kritik sachlich zu äußern. Ausgebildete und erfahrene Kollegen sehen die Unterrichtsversuche von Referendaren mit anderen Augen als diese selbst, und sie nehmen Schwächen wahr, die die Referendare mangels Erfahrung selbst nicht an sich erkennen können.
Das Referendariat ist tatsächlich eher eine Kette von Aufzeigen von Schwächen. Über die Stärken zu reden fehlt oft die Zeit und sicherlich oft auch die Erkenntnis, dass das der Seele eines Referendars gut tun könnte.

Die meisten Referendare erkennen, dass sie nun vieles neu lernen und die ungewohnte, oft auch unangenehme Rolle akzeptieren müssen, wenn sie nach allen bereits erlebten Erfolgen auch das Referendariat erfolgreich absolvieren wollen. Einigen wird ihr Selbstbild derart erschüttert, dass sie eine Art Wagenburgmentalität entwickeln, beratungsresistent werden und darauf beharren, dass sie schon alles haben, was sie brauchen, um ein guter Lehrer zu sein, und alle anderen das einfach nicht erkennen wollen.
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