Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Beitragvon Keksdiebin » 08.04.2018, 8:42:16

Hallo Community,

ich hatte vergangene Woche meine Prüfung und habe diese auch mit 3,0 bestanden. Die 3,0 resultierte vorwiegend aus meinen guten bis sehr guten Vorleistungen, am Prüfungstag habe ich jedoch vollends versagt. Ich bin selbst Schuld, habe falsch geplant und hätte mich intensiver für die Reflexion des Unterrichts vorbereiten können. Bereits Wochen vor der Prüfung war ich so dermaßen aufgeregt, sodass ich nicht schlafen und kaum etwas essen konnte. Und ich fühlte mich komplett blockiert. Letzten Endes habe ich dann doch etwas zu Papier gebracht und mir gesagt: "Hauptsache durch!".

Normalerweise kann ich mich glücklich schätzen. Ich bin wie gewollt "durch" und könnte mich freuen aber es wurmt mich, dass ich nicht mein Bestes zeigen konnte. Wie kann ich damit umgehen? Ich freue mich zwar auf der einen Seite, dass ich aus diesem furchtbaren System raus bin, aber mir kommt nunmehr immer wieder der Gedanke "Du hättest besser sein können." Ich habe Angst, dass dieser Gedanke bleibt und sich verwurzelt. Daher nochmal: Wie kann ich damit umgehen?

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Re: Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Beitragvon tiger » 08.04.2018, 9:21:49

Keksdiebin hat geschrieben:mir kommt nunmehr immer wieder der Gedanke "Du hättest besser sein können."

Das Problem mit einer solchen Aussage ist, dass sie immer stimmt. Auch ein Spitzenfußballer wie Messi, ein Schachweltmeister wie Magnus Carlsen oder eine doppelte Nobelpreisträgerin wie Marie Curie kann das zu Recht von sich behaupten. Gleichzeitig ist es für dein berufliches Fortkommen wahrscheinlich nicht wichtig, mit welcher Note du abgeschlossen hast. Eingestellt wird dann, wenn ein Bedarf vorliegt, und nicht nach Note.

Falls dieser Gedanke neu für dich ist: Die Prüfung ist erst eine Woche her, schau nach vorne, dann ist das auch schnell vergessen. Falls du solche Gedanken aus der Vergangenheit schon kennst (also dich eher als Perfektionistin bezeichnen würdest), solltest du über eine Psychotherapie nachdenken, weil der Lehrerberuf mit Perfektionismus nicht gut zurechtkommt. Die Bedingungen des Berufs (viel freie Zeiteinteilung, Aufhebung der Trennung zwischen Beruflichem und Privatem durch heimischen Arbeitsplatz, Gratifikationsproblem etc.) führen dazu, dass Perfektionisten besonders von Burn-out bedroht sind.
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Re: Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Beitragvon kecks » 08.04.2018, 10:10:31

na tiger, gut, dass du nicht in bayern an gym oder rs bist. hier wird bei bedarf ausschließlich (!) nach note eingestellt, und mit den meisten fächern bist du jenseits der 1.5 oder ab und an auch der 1.0 ganz schnell raus, bleibt nur bundesland oder schulartwechsel für die meisten absolventen.

für die threaderstellerin: mach dir keinen kopf. wenn die note deine einstellungschancen nicht verschlechtert - so what? geh sport machen, mit deinem hund raus, fahr in urlaub, trink was mit lieben menschen, mach musik, lies endlich mal wieder was zum spaß, schau die serie fertig, was auch immer. tu, was dir gut tut. du kannst das jetzt nicht mehr ändern. und vermutlich wirst du auch nie wieder in deinem leben eine derart stressige prüfungssituation durchstehen müssen.

falls du wirklich was zum ehrgeiz-ausleben brauchst: musik oder leistungssport sind prima alternativen zu beruflichem stress. ehrgeizig sein ohne realweltlich wirklich wirksame folgen, tollste nebensachen der welt! prima für perfektionisten, dafür braucht niemand eine therapie.

gratuliere!
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Re: Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Beitragvon Maximer » 10.04.2018, 22:42:19

Keksdiebin hat geschrieben:Hallo Community,

ich hatte vergangene Woche meine Prüfung und habe diese auch mit 3,0 bestanden. Die 3,0 resultierte vorwiegend aus meinen guten bis sehr guten Vorleistungen, am Prüfungstag habe ich jedoch vollends versagt. Ich bin selbst Schuld, habe falsch geplant und hätte mich intensiver für die Reflexion des Unterrichts vorbereiten können. Bereits Wochen vor der Prüfung war ich so dermaßen aufgeregt, sodass ich nicht schlafen und kaum etwas essen konnte. Und ich fühlte mich komplett blockiert. Letzten Endes habe ich dann doch etwas zu Papier gebracht und mir gesagt: "Hauptsache durch!".

Normalerweise kann ich mich glücklich schätzen. Ich bin wie gewollt "durch" und könnte mich freuen aber es wurmt mich, dass ich nicht mein Bestes zeigen konnte. Wie kann ich damit umgehen? Ich freue mich zwar auf der einen Seite, dass ich aus diesem furchtbaren System raus bin, aber mir kommt nunmehr immer wieder der Gedanke "Du hättest besser sein können." Ich habe Angst, dass dieser Gedanke bleibt und sich verwurzelt. Daher nochmal: Wie kann ich damit umgehen?

VG Keksdiebin


Hallo Keksdiebin,

das ist doch häufig so bei Prüfungen, dass man hinterher (wenn es nicht so optimal lief, wie man das gerne hätte) hadert und Gründe sucht, die das Geschehene erklären können. Die gibt es aber meist nicht, da Prüfungen selten klare Rückmeldungen geben und die Situationen einfach zu außergewöhnlich sind - da spielen so viele Faktoren mit rein.

Bei mir hat es viele Wochen (wenn nicht Monate) gedauert, bis ich meine - aus meiner Sicht - miserable Note im mündlichen Examen in Geschichte verdaut hatte. Es war eine 2,5! Ich hatte mich dermaßen unter Druck gesetzt und wollte so sehr die 1,0 (es war mein bestes Fach und ich wurde mit 1,0 eingereicht), dass ich ein konkretes, saftiges Blackout hatte. Zwar konnte ich mich - dank tatkräftiger Mithilfe meiner Prüfer, der sehr wohl wussten, dass ich mich gerade weit unter Wert verkaufe - wieder sammeln, aber die Traumnote war futsch.

Letztlich zählt diese Note kaum, es ist mehr der eigene Stolz und das eigene Streben nach Perfektion, was hier gnadenlos zuschlagen kann und einem dann im Wege steht.

Bei Noten und Prüfungen muss man immer dran denken: Es bist nicht du als Person, die hier benotet wird. Ich fühlte mich nach meiner 2,5 wie jemand, der ein Stümper in seinem Fach ist und gar nichts weiß. Dabei war es nur die Prüfungssituation, die ungünstig für mich ausfiel und der Grund war, dass ich jedes gesunde Verhältnis zur Situation verloren hatte.

Ich hatte so viel gelernt, dass ich die im Grunde einfachen Fragen der Prüfer nicht mehr sinnvoll beantworten konnte (ich wusste zu viel!) und letztlich völlig blockierte. Ich hatte mich kognitiv völlig überfrachtet.

Die Note repräsentiert also doch ein Stück von mir, aber eben primär das mangelhafte Wahrnehmen der Anforderungsprofile und das nicht adäquate Einschätzen der Situation und der eigenen Position.

Jetzt habe ich viel geschrieben. Ich hoffe, dass du erkennen kannst, um was es mir damit geht!

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Re: Prüfung bestanden, trotzdem fühle ich mich furchtbar

Beitragvon CaraM. » 11.04.2018, 20:03:37

Richte den Blick nach vorn. Es gibt noch andere Herausforderungen, die auf dich warten.

Man muss sich damit abfinden, dass es eben nicht immer optimal läuft. Es wird nicht das erste und nicht das letzte Mal sein in deinem Leben. Schone deine Hirnzellen für kommende Herausforderungen.

Und herzlichen Glückwunsch.
CaraM.
 
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