Das Referendariat

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Das Referendariat

Beitragvon tiiger » 17.03.2018, 13:53:50

Hallo zusammen,

es ist schon viel über das Referendariat geschrieben worden. Leider gehen die Berichte (seien sie nun positiv oder negativ) nie wirklich in die Tiefe und letztlich geht es nie über einen subjektiven Erlebnisbericht hinaus.

Ich möchte versuchen, an dieser Stelle eine erweiterte Analyse vorzunehmen. Wer an einem herrschaftsfreien Diskurs Interesse hat und mit wirklichen Sachargumenten Kritik an meiner Darstellung äußern möchte, kann dies gerne tun.

Also: Ich habe mir überlegt, dass Lehrer genau mein Ding ist. (kenne mich mit meinen Fächern gut aus, erkläre gerne, gebe Mathenachhilfe seit der eigenen Schulzeit, kann sicher auftreten, bin schwer zu verunsichern und habe vor allem Spaß am Umgang mit anderen Menschen.) Folglich studiere ich Lehramt und mache ein Praxissemester. Dort lief es vom ersten Tag an saugeil. Hab ab der ersten Woche unterrichtet, gleich mal ne Klasse für 2 Wochen am Stück behalten und es hat geklappt. Die Rückmeldungen waren im Großen und Ganzen "Wir unterhalten uns hier schon auf dem Niveau vom mindestens 2. Halbjahr Ref" und "Ich habe noch nie einen Anfänger so sicher vor einer Klasse stehen sehen!" (klar gabs auch mal Kritik und Änderungsvorschläge, aber im Großen und Ganzen hat mein Unterricht geklappt.) Folgerung: Ich liege richtig mit meiner Berufswahl. (stand auch so in der Praktikumsbewertung.) Sehnsüchtig erwarte ich mein Ref, damit ich endlich wieder unterrichten kann.

2 Jahre später komme ich ins Ref an ein anderes Gymnasium, werde mäßig freundlich empfangen, und kurz gefasst: auf einmal klappt gar nichts mehr! Hätte man mich nach drei Tagen gefragt, wie ich es an der Schule finde, hätte ich gesagt: Die Disziplin ist unter aller Sau! Nach zwei Wochen hätte ich geantwortet: Wenn man diese Schüler diszipliniert hat (was mir irgendwie gelang), dann merkt man erst mal, wie schlecht die eigentlich genau sind!

1. Die faschistoiden Tendenzen, die vielerorts vorhanden sind, sind kein Zufall. Durch das ''Referendariat'' werden angehende Lehrer in eine künstlich erzeugt Krise gestürzt. Im Grunde genommen wird versucht, einem die Persönlichkeit zu brechen (was bei mir der Fall war). Hat man den Anwärter dann von allen Seiten schön weichgeklopft, wird man zum Schluss durchgewunken und darf dann das 2. SE in Empfang nehmen. Daher ist es auch kein Zufall, dass in den Seminaren wenig Freigeister vorhanden sind. Und wenn jemand kreativ und frei denkt, wird ihm das schon ausgetrieben. Und wehe man versucht Kritik zu üben (so wie das mein Kollege versucht hat). Dann wird man rausgemobbt auf die übelste Weise.
Im Referendariat ist diese Tendenz m.E. strukturell verankert und Teil des Herrschaftssystems Schule (das Schulsystem ist alles andere als demokratisch organisiert).
Die SL sind natürlich ehemalige ''Opfer'', die jetzt das weiter geben, was ihnen auch angetan wurde. Das Referendariat ist überspitzt formuliert eine Art Initiation in die Lehrersekte (bitte nicht allzu wörtlich nehmen)
Natürlich werden einige jetzt einwenden, dass ihre Erfahrungen doch ganz anders waren und sie auch viel gelernt haben. Das mag sein. Sicher gibt es auch gute SL und gute Ausbildungsschulen. Dennoch wage ich zu behaupten, dass die oben beschriebenen Tendenzen weit verbreitet sind. Es sind also nicht nur rein subjektive Erfahrungen von einigen Wenigen.
2. All diejenigen, die solche Strukturen ertragen mussten und ihren Wunschberuf aufgegeben haben, sei gesagt, dass das nichts mit euch zu tun hatte. Die Kritik, die ihr erhalten habt, ist wertlos. Das sind keine Pädagogen, sondern einfach nur stupide Unterrichtsbeamte, die von Pädagogik sowieso nichts verstehen. Nehmt euch das bloß nicht zu Herzen, was dort gesagt wurde. Auch mein SL hat mir vor der Kündigung zu denken gegeben, ob ich denn für den Lehrerberuf geeignet wäre. Das ist alles eine standardisierte Rhetorik von standardisierten Menschen ohne Esprit.
3. Vielen Referendaren und anderen Lehrern ist wohl nicht klar, was in den letzten Jahren durch die Einführung des ''Kompetenzmodells'' und der ''Bildungsstandards'' mit dem Bildungssystem in Deutschland passiert ist. Diese sog. ''Output-Orientierung'' ist nichts weiter als eine technokratische Umstrukturierung des Bildungssystems. Es geht nicht mehr um Bildung, sondern um die Vermittlung von Kompetenzen. Der Mensch soll für die Wirtschaft und Industrie verfügbar gemacht werden. Die Folgen für das Referendariat sind wie folgt:
a. Das ohnehin bürokratische Wesen des Referendariats ist nun noch weiter ausgebaut
b. Unterrichtsentwürfe müssen nun ''kompetenzorientiert'' verfasst werden.
c. Das Referendariat ist dadurch eine Ausbildung zu einer reinen Technokratenpädagogik

Was tut man also? Wenn es mir keiner glaubt, muss ich es beweisen. Also breche ich mein Ref ab, finde innerhalb von vier Wochen (! so was passiert auch nur mit Mathe) noch eine neue Schule zum neuen Schuljahr, und da klappt auf einmal alles. (es ist ein sehr gutes ausländisches Gymnasium, das mir nebenbei als Einstiegsgehalt mehr zahlt, als mein Mentor verdient :lol: ) Und zwar nicht als Referendar, sondern als Lehrer, mit fast voller Stelle. Sprich: Ich wurde 4 Wochen vorher als zu doof zum Fortführen einer Ref-Ausbildung bewertet und darf dann auf einmal an einer besseren Schule mit fertig ausgebildeten Lehrern konkurrieren, obwohl ich keine Ausbildung habe...

... und ich schaffe es. Das haben mir Schüler, Eltern, Kollegen, Schulleitung und Schulinspektoren zurückgemeldet, dass ich den Job einfach nur super mache. Und das, obwohl ich nur wenig Welpenbonus habe und mit fertig ausgebildeten Lehrern verglichen werde! Wieso? Einfach nur, weil die Schüler um Welten mehr verstehen...

Es ist abscheulich, wie versucht wird, den schönen Beruf des Lehrers zu zerstören.

Warum kommt kein Widerstand? Das deutsche Volk hat schon einmal versagt und es ist erschütterlich zu sehen, wie scheinbar über die Hintertür ein neuer Totalitarismus in der Gesellschaft Fuß fassen kann. Aus der Markwirtschaft soll eine Marktgesellschaft werden. Wem das zu abstrus erscheint, der lese bei Jochen Krautz nach. Das sind nicht alles bloße Hirngespinste von mir selbst.

Ich bin gespannt, ob jemand in diesem Forum den Mumm hat, sich zu äußern. Vielleicht wird dieser Eintrag auch schnell ''zensiert''. Das wäre dann schon ein absolutes Armutszeugnis.
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Re: Das Referendariat

Beitragvon tiger » 17.03.2018, 14:03:32

Du weißt schon, dass man mit Google in zwei Sekunden herausfindet, von wo du diesen Artikel kopiert hast?

http://www.referendar.de/forum/viewtopic.php?f=1&t=34433
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Re: Das Referendariat

Beitragvon tiiger » 17.03.2018, 17:57:16

Ich kann gut nachvollziehen, dass diejenigen, die sich mit dem System arrangiert haben und nun ein gut verdienender, auf Lebenszeit verbeamteter Teil von ihm sind, auf jegliche Form von Kritik allergisch reagieren. Das ist ein natürlicher Selbstschutz, den ich in dieser Form nur noch bei religiösen Menschen erlebt habe.

Aber in der Fantasiewelt eines Staatsdieners, der seiner Meinungsfreiheit beraubt wurde und ein marodes System eidesgemäß verteidigen muss, sind solche Tatsachen eben unreflektierte Einseitigkeiten.
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Re: Das Referendariat

Beitragvon Illi-Noize » 18.03.2018, 13:25:40

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