Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon nur_ein_refi » 11.09.2017, 13:53:09

"Ich würde sagen, dass es vielen Referendaren schwer fällt, Anregungen umzusetzen, weil sie mit viel zu vielen Anregungen und mit negativer Kritik zugeschüttet werden. Deshalb bemühe ich mich immer, zunächst nur ein oder zwei wirklich wichtige Dinge herauszupicken, auf die sich die Referendare in den nächsten Stunden konzentrieren sollen."

Genau das ist der Punkt.
Wenn ein Refi tatsächlich unbelehrbar ist und behauptet 1+1 = 3, dann kann man ihn schon mal gegen die Wand laufen lassen. Tatsächlich trifft m.E. oben Zitiertes aber noch häufiger zu. Als Referendar muss man sich von mehreren Seiten Kritik und mehr oder weniger gut gemeinte Tipps anhören. Am besten noch sich widersprechende Dinge... Am meisten nervt dieses systematische Schlechtreden der ersten gehaltenen Stunden. Wozu ist man denn sonst in der Ausbildung, wenn man schon alles perfekt beherrschen soll?
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon Rets » 11.09.2017, 19:04:50

Steinwind hat geschrieben: Tja und dann gibt es natürlich außer den vielen netten und sehr bemühten Refrendaren auch noch wirklich ätzende. Die alles besser wissen wollen, die einem Stundenentwürfe nachts um 24 Uhr schicken und sie natürlich bis zum nächsten Morgen korrigiert haben wollen, die der Meinung sind, dass ihr Examen natürlich ganz wichtig ist, dabei aber vergessen, dass für die 25 Schüler das Abitur in zwei Monaten ebenso wichtig ist. Mittlerweile würde ich bei solchen Exemplaren, dann darum bitten, dass sie sich einen anderen Ausbildungslehrer suchen.



Im Grundtenor teile ich die Meinung dieses Beitrages. Aber ich sehe die Bedeutung von Abitur und Examen dennoch anders. Zumindest, wenn das Examen als Abschluss-Lehrprobe gemeint ist. Bezieht sich der Beitrag auf die gesamte Betreuung während des Ref, dann ändert sich die Sachlage.



1: Beim Examen verdichtet sich die gesamte Karriere, der gesamte Lebenslauf einer Person auf dämliche 90 Minuten. Zusätzlich ist das Lehramtsstudium + Referendariat in seiner Ausbildungsart sehr spezialisiert. Man mag auch woanders unter kommen und neue Wege finden, aber trotzdem ist die Perspektive zunächst (und auch nicht gänzlich unberechtigt): 7 Jahre Ausbildung hängen in 90 Minuten z.B. davon ab, ob meinem Prüfer unser Hauscurriculum gefällt (völlig ungeachtet, ob ich durch FK-Beshcluss daran gebunden bin*).

Für das Abitur gilt allerdings, dass mit beinahe jedem Abitur beinahe jeder weitere Ausbildungsweg möglich ist. (Zumindest kann man wegen zwei bis drei schlecht vorbereiteten [und daher schlechter vorbereitenden] Unterrichtsstunden kaum so tief fallen, als dass die Ausbildungswege, die man realistisch in Betracht ziehen konnte, dadurch verbaut würden.)


2: Das Examen verdichtet sich als Prüfungsform auch __zeitlich__ auf einen Tag, genau genommen zwei Unterrichtsstunden. Es ist absolut egal, ob man vorher in allen Lehrproben spitze war, nur die beiden Noten entscheiden.

Das Abitur verdichtet sich zwar aus Schülersicht auch auf eine Prüfung, gleichwohl ist es aus Lehrersicht nicht wirklich furchtbar schlimm, wenn man mal in einer auf das Abitur vorbereitenden Stunde nur 75% geschafft hat. Damit will ich das nicht in der Bedeutung, die es für SuS zu Recht hat, klein reden, aber solange sich die Beratung zum Examen nicht über Monate hinweg zieht und den Lehrer über einen entsprechend langen Zeitraum von seiner Arbeit mit den SuS abgelenkt wird, sehe ich ehrlich gesagt kein Problem. Zwei bis drei schlechter vorbereitete Stunden im Tausch gegen effektive Beratung zum Examen erscheint mir gerechtfertigt.


*Ist einer Kollegin von mir in NRW passiert. Der Prüfer hat ihr 3 Noten (!) schlechter gegeben, weil er meinte, das Thema gehöre da nicht hin. Den Verweis auf den rechtlich bindenden FK-Beschluss hat er ignoriert.
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon JimJupiter » 11.09.2017, 19:53:31

Sorry, aber das Letztgeschriebene ist doch schlicht falsch.
Es gibt kein Bundesland, in dem die Gesamtnote des 2. Stex nur aus den beiden Lehrproben (die zwar Unwägbarkeiten aufweisen, aber doch ganz sicher auch keine Lotterie sind) ermittelt würde. Meist sind dies sogar nur rund 25 bis 30 Prozent. Der Rest sind Ausbildungsnote, Mündliche Prüfung und schriftliche Arbeit, Kolq. o.ä.
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon Rets » 11.09.2017, 22:31:16

JimJupiter hat geschrieben:Sorry, aber das Letztgeschriebene ist doch schlicht falsch.
Es gibt kein Bundesland, in dem die Gesamtnote des 2. Stex nur aus den beiden Lehrproben (die zwar Unwägbarkeiten aufweisen, aber doch ganz sicher auch keine Lotterie sind) ermittelt würde. Meist sind dies sogar nur rund 25 bis 30 Prozent. Der Rest sind Ausbildungsnote, Mündliche Prüfung und schriftliche Arbeit, Kolq. o.ä.



Ne. Falsch ist das nicht. Da steht nirgendwo, dass die Note zu 100% daraus ermittelt wird. In Hessen zählt das reine Examen insgesamt 40%.

Durch meine Vorbenotung hatte ich eine Spanne, die insgesamt 1,4 Noten breit war. D.h. alleine das Examen hat 14 Nachkommastellen ausgemacht (von gerade so bestehen mit 5 Punkten bis zu glanzvollen 15 Punkten). Ich finde, dass dies eine massive Konzentration auf das Examen ist. Ich finde die auch nicht prüfungstechnisch problematisch. Es ist okay, dass das Examen so viel zählt. Aber es ist eben die 100 mal wichtigere Prüfung als das Abitur.


Ich hab übrigens das Gefühl, hier im Forum ist die emotionale Bewertung des Ref vor allem vom Geburtsjahr abhängig. Während man vor 10 Jahren mit den richtigen Fächern bei jeder Examensnote sich eine Stelle aussuchen konnte (und selbst ein Kollege mit Englisch / Geschichte hatte damals in meiner Region mit mittelmäßigen Noten 7 Planstellenangebote), ist das heute viel viel viel angespannter. Bitte versetzt euch doch mal in unsere Lage: Man nimmt diese Prüfungen gravierend anders wahr, wenn jeder dir sagt "In deinem Schulamtsbezirk wurden letztes Jahr 5 neue Planstellen geschaffen bei 7500 Lehrern, die dort bereits arbeiten".
Jedenfalls bin ich sicher, dass ich vor 10 Jahren das Ref viiiiiiiel entspannter hätte angehen können - ist doch damals die mittelfristige Zukunft fast immer gesichert gewesen.
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon phstudent » 12.09.2017, 5:17:08

Rets hat geschrieben:Ich hab übrigens das Gefühl, hier im Forum ist die emotionale Bewertung des Ref vor allem vom Geburtsjahr abhängig. Während man vor 10 Jahren mit den richtigen Fächern bei jeder Examensnote sich eine Stelle aussuchen konnte (und selbst ein Kollege mit Englisch / Geschichte hatte damals in meiner Region mit mittelmäßigen Noten 7 Planstellenangebote), ist das heute viel viel viel angespannter.


Das hängt jetzt wieder vom LA ab. Im Bereich GS wird ja grad alles sofort mit Kusshand genommen was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das sah vor einigen Jahren auch noch anders aus.
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon JimJupiter » 12.09.2017, 6:23:43

Das lässt sich doch noch stark erweitern: Neben Grundschule wird nahezu jeder Berufsschullehrer und Sonderpädagoge händeringend gesucht.
Bei den allgemeinbildenden Sek I und II Lehrern gibt es viele Fächer, die auch dringend gesucht werden: MINT ohnehin, auch Musik, Psychologie.

Dir Zusammenfassung läuft also eher so herum: Außer mit Sprachen und Sozialwissenschaften auf LA Gym findet jeder Absolvent mit annhembaren Noten (etwa bis 2- ) sofort eine Stelle, ein klein bisschen Mobilität vorausgesetzt.
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Re: Gibt es ein Mittel gegen Beratungsresistenz?

Beitragvon rossi87 » 12.09.2017, 7:32:45

Süddeutschland klammern wir aber da bitte mal aus. Auch an den beruflichen Schulen dort kommt es ganz eindeutig auf die Fächer an.
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