Das Referendariat und ich passen einfach nicht zusammen

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Das Referendariat und ich passen einfach nicht zusammen

Beitragvon thomas_maiermueller » 27.06.2017, 20:01:18

Hallo zusammen,

ich bin seit Februar im Ref und leider läuft es überhaupt nicht.
Folgendes nervt mich:

- konservative und angepasste Mitreferendare, die nicht zusammenarbeiten
- sog. Betreuungslehrer, die sehr unkooperativ sind, alles schlechtreden, aber selbst nicht unterrichten können
- komische Seminare, in denen oftmals um den heißen Brei geredet wird

Kann es sein, dass ich alles zu negativ sehe? Oder dass ich etwas Falsches von einer Ausbildung erwarte?
thomas_maiermueller
 
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Re: Das Referendariat und ich passen einfach nicht zusammen

Beitragvon sabisteb » 27.06.2017, 20:11:27

thomas_maiermueller hat geschrieben:- konservative und angepasste Mitreferendare, die nicht zusammenarbeiten

Konservativ und angepasst: Ja.
Das ist der Sinn des Ref. Wer nicht ins System passt geht. Durchaus sinnvoll aus Sicht des Staates.
Aber bei mir wird zumindest kooperiert.

thomas_maiermueller hat geschrieben:- sog. Betreuungslehrer, die sehr unkooperativ sind, alles schlechtreden, aber selbst nicht unterrichten können

Vielleicht haben sie Recht mir ihrer Kritik. Sie haben Erfahrung, wir nicht.
Ich habe akzeptiert, dass ich wohl kein Talent zum Lehrer habe und orientiere mich um.

thomas_maiermueller hat geschrieben:- komische Seminare, in denen oftmals um den heißen Brei geredet wird

Solange sie sich nicht gegenseitig widersprechen geht es ja noch. Vieles ist aber wirklich nicht hilfreich. Pädagogik und die schöne Theorie.

thomas_maiermueller hat geschrieben:Kann es sein, dass ich alles zu negativ sehe? Oder dass ich etwas Falsches von einer Ausbildung erwarte?

Manchmal passt es halt nicht. Der eine Referendar ist in der Schule super glücklich der nächste unglücklich.
Ich passe vom Charakter her und von meinen Ansichten her auch absolut nicht in meine Schule. Sie sind alle nett und bemüht, aber die Firmenkultur ist einfach nicht die meine. In der Schule des Praxissemesters habe ich mich wohler gefühlt. Manchmal hat man halt Pech.
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Re: Das Referendariat und ich passen einfach nicht zusammen

Beitragvon rossi87 » 27.06.2017, 20:13:09

Wolltest Du nicht noch vor 3 Wochen deinen "eigenen Weg finden"? Dann sollten doch komische Mitreferendare und wenig hilfreiche Seminare kein Problem sein, oder?
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Re: Das Referendariat und ich passen einfach nicht zusammen

Beitragvon Yuthiel » 28.06.2017, 6:58:57

Ich nehme diesen Beitrag einmal als Anlass um stellvertretend meine Meinung zu äußern.

thomas_maiermueller hat geschrieben:- konservative und angepasste Mitreferendare, die nicht zusammenarbeiten

Konservativ muss nicht schlecht bedeuten. An vielen Schulen läuft der Alltag doch recht passabel und die Schüler werden gut ausgebildet. Ein solches System zu erhalten widerstrebt dem Anspruch ein guter Lehrer zu sein sicherlich nicht. Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen: eine 'Zusammen'arbeit betrifft immer mehrere Personen und sind manchmal der Gruppe selbst geschuldet (z.B. weil niemand das Wort ergreift oder das Heft in die Hand nimmt um aktiv die Gruppe zu leiten). Möglicherweise sind deine Mitreferendare/anwärter durchaus bereit zur Kooperation, jedoch aus verschiedenen Gründen kontaktgehemmt. Meist ist die Bereitschaft oder Offenheit in der Anfangsphase höher und nimmt schnell ab, sobald man "angekomen" ist, also im alltäglichen Schulleben mitwirkt. Wenn dich die mangelnde Zusammenarbeit stört, ermutige ich dich, selbst aktiv zu werden und ein Netzwerk aufzubauen.


thomas_maiermueller hat geschrieben:- sog. Betreuungslehrer, die sehr unkooperativ sind, alles schlechtreden, aber selbst nicht unterrichten können

Deiner Aussage entnehme ich eine starke Ablehnung ("sogenannte") gegen deine Betreuer. Es gibt natürlich auch schwarze Schafe und wenn du wirklich das (vermeintlich seltene) Pech hast eine/n ungeeignete(n) Betreuer/in zu haben, dann möchte ich hiermit mein Beileid aussprechen. Du kannst das natürlich auch als Ansporn nach dem Motto "jetzt erst recht!" sehen. Ich halte allerdings Demut für angebracht. Wenn dich gestandene Lehrer massiv kritisieren, dann wird das (auch, wenn alle pädagogische Flitzpiepen sein SOLLTEN) irgendwo ein wahrer Kern sein. Auch Schüler kritisieren Lehrer häufig, ohne ein pädagogisches Studium absolviert zu haben. Und oftmals haben Sie damit auch Recht.
Deine Einschätzung, dass sowohl Mitreferendare, als auch deine Betreuer unkooperativ sein sollen, stärkt meine Annahme, dass das Problem vielleicht eher bei dir liegt. Bitte fasse meine Aussagen nicht als persönlichen Angriff auf, jedoch halte ich es für wahrscheinlicher, dass EINE Person eine problematische Arbeitsmoral hat, als VIELE Personen. Mein Ratschlag hier: tritt geistig einmal 2, 3 Schritte von deiner Situation zurück und reflektiere ob sich wirklich die anderen falsch verhalten oder doch du (und sei es nur in ein paar Punkten).

Ein plakatives Beispiel: Wenn du ein absoluter Musterreferendar/anwärter bist, hervorragenden Unterricht erteilst, engagiert alle Aufgaben wahrnimmst aber jeden Tag jeden Kollegen einmal mit "Hallo, Arschloch" begrüßt, ist das EINE Verfehlung, die aber großen Einfluss auf die Zusammenarbeit haben dürfte :)


thomas_maiermueller hat geschrieben:- komische Seminare, in denen oftmals um den heißen Brei geredet wird

Wenn du das Gefühl hast, dass die Inhalte nicht konkret genug sind, mache eigene Vorschläge oder wirke auf die Diskussionen ein, um sie zu konkretisieren. Ein Seminar ist, entgegen der landläufigen Meinung, keine VORLESUNG. Es handelt sich hier immer (theoretisch) um eine lebhafte Debatte / Diskussion über ein Themengebiet. Die Seminarleiter stellen (frei nach der Angebots-Nutzungs-Theorie von Andreas Helmke) ein Angebot, dass die Adressaten (Referendare) genutzt werden kann, aber nicht notwendigerweise den gewünschten Erfolg bringt. Zugegeben, das ist ziemlich aus dem Kontext gerissen, soll aber illustrieren, dass du auch hier ein Teil des Systems bist und darauf EInfluss nehmen kannst. Niemand erwartet, dass du dich vor den Seminarleiter stellst und ihn polemisch angreifst. Ich wage aber zu behaupten, dass sanfte Kritik und Änderungswünsche in den meisten Seminaren gehört werden.

Fazit:
thomas_maiermueller hat geschrieben:Kann es sein, dass ich alles zu negativ sehe?

Ja.

thomas_maiermueller hat geschrieben:Oder dass ich etwas Falsches von einer Ausbildung erwarte?

Ja.

Warum? Weil das DEINE Erwartungen sind. Wann immer du von jemandem oder einer Sache enttäuscht bist, solltest du zunächst prüfen, ob deine Erwartungen überhaupt erfüllbar waren und ob du DEINEN Beitrag zur Realisierung deiner Ziele geleistet hast.

WENN du alles menschenmögliche tust um erfolgreich zu sein, offen und ehrlich, sowie aufopferungsvoll mit allen Mitmenschen zusammenarbeitest und dennoch und trotz deiner erstklassigen Arbeitsmoral an völlige Blindgänger und Nullen geraten bist - DANN halte ich deine Kritik für berechtigt und deine Einschätzung für zutreffend.

Generell für alle Referendare/Anwärter gilt: betrachtet bitte zunächst EUCH als das Problem. Das System hat in vielen Fällen jahrelang ohne euch funktioniert und wird es auch weiterhin ohne euch tun. Erst wenn ihr euren Anteil an der schlechten Gesamtsituation OBJEKTIV ausschließen könnt, solltet ihr es in Betracht ziehen andere für euer Versagen verantwortlich zu machen.

Noch einmal: mein Beitrag ist gegen niemanden persönlich gerichtet, sondern soll nur dazu anregen die eigene Situation zu überdenken. Es ist stets leicht(er) anderen die Schuld zuzuschieben, als sich seine eigenen Verfehlungen einzugestehen. Damit soll nicht gesagt sein, dass es diese höllischen Seminare voller unkompetenter Flitzpiepen nicht geben kann. Ich halte die Wahrscheinlichkeit für deren Existenz aber für verschwindend gering. Wenn ihr also wirklich unter einer nicht von euch verursachten Situation leidet, dann nehmt an dieser Stelle meine besten Wünsche und mein aufrichtiges Beileid entgegen.

Ist dem aber nicht so, dann gilt:
Wenn man sprichwörtlich mit der Kauleiste den Erdboden umgräbt: aufstehen, Krone richten, Schmutz abklopfen und weiter machen. Das Lehramt ist kein Beruf, sondern eine Berufung (vgl. BeamtStG)

Viele Grüße,
Yuthiel
Yuthiel
 
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