Referendar mit ADS

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon FerrisB. » 30.09.2011, 0:32:37

Hallo,
da hatte ich wohl 'Glück', dass mein ADS erst während des Refs, also nach der amtsärztlichen Untersuchung diagnostiziert wurde. Andererseits glaube ich nicht, dass die Diagnose, wenn du sie angibst, unbedingt zur Verweigerung der Verbeamtung führt. Ziel der Untersuchung ist ja, festzustellen ob du bis zur Pension ohne Frühberentung durchhalten kannst. So weit ich weiß, betrifft die Nichtverbeamtung hauptsächlich Leute mit großem Übergewicht. Es gibt wohl keine genauen Vorgaben aber als Richtwert habe ich was von BMI über 30 gehört. Aber alles ist wohl im Ermessen des jeweiligen Arztes. Ich kenne ehemalige Referendare mit Diabetes oder entfernter Schilddrüse, die auch Medikamente nehmen müssen und die die amtsärztliche Untersuchung überstanden haben. Neben den gesundheitlichen Problemen können nur Tattoos zur Nichtverbeamtung führen, da muss man einigen Amtsärzten in Bayern glaubhaft versichern, dass sie vor Beginn des Studiums, sozusagen als 'Jugendsünde' enhtstanden sind. Du könntest natürlich auch dem Amtsarzt nichts von der Diagnose erzählen, Eingriff in deine Krankengeschichte hat er ja nicht. Dann müsstest du allerdings aufpassen, dass es niemals einen Vorfall gibt, bei dem es rauskommt. Als Beamter zahlt ja die Hälfte der Krankheitskosten deine private Krankenkasse, die andere die Beihilfe. Die private wird die Erstattung der mit ADS in Verbindung gebrachten Kosten sowieso ausschließen, diese Hälfte müsstest du also selber zahlen. Die andere Hälfte der Kosten reichst du bei der Beihilfe ein, aber meines Wissens hat die Schulaufsicht keinen Einblick in deine Krankengeschichte und Medikamentenverordnung. Da müsstest du dich mal bei bei einer Lehrerorganisation GEW etc. rechtlich beraten lassen, ob das so ist. Oder du zahlst ab Referendariat die Kosten für das Methylphenidat selber. Dann wird wohl keiner was mitbekommen.
Im Extremfall würdest du halt 'nur' als Angestellter arbeiten, hättest aber sicher nicht weniger Geld als ich einfacher Hauptschullehrer mit Verbeamtung :P
Ich hoffe, dir wird dein Beruf Spaß machen, ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen, und möchte für kein Geld der Welt was anderes tun.
Generell würd ich dir raten, deine Diagnos für dich zu behalten, ich hatte früher mal vor, irgendwann damit offen umzugehen, aber meine Einstellung hat sich im Laufe der Zeit aus gutem Grund geändert. Lange hält mich Bayern auch nicht mehr, ich halts hier nicht mehr aus.

Lg Ferris
FerrisB.
 
Beiträge: 1
Registriert: 08.02.2005, 19:08:13

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon Hubselzwerg » 30.09.2011, 6:21:18

Das mit den Tattoos halte ich für Quatsch. Sogar in Bayern.
Eine Verbeamtung hängt nicht an moralischen Gründen sondern an gesundheitlichen.
Nicht verbeamtet wird man, wenn der Gesundheitszustand vermuten lässt, dass man in Zukunft nicgt mehr (voll) dienstfähig ist.
Es geht da einfach um Kosten.
ADS dürfte da ähnlich relevant sein wie Heuschnupfen.

Damit offen umgehen, sich quasi "outen": Wozu??
Das interessiert kein Schwein! Die, denen man negativ auffällt schon gar nicht, denn die nennen es dann Ausrede.
Dieser Beitrag wurde 666 mal editiert, zum letzten Mal von Gott: Morgen, 23:06
Hubselzwerg
 
Beiträge: 2781
Registriert: 30.08.2008, 19:34:09
Wohnort: Niedersachsen Sek I Mathe und Physik

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon CatherineDuquesne » 01.10.2011, 23:04:46

FerrisB. hat geschrieben: Neben den gesundheitlichen Problemen können nur Tattoos zur Nichtverbeamtung führen, da muss man einigen Amtsärzten in Bayern glaubhaft versichern, dass sie vor Beginn des Studiums, sozusagen als 'Jugendsünde' enhtstanden sind.



Da muss ich mich kurz einmischen.
Nein, meine Tattoos sind keine Jugendsünde. Und ja, mein linker Unterschenkel ist, nennen wir es mal im Jargon zugehackt - warum trage ich eigentlich immer Hosen ;)? Der Amtsarzt hat das mit keiner Silbe erwähnt. Das waren schon andere Gründe...
Aber man sieht mir das ja nicht an, wenn ich nicht unbedingt weiße Hosen trage. Nur aus Diskussionen über Tätowierte im Lehrerzimmer halte ich mich stets raus, kommt es mal dazu. :mrgreen:

Von mir würde man so etwas allerdings wohl am wenigsten erwarten...
"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." B. Brecht
CatherineDuquesne
Moderator
 
Beiträge: 3548
Registriert: 17.06.2007, 11:34:27
Wohnort: BY, RS

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon Refi01 » 09.10.2019, 15:48:42

Hallo zusammen,

auch wenn der letzte Beitrag schon einige Zeit zurückliegt, so hoffe ich dennoch, dass mir doch noch jemand einen Ratschlag geben kann.
Zu meiner Geschichte: Mit 14 Jahren wurde bei mir ADS diagnostiziert (ohne Hyperaktivität). Ich habe mich seiner Zeit für die Diagnose geschämt, mein Ritalin weggeschmissen und behauptet ich habe es genommen. Kurze Zeit später wurde ich vom Gymnasium verwiesen. Ich machte im Anschluss meinen Realschulabschluss. Ich habe angefangen hart zu arbeiten, es sogar bis zum Abitur und mittlerweile ins Referendariat geschafft. Mittlerweile weiß niemand mehr dass ich unter ADS leide, meine Eigenarten werden unter die Rubrik „Schusseligkeit“ abgetan. Meine Eigenarten habe ich gelernt zu überspielen. Leider wächst mir zur Zeit alles über den Kopf. Ich schaffe es nicht mehr durch Fleiß allein meiner Stellung gerecht zu werden. Im Unterricht habe ich vermehrt das Problem, den Schüleraussagen nicht mehr folgen zu können. Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Kollegen, wie auch Seminarleiter Verdacht schöpfen.
Ich sehe zur Zeit keinen anderen Ausweg, als wieder mit dem Ritalin anzufangen. Meine Belastungsgrenze ist erreicht. Je mehr Stress auf mir lastet, desto weniger kann ich mich konzentrieren, desto weniger meine Talente zum Ausgleich nutzen.
Wie kann ich an Ritalin kommen, ohne mir eine Diagnose stellen zu lassen? Natürlich möchte ich verbeamtet werden. Ich bin in der PV und würde alle Kosten selbst tragen. Ist es einem Arzt möglich mir das Medikament ohne dokumentierte Diagnose zu verschreiben?
Ich bin über jede Hilfe dankbar.

PS. Ich denke jeder, der eine ähnliche Geschichte hinter sich hat weiß, dass wir zu genüge bewiesen haben, dass wir sehr wohl belastbar sind und hart gekämpft haben um so weit zu kommen!
Refi01
 
Beiträge: 1
Registriert: 09.10.2019, 15:18:48

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon Maximer » 10.10.2019, 15:49:43

Refi01 hat geschrieben:Wie kann ich an Ritalin kommen, ohne mir eine Diagnose stellen zu lassen? Natürlich möchte ich verbeamtet werden. Ich bin in der PV und würde alle Kosten selbst tragen. Ist es einem Arzt möglich mir das Medikament ohne dokumentierte Diagnose zu verschreiben?
Ich bin über jede Hilfe dankbar.


Ich glaub kaum, dass es eine gute Idee ist, wenn du dir illegal verschreibungspflichtige Medikamente besorgst. Es ist doch heute kein Ding mehr, wenn man AD(H)S als Diagnose hat, oben wurde auch geschrieben, dass man damit auch verbeamtet wird, wenn man damit klarkommt.

Du hast das lange genug verdrängt. Ich finde es immer schade, wenn ich Schüler sehe, die offensichtlich an AD(H)S leiden und wo die Eltern der Überzeugung sind, dass Medis schädlich sind und ihre Kinder schulisch vor die Hunde gehen. Das muss nicht sein. Niemand kann was dafür, dass er einen gestörten Botenstoffhaushalt hat. Such dir einen Arzt, der sich mit dem Thema auskennt, erzähle ihm ehrlich von deiner Geschichte und dann besorg dir einfach legal die nötigen Medis.

Maximer
Maximer
 
Beiträge: 113
Registriert: 18.01.2018, 13:39:30

Re: Referendar mit ADS

Beitragvon kecks » 11.10.2019, 16:49:28

lass dich diagnostzieren und dss medikament verschreiben. was ist schon dabei? ist halt so und sicher nicht deine schuld. von illegaler beschaffung ist abzuraten.
kecks
 
Beiträge: 1604
Registriert: 01.04.2009, 6:09:18

Vorherige

Zurück zu Leid & Frust

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste