Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Wer sich seine Sorgen und Nöte mit dem Referendariat von der Seele reden will, ist hier richtig. Vielleicht gibt es ja jemanden, der einen guten Rat hat.

Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon Refiiiiiii1.0 » 12.07.2018, 10:00:29

Hallo Zusammen,

Entschuldigt, falls diese Frage öfter gestellt wurde. Ich habe eine Englisch-Fachseminarleiterin, mit der ich nicht zurecht komme. Während mich andere Menschen (mit LiVs, aber vor allem Mentorinnen, Abteilungsleiter, Schüler) für meine Ideen (z. B. Life Calls nach London mit Muttersprachler, Umgang mit hohem Leistungsniveau der SuS, politische Debatten anstatt stumpfen Unterricht etc.) loben, lässt sie nie ein gutes Haar an mir. Anstatt auch mal was gutes zu sagen läuft es so ab, dass sie mir in regelmäßigen Abständen Treffen vorschlägt, wo sie mir 2 Stunden lang nur negative Dinge an Kopf wirft. Jeder Pädagoge sollte doch wissen, dass ein konstruktives Feedback anders aussieht. Es ist jedenfalls sehr demotivierend und lässt an meinen Ideen zweifelt. Meine Mentorinnen sind mittlerweile so verärgert über sie, dass sie mit ihr reden wollen. Beide betonen immer, dass meine "forschende und innovative Grundhaltung" hervorsticht und Unterricht verbessert. Ich und meine Mentorinnen denken aber vielmehr, dass sie ein persönliches Problem mit mir hat. Sie kritisiert wirklich alles, sagt ich stehe zu "girly-haft" vor der Klasse, meine Kleidung sollte nicht so eng sein, ich soll mir nicht durch die Haare fahren und - die Krönung - nicht mit den SuS "flirten". Wenn sie das Nähe Distanz Problem anspricht: ich muss aber auch authentisch und kann mich ja nicht völlig verbiegen und ich bin sehr schülernah. Ich bin an einer Berufsschule, die SuS sind kaum jünger als ich, viele sogar wesentlich älter. Da fällt es mir noch schwerer, die "Lehrerin" raushängen zu lassen.

Jedenfalls gehen alle sehr wertschätzend mit mir um - außer sie. Meine Mentorinnen meinten, ich sollte notfalls den Personalrat einschalten, aber das will ich nur ungern- wie vertraulich sind die Informationen da? Zum Lehrertraining wollte ich damit auch nochmal gehen.

Die ganze Situation belastet mich sehr, ich traue mich kaum noch im Seminar mitzuarbeiten, weil sie sich jedes Wort was ich sage aufschreibt und mir dann immer vorhält: am Datum XX hast du XX gesagt und das war schlecht. Am Datum XX bist du Uhrzeit XX außerhalb der Pause auf Toilette gegangen. In der Mail vom XX Uhrzeit XX ist ein Autokorrekturfehler. In der EDV habe ich gesehen, dass du dich am upÜ XX ausgetragen, und upÜ XY eingetragen. Zusätzlich schreibt sie sich halt ALLES auf, aber kommt mir immer nur mit negativen Dingen.

Was mache ich? Schleimen und heucheln ist (leider) überhaupt nicht mehr Art, das würde man merken. Soll ich mir jetzt auch alles aufschreiben und ihr gute Punkte benennen? Soll ich zum Personalrat. Oder soll ich es einfach noch 1 Jahr "aushalten" und dann meine schlechte Note in Kauf nehmen?
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Re: Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon kecks » 12.07.2018, 16:05:49

genau das. alles mitschreiben. von mentorinnen gegenzeichnen lassen, was deine alltagsgeschäfte angeht. dass alles aufgeschrieben wird, ist, zumindest am gym bayern, normal, man muss ja nachher die note belegen können. ansonsten: kill them with kindness, solange sie nichts ausfälliges oder explizit unwahres sagt. mentaler mittelfinger kann ein sehr hilfreiches konzept sein.
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Re: Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon Fränzy » 12.07.2018, 18:38:44

Kannst du dich vielleicht mit Mentorinnen und Schulleitung zusammen setzen ? Können die sich nicht auch einschalten?
Der Personalrat ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Oder gibt es ein Beschwerdemanagement am Seminar? Meist kann man sich dort vorerst anonym beraten lassen. Wenn es zum Fall wird geht das aber nicht mehr. Die Entscheidung triffst aber du
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Re: Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon MarlboroMan84 » 13.07.2018, 15:56:44

Refiiiiiii1.0 hat geschrieben: Ich bin an einer Berufsschule, die SuS sind kaum jünger als ich, viele sogar wesentlich älter. Da fällt es mir noch schwerer, die "Lehrerin" raushängen zu lassen.



Du sollst die Lehrerin nicht "raushängen" lassen, sondern du bist die Lehrerin. Die Schüler haben deinen Anweisungen zu folgen, ganz einfach. Und eine gewisse Distanz ist auch nicht verkehrt.
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Re: Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon Max_Cohen » 15.07.2018, 11:11:24

Refiiiiiii1.0 hat geschrieben:Sie kritisiert wirklich alles, sagt ich stehe zu "girly-haft" vor der Klasse, meine Kleidung sollte nicht so eng sein, ich soll mir nicht durch die Haare fahren und - die Krönung - nicht mit den SuS "flirten". Wenn sie das Nähe Distanz Problem anspricht: ich muss aber auch authentisch und kann mich ja nicht völlig verbiegen und ich bin sehr schülernah. Ich bin an einer Berufsschule, die SuS sind kaum jünger als ich, viele sogar wesentlich älter. Da fällt es mir noch schwerer, die "Lehrerin" raushängen zu lassen.


Das könnte man anhand einer Videographie recht leicht überprüfen. Dabei kann nur gewonnen werden: Entweder du nimmst deiner Fachleiterin vollständig den Wind aus den Segeln oder es gibt tatsächliche Anhaltspunkte für unprofessionelles Lehrerverhalten, das du dir dann viel effektiver abtrainieren könntest.
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Re: Umgang mit schwieriger Seminarleiterin

Beitragvon Rotschreiber » 16.07.2018, 7:13:49

Du hast übrigens noch vergessen zu erwähnen, dass die Eltern und Schüler dich für eine ganz tolle Lehrerin halten...
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